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Millionenwerte erbeutet
Diebstahls-Serie in rheinland-pfälzischen Kliniken

Blick in einen Behandlungsraum für Endoskopien. Diebe haben 24 Endoskopiegeräte mit einem Gesamtwert von mehr als einer Million Euro aus der Mainzer Uniklinik gestohlen. Rheinland-Pfalz ist von der derzeitigen Diebstahlserie in deutschen Krankenhäusern besonders betroffen.
Blick in einen Behandlungsraum für Endoskopien. Diebe haben 24 Endoskopiegeräte mit einem Gesamtwert von mehr als einer Million Euro aus der Mainzer Uniklinik gestohlen. Rheinland-Pfalz ist von der derzeitigen Diebstahlserie in deutschen Krankenhäusern besonders betroffen. FOTO: Jens Büttner / dpa
Mainz. Die Serie von Diebstählen teurer Medizintechnik reißt nicht ab: Rheinland-Pfalz ist zu einem bundesweiten Schwerpunkt geworden. Nun wird ein Fall aus Mainz bekannt, in dem die Täter Beute im Wert von mehr als einer Million Euro machten.

() Sie schlagen oft am Wochenende zu, wenn weniger los ist. Sie greifen schnell in den Schrank und fliehen mit teurer Beute: Unbekannte Täter überziehen Deutschland mit einer Serie von Diebstählen in Krankenhäusern. Spezialisiert haben sie sich auf teure medizinische Geräte. Erst am Freitag wurde ein Fall aus dem Mai bekannt. Diebe haben 24 Endoskopiegeräte mit einem Gesamtwert von mehr als einer Million Euro aus der Mainzer Uniklinik gestohlen.

Wie das Landeskriminalamt (LKA) mitteilt, ist das der höchste Schaden von bisher sechs Diebstählen hochwertiger Medizintechnik aus Krankenhäusern allein in diesem Jahr in Rheinland-Pfalz. Endoskope werden etwa zu Organuntersuchungen wie Magenspiegelungen verwendet.

Laut dem Krankenhaus-Versicherungsmakler Ecclesia ist Rheinland-Pfalz derzeit bundesweit ein Schwerpunkt von Diebstählen hochwertiger Medizintechnik. „Vorher war es Nordrhein-Westfalen wegen seiner hohen Krankenhausdichte“, sagt der stellvertretende Leiter der Ecclesia-Schadensabteilung, Ralf Britz.



Bei den meisten der seit Februar 2014 bundesweit 75 registrierten Diebstähle hätten es die Täter auf Endoskopiegeräte abgesehen, vor allem auf deren Köpfe im Wert von jeweils 10 000 bis 160 000 Euro. Diese Bestandteile mit Spezialkameras lassen sich leicht in einen Rucksack oder eine Tasche stecken – und später ebenso auf Produkte anderer Hersteller montieren. Auch das könnte ihre Beliebtheit als Beute erklären. Den bisherigen Schaden seit Februar 2014 in Deutschland schätzt Britz auf mehr als 20 Millionen Euro.

Laut LKA-Sprecherin Dagmar Meyer sind in diesem Jahr neben Mainz Kliniken in Landstuhl, Baumholder, Bitburg, Bad Dürkheim und Remagen zu Tatorten geworden. Der Wert der Beute: jeweils Beträge in sechsstelliger Höhe. Hinzu kommt ein Tatversuch in Idar-Oberstein.

Die Ermittlungen laufen bei den Arbeitsgruppen für Bandenkriminalität bei den fünf rheinland-pfälzischen Polizeipräsidien. „Wir haben noch keine konkreten Ergebnisse“, sagt Meyer. Britz ergänzt, bundesweit tue sich die Polizei mit Fahndungserfolgen schwer. Es handele sich seiner Auffassung nach um organisierte Kriminalität mit professionellen Auftraggebern im Ausland, etwa in Afrika und vor allem Lateinamerika. Auch das LKA Rheinland-Pfalz spricht von mehr „Hinweisen auf südamerikanische Tätergruppen und Verteilung des Diebesgutes in diese Länder“.

Tatsächlich sind vor einiger Zeit mit der Verurteilung dreier Täter zu Haftstrafen in Frankfurt am Main solche Hintergründe ausgeleuchtet worden. Das Trio aus Kolumbien hatte in zwei Krankenhäusern der Mainmetropole Endoskope im Wert von 90 000 Euro gestohlen, die laut Ermittlungen von Betreibern sogenannter Hinterhofkliniken in dem südamerikanischen Land bestellt worden waren.

In Remagen haben Unbekannte vor etwa einer Woche zugeschlagen – nun fehlen der Klinik Maria Stern 16 Endoskope. „Wir haben jetzt Leihgeräte und müssen mittelfristig neue kaufen“, sagt der stellvertretende Verwaltungsdirektor des Verbundkrankenhauses Linz-Remagen, Dirk Rieck-Gangnus. Patienten würden auch an den zweiten Standort Linz verwiesen – eine kleine Fährfahrt über den Rhein. „Die Untersuchungen sind kontinuierlich gewährleistet. Aber es ist ein riesiger Aufwand und kostet mehr.“ Die Gespräche mit der Versicherung wegen des Diebstahls laufen. Britz mahnt: „Die Frage ist, ob Versicherungen hier bald drauflegen.“ Dann könnten sie aussteigen – oder ihre Beiträge kräftig erhöhen.

Die Klinik Maria Stern rüstet nun mit Hilfe einer Fachfirma beim Thema Sicherheit auf. Das LKA gibt in einem Rundbrief an die rheinland-pfälzischen Krankenhäuser Tipps und bietet polizeiliche Beratung an. Auch der Versicherungsmakler hat bundesweit laut Britz schon mehr als 60 Kliniken vor Ort beraten. Es geht etwa um Alarmanlagen und Bewegungsmelder. Überwachungskameras sind nach Worten von Britz schwierig wegen des Datenschutzes – und fest angebrachte Chips an den Endoskopen problematisch wegen des Verbots einer Geräteveränderung.

(dpa)