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Laichwanderung
Erdkröten verlassen ihre Winterquartiere

Gefährlich: Im Lichtschein eines vorbeifahrenen Autos krabbelt eine Kröte über eine Landstraße.
Gefährlich: Im Lichtschein eines vorbeifahrenen Autos krabbelt eine Kröte über eine Landstraße. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Bad Sobernheim. Von Peter Zschunke

(dpa) Nach dem Ende der langen Frostzeit verlassen in diesen Tagen tausende von Erdkröten ihre Winterquartiere, um sich zu paaren. Bald wimmelt es in den Teichen, Seen und langsam fließenden Bächen von Kaulquappen. „Wenn es jetzt warm wird, setzt in geschützten Lagen die Laichwanderung ein“, sagt Karl-Heinz Fuldner vom Naturschutzbund (Nabu) Bad Sobernheim im Kreis Bad Kreuznach. Nabu und BUND bitten die Autofahrer, jetzt besonders auf kreuzende Amphibien zu achten.

„Wenn nur ein Weibchen überfahren wird, sind das rund 5000 Kaulquappen weniger“, erklärt Fuldner. Und bei den Erdkröten mit dem klangvollen wissenschaftlichen Namen Bufo bufo gibt es zu Beginn der bis zu vier Kilometer langen Wanderung fünf Mal mehr Männchen als Weibchen. Erst später kommen mehr Weibchen dazu. Wenn sie in der Mehrheit sind, weiß Fuldner nach vier bis sechs Wochen, dass die Wanderung bald zu Ende ist. Oft werden die Weibchen schon während der Wanderung bestiegen und tragen ihren Liebhaber dann bis zum Ziel auf dem Rücken.

Der ehemalige Lehrer betreut zusammen mit anderen ehrenamtlichen Tierschützern drei Orte, wo Schutzzäune die Lurche daran hindern, auf stark befahrene Land- oder Kreisstraßen zu laufen: bei Monzingen, Auen und Simmertal. Die Helfer sammeln die Amphibien in Eimern und tragen sie sicher über die Straße. Auch Kindergärten, Schulen, und Sportvereine machen mit: „Die Kinder haben viel Spaß dabei, das ist wie Ostereier-Sammeln.“ Die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr. Fuldner zählt bei einer Wanderung gewöhnlich mehr als 5000 Erdkröten, die von ihren Winterquartieren im Unterholz von Wäldern zu den Laichgewässern wandern. Grasfrösche – das ist die zweithäufigste Amphibienart – haben sich nach seiner Vermutung schon im milden Januar auf den Weg gemacht und im strengen Februarfrost dann in Tümpeln ausgeharrt. Zudem haben die Nabu-Aktivisten unter anderem auch Berg-, Faden- und Teichmolche sowie Feuersalamander beobachtet.



Zwischen Wöllstein im Kreis Alzey-Worms und Badenheim im Kreis Mainz-Bingen müssen die Amphibien in diesem Jahr erstmals nicht mehr eingesammelt werden. Hier führt ein Leitblech die Tiere zu zwei Unterführungen, so dass die Landesstraße 415 keine Krötenbarriere mehr ist. Dabei handle es sich um eine Naturschutz-Ausgleichsmaßnahme für den Bau eines Fleischverarbeitungsbetriebs, erklärt Rainer Michalski von der Nabu-Regionalstelle Rheinhessen.

Solche Tunnellösungen sind auch deswegen sinnvoll, weil sie nicht nur die Wanderung im Frühling, sondern auch den Rückweg der Tiere im Spätsommer und Herbst sichern. Dann sind die Erdkröten nicht mehr im Verband unterwegs. „Bei der Rückkehr passt meist niemand mehr auf sie auf“, erklärt die BUND-Naturschutzreferentin Bianca Goll.

Insbesondere beim Bau einer Straße wird zusammen mit Naturschutzbehörden und -verbänden geprüft, ob die neue Verkehrsverbindung den Wanderweg von Amphibien durchschneidet. In der Zuständigkeit des Landesbetriebs Mobilität (LBM) gibt es an rheinland-pfälzischen Straßen 75 Schutzanlagen für Amphibienwanderungen. Nach Einschätzung der BUND-Referentin Goll ist es ein Problem, dass oft stark befahrene Straßen durch Flusstäler führen, die für Amphibien wichtig sind, etwa der Mosel-Zufluss Sauer oder die Rheinauen der Südwestpfalz.

Die Rote Liste für Rheinland-Pfalz führt elf Amphibienarten auf, darunter fünf, die wie der Laubfrosch (Hyla arborea) oder die Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) als stark gefährdet eingestuft sind. Seit dem vergangenen Jahr gibt es besondere Schutzmaßnahmen für den Moorfrosch (Rana arvalis), mit denen das Land die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR) beauftragt hat. Dazu gehört ein Zuchtprogramm zur Erhaltung der seltenen Art. Auch für den Schutz der ebenso urtümlichen wie schönen Gelbbauchunke (Bombina variegata) auf dem Gelände eines ehemaligen Truppenübungsplatzes bei Koblenz stellt das Land Geld zur Verfügung.

(dpa)