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Zahl der Übergriffe steigt
Eisenbahn-Gewerkschaft fordert besseren Schutz für Zugbegleiter

Mainz. Zugbegleiter und Busfahrer werden nach Gewerkschaftsangaben auch in Rheinland-Pfalz immer häufiger Opfer von gewalttätigen Übergriffen. Vertreter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG forderten gestern in Mainz eine Doppelbesetzung auf Risikostrecken und in den Abendstunden.

Außerdem sei eine stärkere Polizeipräsenz an den Bahnhöfen nötig. Selbst bei körperlichen Angriffen könne die zuständige Bundespolizei wegen Personalmangels oft keine Hilfe leisten, sagte der für Sicherheitsfragen zuständige EVG-Fachbereichsleiter Marco Rafolt: „Sie müssen damit rechnen, dass sie bis zu einer Stunde auf die Polizei warten.“

In den vergangenen Jahren hat auch im öffentlichen Personenverkehr die Zahl von Beleidigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen gegen Bahnbedienstete drastisch zugenommen. So wurden 2017 insgesamt 2550 Fälle von Köperverletzung allein gegen Bedienstete der Deutschen Bahn AG registriert, 110 davon in Rheinland-Pfalz. Die EVG geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Viele Mitarbeiter würden Angriffe verschweigen, da sie von ihren Arbeitgebern für die Eskalation verantwortlich gemacht würden statt Unterstützung zu erhalten. Die Überlastung der Gerichte führe dazu, dass kaum eine Strafanzeige tatsächlich zu einer Verurteilung führe.

Für die Mitarbeiter hätten die Übergriffe, aber auch die Vielzahl von Beleidigungen oft drastische Folgen. Aktuell seien drei Kollegen in seinem Bereich wegen der Attacken von Fahrgästen nicht mehr dienstfähig, berichtete Thorsten Weske, Betriebsrat bei der DB Regio AG Mitte. Die Gewerkschafter drohen mittlerweile mit drastischen Maßnahmen: Falls sich die Sicherheitssituation ihrer Kollegen nicht verbessere, wollen sie den Dienstplänen ihre Zustimmung verweigern. Das hätte zur Folge, dass auf bestimmten Strecken gar kein Bahnpersonal mehr zum Einsatz kommen könnte.



In der Pflicht sieht die EVG nicht nur die Bahnunternehmen, sondern auch das Land, das den Regionalverkehr bei den Verkehrsunternehmen in Auftrag gibt. Bislang habe die Mainzer Landesregierung den Eisenbahnern die Hilfe verweigert. Eine Besetzung von Zügen mit zwei Zugbegleitern sei in Rheinland-Pfalz so gut wie gar nicht vorgesehen, obwohl sie dabei helfe, viele Gewaltausbrüche zu verhindern.

Die größten Risiken für das Bahnpersonal gehen nach Einschätzung der Gewerkschaft von Fahrgästen ohne gültige Fahrscheine sowie von psychisch kranken Personen aus. Aber auch von 1.-Klasse-Passagieren gehe Gewalt aus. Ein besonderes Problem stellten auch die Fanzüge zu Bundesliga-Spielen dar.