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1000 Jahre Wormser Dom
Der Wormser Dom — der kleinste, aber feinste

Die Stadt Worms feiert in diesem Jahr das 1000-jährige Bestehen ihres Kaiserdoms.
Die Stadt Worms feiert in diesem Jahr das 1000-jährige Bestehen ihres Kaiserdoms. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Worms. Fünf neue Glocken hat er schon, aber die „Geburtstagsfeier“ an diesem Samstag steht noch bevor: In Worms wird in diesem Jahr das 1000-jährige Bestehen des Doms gefeiert. Die Kathedrale hat viel erlebt. Auseinandersetzungen gab es nicht nur in der Vergangenheit.

(dpa) Auch ein Dom ist vor Vergleichen nicht geschützt. Das scheint vor allem für die Kaiserdome in Worms, Mainz und Speyer zu gelten, die zu Beginn des zweiten Jahrtausends wenige Dutzend Kilometer voneinander entfernt am Rhein entstanden und als Hauptwerke romanischer Baukunst in Deutschland gelten. Der Mainzer Dom sei der älteste, der Speyerer der größte und der Wormser der schönste, heißt es in Worms. Dem dortigen Dom wird in diesem Jahr besonders viel Aufmerksamkeit zuteil. Kirche, Stadt und Land feiern das 1000-jährige Bestehen des Gotteshauses, das wie die anderen eine besondere Beziehung zum Kaisertum hat und auf eine bewegte Geschichte zurückblickt. Oft ging es dabei ruppig zu. „Man muss froh sein, dass der Dom noch steht“, sagt der Vorsitzende des Dombauvereins Worms, Udo Rauch.

Der Dombau ist eng mit dem Namen des von 1000 bis 1025 amtierenden Wormser Bischofs Burchard verknüpft. Er habe eine rege Bautätigkeit entfaltet, in deren Mittelpunkt der Bau eines neuen Doms gestanden habe, sagt Rauch. Vor 1000 Jahren – am 9. Juni 1018 – wurde das an der höchsten Stelle der Stadt errichtete Gotteshaus geweiht. Die doppelchörige Anlage mit vier Türmen, die an der Stelle eines alten Karolingerdoms entstand, wies aber bald Schäden auf. Der Dom wurde deshalb zu großen Teilen neu gebaut. Von 1130 bis 1181 entstand er in seiner heutigen Form - steiler und schlanker als die Kathedralen in Mainz und Speyer.

„Es ist der Dom mit der reifsten Romanik“, sagt Rauch. Dieser Baustil ist unter anderem durch Rundbögen, kleine Fenster und eine wuchtige und gedrungene Bauweise gekennzeichnet. Rauch weist auf die Redewendung hin, das Wormser Gotteshaus sei zwar das kleinste, aber das feinste der drei Kaiserdome. „Ich sage immer: der authentischste“, ergänzt Domprobst Tobias Schäfer.



Der Dom wurde Schauplatz bedeutender Ereignisse. 1048 wurde in Worms Papst Leo IX. gewählt, es war eine von nur zwei Papstwahlen auf deutschem Boden. Im Bischofshof neben dem Dom weigerte sich Martin Luther 1521 vor Kaiser Karl V., seine Lehren zu widerrufen, was zur Spaltung der Kirche führte. Auch Kriege hinterließen Spuren. „1698 war ein Katastrophenjahr für den Dom und die gesamte Stadt“, sagt Rauch. Die Truppen des französischen „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. brannten im Pfälzischen Erbfolgekrieg viele Orte nieder, darunter auch Mannheim, Heidelberg und Worms. Auch den Dom traf es. „Da sind alle 16 Glocken des Doms und die gesamte mittelalterliche Ausstattung vernichtet worden“, so Rauch. Zur Zeit Napoleons wurde der Dom dann als Pferdestall und Lager genutzt.

Als das Bistum Worms um 1816 aufgelöst wurde, blieb der Dom als Pfarrkirche bestehen. Ein Brand nach einem Fliegerangriff am 21. Februar 1945 zerstörte den Dachstuhl des Doms und ließ die drei Glocken schmelzen, so dass laut Rauch „nur noch ein faustgroßer Bronzeklumpen übrig war“. 1949 wurden drei „Notgeläute“ gegossen. Sie haben seit Kurzem Gesellschaft von fünf neuen Glocken, die Privatleute stifteten. Ein Geschenk des Dombauvereins zum Jubiläum. Am Pfingstsamstag erklangen sie zum ersten Mal – in Anwesenheit vieler Menschen, die deshalb eigens zum Dom gekommen waren.

Das alte Gotteshaus bedarf allerdings auch der Pflege. Die West-­, Ost- und Nordseite der Fassade sind bereits saniert, das Gerüst ist wegen des Jubiläums abgebaut. An der Nordseite muss nach Rauchs Worten noch nachgearbeitet werden, dort sind manche Stellen des Sandsteins noch dunkel. „Das sind alles die Spuren der Jahrhunderte, der Autoabgase, der Luftverschmutzung.“ Parallel zur Außensanierung läuft die Bauforschung: Es werde untersucht, welche Teile noch original und welche schon ersetzt worden seien, sagt Schäfer.

Beim Rheinland-Pfalz-Tag in Worms vom 1. bis zum 3. Juni spielte auch der Dom eine Rolle. Am 2. Juni gab es einen ökumenischen Eröffnungs-Gottesdienst in der Kathedrale, in deren Nähe zahlreiche Stände und ein Weindorf aufgebaut waren. Höhepunkt der bis diesen Sonntag dauernden Festwoche ist der Festakt mit Ex-Bundespräsident Joachim Gauck als Redner an diesem Samstag. Und: „Wenn alles gut geht, werden wir Ende des Jahres noch einen neuen Altar weihen können im Dom“, sagt Schäfer.

Aber es herrscht nicht nur Harmonie. Das hängt mit dem Gemeindezentrum „Haus am Dom“ zusammen, das am 18. Mai an der Südseite neben dem Gotteshaus eingeweiht wurde. Das dreigeschossige Haus aus rotem Stein soll auch Anlaufstelle für die etwa 400 000 Dom-Besucher pro Jahr sein und ein Café, ein Restaurant und eine Weinbar beherbergen.

Der „Bürgerverein Dom-Umfeld“ beklagt, das Gebäude sei dicht an den Dom gebaut worden und zerstöre den freien Blick von Süden auf das Gotteshaus. Mit dieser Ansicht vertrete man 17 000 Bürger. Das Haus sei „eine Missachtung des Domes“ und eine „Missachtung des Bürgerwillens“, sagt Josef Eberhardt, der am Eröffnungstag mit einer Handvoll Gleichgesinnter demonstrierte. „Wenn das Haus 20 Meter weiter weg gebaut worden wäre, wären alle einverstanden gewesen, und es wäre ein Haus der Herzen und kein Haus der Zwietracht geworden“, so Eberhardt. Die Kirchengemeinden Dom St. Peter und St. Martin werten das Haus dagegen als Gewinn für Dom und Stadt.

Eine der fünf neuen Kirchenglocken steht im Inneren des Wormser Doms. Inzwischen hängt das Geläut in den Türmen.
Eine der fünf neuen Kirchenglocken steht im Inneren des Wormser Doms. Inzwischen hängt das Geläut in den Türmen. FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst
(dpa)