| 21:00 Uhr

Ab März 2020
Bus, Tram und Bahn in Luxemburg bald gratis

 Bald muss für öffentliche Verkehrsmittel in Luxemburg niemand mehr ein Ticket lösen.
Bald muss für öffentliche Verkehrsmittel in Luxemburg niemand mehr ein Ticket lösen. FOTO: dpa / Harald Tittel
Luxemburg. Bald haben die Fahrkarten ausgedient. Im Großherzogtum Luxemburg wird der öffentliche Verkehr ab März 2020 kostenlos.

Bahn, Bus und Tram werden vom 1. März 2020 an in Luxemburg für alle Benutzer kostenlos – sofern sie in der Bahn nicht in der ersten Klasse reisen wollen. Dies teilte Mobilitätsminister François Bausch am Montag in Luxemburg mit. „Es handelt sich um das soziale Sahnehäubchen auf einer umfassenden Verkehrsstrategie“, sagte Bausch am Montag in Luxemburg zur Einführung des kostenlosen öffentlichen Verkehrs im Großherzogtum. Mit freier Fahrt in den öffentlichen Verkehrsmitteln sollen auch die Straßen des 600 000 Einwohner zählenden Landes entlastet werden.

„Wir meinen, Fahrkarten machen keinen Sinn mehr in Luxemburg“, sagte Bausch. „Wir wollen ja, dass das neue System einladend bleibt.“ Fahrkarten braucht nur noch, wer die erste Klasse der Bahn nutzen will: Die wird auch künftig kostenpflichtig sein. Ansonsten werden in Luxemburg bei der Bahn Fahrkarten nur noch verkauft, sofern die Züge in die Nachbarländer fahren.

Jeden Tag pendeln rund 200 000 Menschen aus Deutschland, Frankreich und Belgien zur Arbeit nach Luxemburg. Auch diese Grenzgänger werden bei Bahn- und Busfahrten von der Kostenfreiheit in Luxemburg profitieren, versicherte Bausch. Fahrkarten, die beispielsweise in Deutschland gekauft werden, werden nur noch die Kosten in Deutschland abdecken: „Wir erwarten eine erhebliche Reduzierung der Preise. Wir befinden uns derzeit in Verhandlungen mit den Bahngesellschaften unserer Nachbarn.“



Schon bisher wurden die Kosten für die öffentlichen Verkehrsmittel in Höhe von 491 Millionen Euro pro Jahr zu etwa 90 Prozent vom Staat getragen. Die völlige Kostenfreiheit der öffentlichen Verkehrsmittel bedeutet daher zusätzliche Staatsausgaben von nur rund 41 Millionen Euro, sagte Bausch. Der öffentliche Gratis-Verkehr sei vor allem eine soziale Maßnahme: „Ich erwarte nicht, dass wegen der Kostenfreiheit viele Autofahrer auf den öffentlichen Verkehr umsteigen werden.“

Das werde vor allem von einer Verbesserung des Verkehrsangebots abhängen. Bis 2023 seien alleine bei der Bahn rund 2,23 Milliarden Euro Investitionen geplant. In den Ausbau der neuen Tram, die dreimal mehr Passagiere befördere als zunächst erwartet, sollen 388 Millionen Euro fließen. Bis 2030 sollen die Busse elektrisch fahren. Auch künftig werden Zugbegleiter in den Zügen und Bahnbedienstete an den Bahnsteigen sein, sagte Bausch. Dies sei schon aus Gründen der Sicherheit und des Service nötig. „Wir werden wegen der Kostenfreiheit bei der Bahn kein Personal abbauen“, versicherte er. Demonstranten der luxemburgischen Verkehrsgewerkschaft FNCTTFEL warnten vor menschenleeren Bahnhöfen und Zügen. Sie forderten „massive Neueinstellungen“.

Luxemburg, mit einer Fläche von knapp 2600 Quadratkilometern so groß wie das Saarland und zweitkleinster EU-Mitgliedsstaat, wird nach Angaben der Regierung das erste Land der Welt mit komplett kostenfreien öffentlichen Verkehrsmitteln werden.

Ungeachtet der von der Regierung des liberalen Premierministers Xavier Bettel beschlossenen Kostenfreiheit ist aber noch unklar, ob es nicht doch noch einige Lücken im Gratis-System geben wird. Von der Entscheidung der Regierung ist beispielsweise die Verkehrsgesellschaft AVL der Stadt Luxemburg mit etwa 170 Bussen im Einsatz nicht betroffen. „Dies ist eine Frage, die die Gemeinden selbst entscheiden müssen. Ich würde mir wünschen, dass auch sie ihre Busse kostenlos machen“, sagte Bausch. Bisher hat die Stadt Luxemburg noch nicht mitgeteilt, wie sie sich verhalten will.