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Unwetterkatastrophe
Das Aufräumen nach der Wasserflut geht weiter

Herrstein: Mitarbeiter einer Firma für Schleiftechnik schieben gemeinsam Dreck und Wasser aus einer Lagerhalle. Teile des Ortes sind am Sonntagabend von einem Unwetter verwüstet worden.
Herrstein: Mitarbeiter einer Firma für Schleiftechnik schieben gemeinsam Dreck und Wasser aus einer Lagerhalle. Teile des Ortes sind am Sonntagabend von einem Unwetter verwüstet worden. FOTO: dpa / Harald Tittel
Herrstein. In den von den schweren Unwettern betroffenen Orten in Rheinland-Pfalz laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Die Landesregierung verspricht schnelle Hilfe.

Nach den Unwettern in der Verbandsgemeinde Herrstein sind am Dienstag die Aufräumarbeiten in den betroffenen Orten weitergegangen. Ob in Herrstein, Fischbach oder Niederwörresbach: Überall werde Schutt abgefahren, teilweise müssten noch Keller leergepumpt werden, sagte der Leiter der Feuerwehr der Verbandsgemeinde, Nils Heidrich. Aus Sorge vor neuen Unwettern, die für Dienstag angekündigt wurden, waren am Vormittag rund 1000 Sandsäcke angeliefert werden. „Die halten wir vor, damit wir für Schwerpunkte vorbereitet sind“, sagte Heidrich.

„Elementar“ sei auch der Schaden in der Integrierten Gesamtschule in Herrstein. „Das komplette Keller- und Erdgeschoss ist betroffen. Hier läuft die Brühe noch die Straße runter.“ Die Feuerwehr wollte am dienstag auch hier pumpen. Heidrich ging davon aus, dass die Schule vor den Sommerferien nicht mehr zu nutzen sei.

Extreme Regenfälle hatten am Sonntag in der Region für Überschwemmungen gesorgt und großen Schaden angerichtet. Mehr als 360 Gebäude in vier Gemeinden waren überflutet worden, Dutzende Autos wurden weggespült.



Schnelle Hilfe verspricht die Landesregierung: Ein sogenannter vorzeitiger Maßnahmenbeginn soll es ermöglichen, schon vor der Bewilligung von Landesgeld mit Reparaturarbeiten an öffentlichen Gebäuden zu beginnen, wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Dienstag in Mainz sagte. Bei privaten Schäden sei es erheblich komplizierter. Es könne nur eingesprungen werden, wenn es sich um nicht versicherbare Schäden handele. Im Einzelfall solle dennoch geschaut werden, ob man was tun könne.

Unter der Federführung von Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD) soll koordiniert werden, wo das Land unterstützen kann, sagte Dreyer. Wieviel Geld es beisteuern werde, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Dreyer hatte sich am Montag selbst ein Bild von der Lage in der Verbandsgemeinde Herrstein im Kreis Birkenfeld gemacht.

Dreyer sagte, in Herrstein seien am Sonntag auch viele Privatautos von Helfern der freiwilligen Feuerwehr beschädigt worden. Nun solle geschaut werden, ob die Gemeindeversicherung dafür aufkomme. Wenn das nicht der Fall sei, solle kurzfristig mit dem Bürgermeister überlegt werden, was sonst noch machbar sei. Es könne nicht angehen, dass Leute, die ehrenamtlich vor Ort seien, mit solchen Schäden leben müssten. Mit dem Landrat sei besprochen worden, dass auch Spendentöpfe eingerichtet werden sollten.

Die Landesregierung will einmal mehr gezielt an die Kommunen im Land herantreten und deutlich machen, dass Hochwasserschutz nötig ist. Viel sei in den vergangenen Jahren in den Schutz typischer Hochwassergebiete investiert worden, sagte Dreyer. „Wir haben aber eine neue Situation mit den Starkregen-Ereignissen.“ Es seien auch Gebiete betroffen, wo das früher nicht der Fall gewesen sei.