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Prozessauftakt im Landgericht Zweibrücken
Drogenhändler-Trio auf frischer Tat ertappt

 Die Angeklagten sollen mit Amphetamin gehandelt haben.
Die Angeklagten sollen mit Amphetamin gehandelt haben. FOTO: Hauptzollamt Saarbrücken
Zweibrücken/Ramstein. Zwei Syrer und ein Tunesier müssen sich wegen Handels mit Haschisch und Amphetamin vor Zweibrücker Landgericht verantworten. Von Rainer Ulm

Am 15. April, es war ein Montag, klickten für drei Drogendealer in Ramstein die Handschellen – kurz nachdem sie einem vermeintlichen Käufer zehn Kilogramm der auch „Pep“ oder „Speed“ genannten synthetischen Droge Amphetamin übergeben hatten. Was das Trio nicht wusste: Dieser Käufer war ein Mittelsmann einer sogenannten „Vertrauensperson“ (VP) der Polizei. Diese VP hatte die Beamten vorab über den Termin der Drogenübergabe informiert, weshalb sie das Trio auf frischer Tat ertappen konnten.

Am Mittwoch hat im Landgericht Zweibrücken der Prozess gegen das Trio begonnen, zwei 21- und 25-jährige Syrer sowie einen 23-jährigen Tunesier. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln vor. Sie sollen demnach in Zweibrücken, Homburg, Landstuhl und anderen Orten kiloweise mit Haschisch und Amphetamin gedealt und dabei Gewinne von 1800 bis 15 000 Euro erzielt haben. Darüber hinaus sollen sie Ecstasy-Tabletten verkauft haben – einige davon an eine Minderjährige. Der 21-jährige Syrer soll bei der missglückten Verkaufsaktion in Ramstein, so die Anklage, ein Pfefferspray in der Brusttasche seines Pullovers mitgeführt haben.

Die beiden Syrer lebten bis zu ihrer Festnahme im April in Homburg beziehungsweise in Kaiserslautern. Der Tunesier hielt sich illegal in Frankreich, in einem kleinen Ort in der Normandie, auf, von wo aus er immer mal wieder nach Deutschland einreiste, um Bekannte in Koblenz und in Duisburg zu besuchen, wie er am Mittwoch vor der Ersten Strafkammer aussagte. Möglicherweise war es auch der offensichtlich umtriebige Tunesier, der das später in Ramstein angebotene Amphetamin in den Niederlanden gekauft und nach Deutschland gebracht hatte. Er hatte bereits in der Schweiz gelebt, von wo aus er, nachdem sein Asylantrag abgelehnt worden war, nach Tunesien abgeschoben wurde. Er kehrte wenig später nach Europa zurück, zunächst nach Schweden und dann nach Frankreich, wo er bei seiner Freundin in der Normandie illegal unterkam.



Alle drei Angeklagten haben selber seit vielen Jahren sowohl Drogen- als auch Alkohol-Probleme. Die beiden Syrer sind anerkannte Flüchtlinge, deren Aufenthaltserlaubnis allerdings inzwischen abgelaufen ist. Der 21-jährige Syrer kam Anfang November 2015 nach Deutschland – über München, Lebach nach Homburg. Er ist nach eigenen Angaben vor dem Krieg in Syrien geflüchtet, habe deshalb sein Informatik-Studium in Damaskus abgebrochen, wie er aussagte. In Homburg habe er dann zeitweilig in einer Bäckerei gearbeitet, lebe aber grundsätzlich von Leistungen des Jobcenters, das auch die Miete für seine Wohnung in der saarländischen Kreisstadt zahlt. Der 25-jährige Syrer, der inzwischen bei seiner hochschwangeren Verlobten in Kaiserslautern wohnt, kam im Januar 2016 nach Deutschland, wurde zunächst in Flüchtlingsheimen in Trier, dann in  Zweibrücken und schließlich in Landstuhl untergebracht. Einen Job bei einem Sägewerk in Ramstein musste er wegen seiner Drogen- und Alkoholprobleme aufgeben, wie er eingestand, lebe derzeit von Hartz IV.

Es sind weitere vier Verhandlungstermine angesetzt. Das Urteil wird am 25. September erwartet.