| 21:43 Uhr

Blieskastel
„Wieder nur Verfügungen von oben“

Das Sträßchen Mühleneck in der Altstadt stößt direkt auf den Busbahnhof.
Das Sträßchen Mühleneck in der Altstadt stößt direkt auf den Busbahnhof. FOTO: Joachim Schickert
Blieskastel. Die Anwohner der Gerbergasse/Mühleneck haben über die Aufhebung des Sanierungsgebiets einen offenen Brief verfasst. Von Joachim Schickert

In die Diskussion um die „Aufhebung des Sanierungsgebietes Stadtmitte Blieskastel“ haben sich jetzt auch Anwohner der Gerbergasse/Mühleneck in Blieskastel eingeschaltet. Wie berichtet, wird das Sanierungsgebiet „Stadtmitte Blieskastel“ nach rund 30 Jahren abgewickelt, wobei die Grundstückseigentümer zur Kasse gebeten werden. Aus diesem Anlass hatte eine Info-Veranstaltung mit dem Gutachterausschuss des Kreises in der Blieskasteler Festhalle stattgefunden, bei der neben den Vertretern der Stadt Blieskastel vor allem die betroffenen Anwohner zugegen waren. Dort war es in der Folge zu zahlreichen Bürgerbeschwerden gekommen. Nicht nur wegen der unverständlichen Sprache, vor allem auch wegen einiger Aussagen der Vertreter des Gutachterausschusses, die als überheblich und arrogant wahrgenommen wurden. Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener hatte sich in einem Schreiben an den Landrat hinter diese Kritik gestellt, Landrat Gallo hatte seine Mitarbeiter in Schutz genommen. In einem offenen Brief der Mehrzahl der Anwohner Gerbergasse/Mühleneck heißt es an die „sehr geehrte Frau Bürgermeisterin und die sehr geehrten Damen und Herren der Gutachterkommission“: „Wie Ihnen sicher nicht entgangen sein dürfte, herrschen bei den Anwohnern der Altstadt großes Unbehagen und Unverständnis angesichts der anstehenden so genannten Ausgleichszahlungen für die durch Sanierungsarbeiten angeblich erfolgten Wertsteigerungen ihrer in der Altstadt gelegenen Grundstücke. Auf den ersten Blick mag es so scheinen, dass nicht jeder die ,komplizierten‘ Berechnungs- und Verwaltungsvorgänge nachzuvollziehen vermag. Bei etwas genauerem Hinsehen dürfte aber deutlich werden, dass die eigentliche Kritik sich gegen die Tatsache richtet, dass diese angeblichen Wertsteigerungen in vielen Fällen zu keinen erkennbaren Verbesserungen der Wohnqualität geführt haben, zum Teil ist genau das Gegenteil der Fall.“ In der Sanierungs-Zone Gerbergasse/Mühleneck habe sich durch die Änderung der Verkehrsführung der Straße vor der Bliesgaufesthalle Richtung Kreisel/Blickweilerstraße, die von einer nur durch Parkverkehr benutzten Sackgasse, die zu einer der Hauptaus- und einfahrten in die Innenstadt geworden sei, eine erhebliche Verkehrs- und Lärmbelastung ergeben. Die Errichtung des Busbahnhofes im zentralen Altstadtbereich, „durchaus schon ein städtebaulicher Schildbürgerstreich“, so die Mehrzahl der Anwohner, steigere durch seine Emissionen die ohnehin schon schwer erträgliche Verkehrssituation. Es kämen die Begleiterscheinungen der Vermüllung, der Ruhestörung, des Drogenkonsums, der hemmungslosen Verrichtung der Notdurft an allen möglichen Ecken des Quartiers hinzu. Auf diese Missstände sei bereits 2013 in der Zeitung eingegangen worden. Bis heute würden die Anwohner auf ordnungspolitische Reaktionen der Stadt warten. Das Einzige, was geschehen sei, sei das Entfernen von Ruhebänken gewesen, die als Teil der Attraktivitätssteigerung gedacht waren.

„Wenn die Verwaltung das als ,Wertsteigerung‘ verkaufen will und sich auf den herrischen Standpunkt stellt: ,Sie werden bezahlen!‘ (so geäußert in der ersten Versammlung am 8.12.2016) und jetzt von einem Gutachter nachgelegt wird: ,Wir machen keine Fehler!’ (Versammlung am 7.6.2018), dann darf man sich nicht wundern, dass viele Bürgerinnen und Bürger dieses obrigkeitsstaatliche Vorgehen nicht akzeptieren können“, heißt es in dem offenen Brief der Anwohner in diesem Teil der Altstadt.

Hätte man sich ernsthaft bemüht, so hätte man im Zuge der Bewertung mit den Betroffenen Gespräche geführt, sich Klagen und Kritik angehört und um Abhilfe gerungen. So bleibe es wieder einmal bei Verfügungen „von oben“, der gern zitierte „mündige Bürger“ bleibe eine Farce und der Streit mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort sei programmiert. „Noch ein Letztes zum Thema Altstadtsanierung: Es genügt nicht, einen Baum zu pflanzen, sondern man muss ihn auch hegen und pflegen, wenn er gute Früchte tragen soll“, heißt es in dem Schreiben der Anwohner abschließend.