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Schau „Vom Wandervogel zum Lifestyle-Event“
Die Freizeit im Pfälzerwald verbringen

Moderne Freizeitgestaltung im Biosphärenreservat: Radfahren im Mountainbikepark Pfälzerwald nahe Lemberg.
Moderne Freizeitgestaltung im Biosphärenreservat: Radfahren im Mountainbikepark Pfälzerwald nahe Lemberg. FOTO: Mountainbikepark Pfa§lzerwald / picture alliance / dpa
Kaiserslautern. Der Pfälzerwald bietet nicht nur eine reiche Tier- und Pflanzenwelt und bizarre Felsformationen. Deutschlands größtes zusammenhängendes Waldgebiet zieht auch seit Jahrhunderten Wanderer und Erholungssuchende an.

Eine Ausstellung in der Pfalzbibliothek Kaiserslautern widmet sich der Geschichte der Freizeit und Erholung im Pfälzerwald. Die Schau „Vom Wandervogel zum Lifestyle-Event“ gebe bis 30. Juni einen Abriss über die Freizeitnutzung im Pfälzerwald seit dem 19. Jahrhundert, sagte Sabine Klapp, die Direktorin des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern. Dargestellt würden die Wanderbewegung – der Pfälzerwald-Verein, die Naturfreunde und die Wandervögel – sowie das heutige Wandern mit Hightech-Ausrüstung. Auch das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen werde als Beispiel für sanften Tourismus thematisiert.

Seit dem 19. Jahrhundert gebe es eine neue Art des Wanderns, die Natur diene der Erholung und Erbauung, sagte Klapp. Für die Ausstellung habe die Kuratorin Claudia Germann Dokumente, Abbildungen, Objekte und Literatur von privaten Leihgebern, aus dem Victor-Carl-Archiv der Pfalzbibliothek, vom Pfälzerwald-Verein und den Naturfreunden zusammengetragen.

„Was wir heute Pfälzerwald nennen, ist weitgehend von Menschenhand gemacht“, sagte Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder (CDU). Um die erste Jahrtausendwende seien große Teile Mitteleuropas von Urwald mit wenigen Siedlungsinseln bedeckt gewesen. Dies habe sich geändert, als die mittelalterlichen Herrscher ihre Burgen bauten und aus militärischem Kalkül den Wald auf den Hügeln rodeten. Im 19. Jahrhundert seien viele Teile entwaldet gewesen. Erst als die Pfalz nach dem Wiener Kongress 1815 zu Bayern kam, sei der Pfälzerwald vor allem mit Kiefern aufgeforstet worden.



Durch die Industrialisierung in den Städten hätten die Menschen die Natur zur Erholung entdeckt, sagte Wieder. Um 1900 gründeten sich der Pfälzerwald-Verein, die Naturfreunde und die Wandervogelbewegung, auch entstanden die ersten Hütten. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien überall Hütten als Stätten der Naherholung erbaut worden. Durch die Vielzahl der Erholungsuchenden sei der Schutz der Natur wichtig geworden, Wanderwege und später auch Wanderparkplätze seien angelegt worden.

1958 wurde der Verein Naturpark Pfälzerwald gegründet, um für das Gebiet einen Schutzstatus zu bekommen. 1992 wurde der Pfälzerwald von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärt. Seit 1998 ist Deutschlands größtes zusammenhängendes Waldgebiet zusammen mit den Nordvogesen ein grenzüberschreitendes Biosphärenreservat, dessen Schutzstatus alle zehn Jahren überprüft wird. 2014 übernahm der Bezirksverband Pfalz die Trägerschaft für den Pfälzerwald. Geplant seien ein Sanierungsprogramm für die Hütten und die Ausweisung eines „Sternenparks“, der den Pfälzerwald bei Nacht in den Blick nehme, sagte Wieder.

Die Ausstellung in der Pfalzgalerie in der Bismarckstraße 17 in Kaiserslautern ist bis 30. Juni montags bis freitags von neun bis 16 Uhr und samstags von zehn bis 14 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Ein Wanderer steht an der wohl markantesten Felsformation im Pfälzerwald, dem Teufelstisch bei Hinterweidenthal.
Ein Wanderer steht an der wohl markantesten Felsformation im Pfälzerwald, dem Teufelstisch bei Hinterweidenthal. FOTO: Ronald Wittek / picture alliance / dpa