| 23:14 Uhr

Wortwitz pur auf der Schülerbühne

Die Theater-AG beim Schlussapplaus. Foto: Susanne Gastauer
Die Theater-AG beim Schlussapplaus. Foto: Susanne Gastauer FOTO: Susanne Gastauer
Blieskastel. Die Geschichte von Professor Nägler mit Frau und zwölf Kindern hat es der Theater-AG des Von-der-Leyen-Gymnasiums angetan. Mit Erfolg: Die Zuschauer, Eltern, Lehrer und Schüler genossen die Curt-Goetz-Komödie. red

Zwei vergnügliche Abende bescherte die Theater-AG des Von der Leyen-Gymnasiums Eltern , Lehrern und Schülern mit der Aufführung der Komödie "Das Haus in Montevideo" von Curt Goetz. Professor Nägler lebt mit seiner Frau Marianne und seinen zwölf Kindern in einer beschaulichen Kleinstadtidylle und fühlt sich nichts auf der Welt so sehr verpflichtet wie der Moral. Seine eigene Schwester hatte er vor Jahren verstoßen, weil sie mit siebzehn Jahren unverheiratet schwanger geworden war. Jene Schwester vererbt nun Atlanta, Traugotts ältester Tochter, ein Haus in Montevideo und stellt ihr auch testamentarisch einen stattlichen Geldbetrag in Aussicht, allerdings nur unter der Bedingung, dass jemand aus Traugotts Familie denselben Fehltritt begehe, aufgrund dessen die Schwester einst aus der Familie ausgestoßen wurde. Der Professor kommt in höchste Gewissensnöte: Geld oder Moral? Soll er als Vater seine Tochter dazu bringen, ihren Liebsten nicht zu heiraten und trotzdem schwanger zu werden, um so die Bedingung des Testamentes zu erfüllen?

Das Bühnenstück, dessen Dialoge vor Wortwitz nur so sprühen, bietet einer Schultheateraufführung gleichwohl Chancen wie Herausforderungen. Die größte Herausforderung für die Schüler besteht darin, sich in die Moralvorstellungen der Fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts einzufühlen, nach denen ein uneheliches Kind als "Schande" angesehen wurde. Allerdings ist der Autor Curt Goetz dieses delikate Thema nicht mit erhobenem Zeigefinger angegangen, sondern hat es auf witzige und humorvolle Art präsentiert und genau hier verstecken sich auch die Chancen für die jungen Darsteller: Es galt, die von Curt Goetz mit subtilem Witz vorgezeichneten Figuren mit Esprit und spielerischem Können zum Leben zu erwecken. Auf der Bühne fochten Clara Rubeck (8b) und Nicklas Zahm (6c) in der Rolle des Professors Nägler einen Gewissenskampf zwischen Geldsegen für die Familie und dem eigenen Moralkodex aus. Ehefrau Marianne (Sophie Ackermann, 10b) durchschaut ihren Mann und versuchte, ihn mit weiblicher List auf die richtige Fährte zu bringen. Dazu hatte sie sich mit Pastor Riesling (Johanna Greff, 10a) verbündet, der sich kräftig über den an seinen allzu hohen moralischen Ansprüchen verzweifelnden Professor amüsierte. Herbert Kraft (Benjamin Schanne, 9b), der Verlobte der verliebten Atlanta (Meike Jost, 10b,), erstarrte in Ehrfurcht vor dem schulmeisterlichen Professor und wagte es kaum, ihn um die Hand seiner Tochter zu bitten. Der Versuch des Professors, ihn durch ein Gleichnis dazu zu bewegen, zuerst die "Nachspeise" und dann das "Hauptgericht" zu verzehren, um so die heikle Bedingung des Testamentes zu erfüllen, scheitert kläglich. Gott sei Dank lösen sich alle diese Probleme am Ende durch einen Zufall. Das Stück bietet durch die Figuren der Näglerschen Kinderschar und der Mädchen des Musikinternats in Montevideo sowie durch die Person des Bürgermeisters (Florian Lichius, 7c/ Mika Schiffer, 11) oder des Anwalts Ricardo Cortez (Maxine Hussong, 7c/ Mika Schieffer 11) den Schülern viele Möglichkeiten, auch in Nebenrollen Akzente zu setzen.

Originelle Regieeinfälle der beiden verantwortlichen Lehrerinnen Monika Wack und Silke Schmeiser, wie etwa das Vorlesen von Briefen durch die Verfasser derselben oder das Mitspielen der auf Gemälden abgebildeten Personen, und nicht zuletzt die farbenfrohen Kulissen, die die Zuschauer unwiderstehlich auf den südamerikanischen Kontinent entführten, komplettierten das Agieren auf der Bühne zu einem lustigen, unterhaltsamen Theaterabend.