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Fünfter Verhandlungstag im Landgericht Zweibrücken
Comedian Thomas Nicolai sagt im Gleisschubser-Prozess aus

 Thomas Nicolai hat die Angeklagte als äußerst aggressiv geschildert.
Thomas Nicolai hat die Angeklagte als äußerst aggressiv geschildert. FOTO: BERND BRUNDERT
Zweibrücken. Der 55-jährige Parodist und Schauspieler hat sich in der Regionalbahn nach Saarbrücken deeskalierend zwischen die beiden Kontrahentinnen gestellt. Von Rainer Ulm

Ein prominenter Tatzeuge hat am Freitag im Gleisschubser-Prozess vor dem Landgericht Zweibrücken ausgesagt. Comedian Thomas Nicolai (55) wollte am 6. April von Zweibrücken aus, wo er am Vorabend in der dortigen Festhalle mit seinem Soloprogramm „Vorspiel und andere Höhepunkte“ gastiert hatte, unbeschwert zurück nach Berlin fahren. Doch es kam anders: Am Gleis 1 des Hauptbahnhofs wurde er an jenem Morgen Zeuge eines heftigen Streits. Diese Auseinandersetzung, bei der eine 19-jährige Saarbrückerin ins Gleisbett geschubst worden sein soll, mündete nun in die Hauptverhandlung gegen eine Zweibrückerin, ebenfalls 19 Jahre alt, die wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor der Zweiten Strafkammer angeklagt ist.

„Ich stand auf dem Bahnsteig und bemerkte kurz vor Einfahrt des Zuges zwei Mädchen, die sich schreiend mit Händen und Füßen prügelten“, sagte er vor der Großen Jugendkammer aus. Zunächst habe eine der jungen Frauen der anderern die Handtasche entrissen und ins Gleisbett geworfen, dann ihre Kontrahentin hinterhergeschubst. Als diese wieder auf den Bahnsteig „krabbeln“ wollte, habe sie die andere gegen den Kopf getreten, so dass sie rücklings ins Gleisbett gefallen sei. „Der Zug war zu dieser Zeit schon relativ nah, hat ein Signal gegeben.“ Nachdem die junge Frau es zurück auf den Bahnsteig geschafft hatte, habe er sie gefragt, wie es ihr denn gehe. Sie habe gezittert. Sein Eindruck sei gewesen, „dass sie unter Schock stand“. Im Zug, in den die beiden jungen Frauen dann eingestiegen seien, habe die Attackierte über ihr Handy die Polizei gerufen. Gleichwohl seien die Beschimpfungen der anderen jungen Frau „auf das Unflätligste“ weitergegangen. Die Lage schien seiner Ansicht nach außer Kontrolle zu geraten: „Das Mädchen war außer sich. Sie war nicht Herr ihrer Sinne.“ Die Zweibrückerin habe übelste Flüche und Drohungen ausgestoßen „in einer Art und Weise, wie ich sie noch nie erlebt habe“. Deshalb habe er sich im Zug „deeskalierend“ zwischen die Kontrahentinnen gestellt. „Ich hatte großen Respekt vor der Wut des Mädchens und immer die Angst, ich kriege auch einen Schlag ab.“ Nicolai vermutete – auf eine entsprechende Nachfrage des Vorsitzenden Richters Michael Schubert –, dass „Eifersucht und Liebeleien“ der Anlass für die Auseinandersetzung gewesen seien. Denn die Zweibrückerin habe „die ganze Zeit getextet“ und ihre Kontrahentin unablässig mit „Schlampe“, „Hure“ und „Bitch“ tituliert – bis die beiden jungen Frauen in St. Ingbert von der Polizei aus der Regionalbahn geholt wurden. Dort habe er der Angegriffenen seine Visitenkarte gegeben, falls sie seine Zeugenaussage benötige. Diese Aussage machte Nicolai dann tatsächlich später bei der Polizei in Berlin und jetzt im Landgericht Zweibrücken.

Der Direktor des Amtsgerichts Zweibrücken, Klaus Biehl, der die Haftprüfung der nun Angeklagten durchführte, sagte aus, dass sich die Zweibrückerin bei ihrer Vernehmung zunächst der Tragweite ihres Handels nicht bewusst gewesen sei. „Wegen solch einem Scheiß soll ich ins Gefängnis?“, habe sie ihn gefragt, berichtete der Jurist im Zeugenstand. Als Auslöser ihres Angriffs habe sie angegeben, ihre Kontrahentin hätte eine Handynachricht an ihren Freund in Saarbrücken geschickt, sie würde hier „mit fünf Männern rumchillen“. Sie habe deshalb nach Saarbrücken fahren wollen, um diese aus ihrer Sicht unwahre Behauptung ihrem Freund gegenüber richtigzustellen. Doch dann traf sie am Gleis 1 des Zweibrücker Hauptbahnhofs auf die vermeintliche Übeltäterin ...



Die Hauptverhandlung wird am Montag, 10.30 Uhr, fortgesetzt. Dann wird auch ein Urteil erwartet.