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Legendäres Rock-Trio
Cream-Schlagzeuger Ginger Baker gestorben

 Der britische Schlagzeuger Ginger Baker ist tot. Er starb im Alter von 80 Jahren, wie seine Familie auf Twitter mitteilte.
Der britische Schlagzeuger Ginger Baker ist tot. Er starb im Alter von 80 Jahren, wie seine Familie auf Twitter mitteilte. FOTO: dpa / Jerome Brunet
London. Der rothaarige Feuerkopf des legendären Rock-Trios war ein genialer Musiker und ein schwieriger Mensch. Er wurde 80 Jahre alt.

Ginger Baker, Schlagzeuger des legendären Rock-Trios Cream, ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Seine Familie teilte per Twitter mit: „Wir sind sehr traurig zu sagen, dass Ginger an diesem Morgen im Krankenhaus friedlich entschlafen ist.“ Der Medienrepräsentant der Familie, Gary Hibbert, bestätigte die Todesnachricht. Baker litt seit Jahren an Arthritis, Herzbeschwerden, Gehörverlust und einer Lungenkrankheit vom Rauchen.

Baker bildete mit Gitarrist Eric Clapton und Bassist Jack Bruce in den 1960er Jahren das Trio aus außergewöhnlichen Einzelkönnern, das Maßstäbe setzte. Zu den großen Hits der Gruppe gehörten „White Room“, „Sunshine Of Your Love“, „I Feel Free“ und viele andere Songs, obwohl sie nur von Juni 1966 bis November 1968 bestand. Baker führte bei den Reunion-Konzerten in der Londoner Royal Albert Hall im Mai 2005 sein Schlagzeugsolo „Toad“ auf, das mit seinen Ruhm als einer der besten Schlagzeuger der Rockmusik begründete. Das Musikmagazin „Rolling Stone“ setzte ihn auf seiner Liste der 100 besten Rock-Schlagzeuger auf Platz drei – hinter Keith Moon von The Who und John Bonham von Led Zeppelin.

Nach Cream war Baker auch bei der ebenfalls kurzlebigen Supergruppe Blind Faith mit Clapton und Steve Winwood dabei, 1970 startete er eine Solokarriere, in der er mit vielen Jazz- und afrikanischen Musikern zusammen arbeitete, darunter insbesondere Fela Kuti.



Baker war, auch nach eigener Darstellung, ein schwieriger Charakter, jähzornig und unberechenbar. Sein Verhältnis zum 2014 verstorbenen Bruce war, vorsichtig ausgedrückt, angespannt. Dem Dokumentarfilmer Jay Bulger schlug er vor laufender Kamera mit seinem Gehstock die Nase ein. Bulger nannte seinen Film „Beware of Mr. Baker“ – „Nehmt euch vor Mr. Baker in Acht“.

Baker war kein Freund falscher Bescheidenheit. Seine Autobiografie nannte er: „Hellraiser: The Autobiography of the World‘s Greatest Drummer“. Andere Rock-Schlagzeuger nannte er geringschätzig „Basher“ – „Schläger“, und zu Bonhams Statement, der Led-Zep-Drummer und Baker seien die besten britischen Schlagzeuger, schrieb er in seiner Biografie: „Meine Reaktion darauf war: „Du unverschämter kleiner Bastard!““

Baker wurde als Peter Edward Baker am 19. August 1939 geboren. Den Spitznamen Ginger bekam er wegen seiner roten Haare; als Ginger Baker wurde er zur Rocklegende. Cream ging als erstes „Power Trio“ in die Rockgeschichte ein, der Name der Band stand dafür, dass sich Baker, Bruce und Clapton für die besten Musiker der Welt hielten.

Nach Cream kam mit Blind Faith der nächste Superlativ, die Band debütierte im Juni 1969 vor rund 100 000 Fans im Londoner Hyde Park. Nach einem Album, das aber als wegweisend galt, zerbrach sie. Baker arbeitete danach mit Art Blakey, Elvin Jones und anderen Jazz-Schlagzeugern, gründete seine Air Force, die nach zwei Alben implodierte. 1993 wurden Cream in die Rock‘n‘Roll Hall of Fame aufgenommen, 2005 spielten die drei Ausnahmemusiker im Mai mehrere Konzerte in der Royal Albert Hall und traten im Oktober noch einmal im New Yorker Madison Square Garde zusammen auf – und beließen es dabei.

Cream sei keine Rockband gewesen, insistierte Baker 2013 in einem Interview. „Um Himmels willen, ich habe nie Rock gespielt“, erklärte er. „Cream waren zwei Jazzmusiker und ein Bluesgitarrist, die improvisierte Musik spielten. Wir haben niemals an zwei Abenden hintereinander dasselbe Zeug gespielt. Jack und ich waren jahrelang in Jazzbands. Alles, was ich am Schlagzeug bei Cream machte, kam nicht von Drogen, es kam von mir. Es war Jazz.“

Steve Copeland, der Drummer des späteren Power-Trios The Police, sagte im Jahr 2013 über Baker: „Er war so einzigartig und hatte eine ausgeprägte Persönlichkeit. Niemand ist in seine Fußstapfen getreten. Alle wollten John Bonham sein und dessen Licks kopieren, aber es ist selten, dass man mal jemanden hört, der das Ginger-Baker-Ding macht.“

(dpa)