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Webenheim
Wenn Altes wieder nützlich wird

Auch Schutzengel-Chef Klaus Port (rechts) war beim Flohmarkt in Webenheim mit von der Partie.
Auch Schutzengel-Chef Klaus Port (rechts) war beim Flohmarkt in Webenheim mit von der Partie. FOTO: Jörg Martin
Webenheim. Auf dem Gelände der Bliesgau-Garage im Gewerbegebiet „Auf Scharlen“ gingen am Karsamstag die Schnäppchenjäger auf die Pirsch. Beim Flohmarkt zugunsten des Blieskasteler Schutzengelvereins gab es vieles zu entdecken. Von Jörg Martin

Samstagmorgen im Gewerbegebiet „Auf Scharlen“. Auf dem Gelände der Bliesgau-Garage, wo sonst des Emblem des Sterns aus Stuttgart dominiert, sind zahlreiche Stände mit Dingen zu finden, die manche Leute nicht mehr in ihrem Haushalt haben möchten. Vor der Werkstatt und auf dem Bereich rechts davon, haben an diesem Tag Flohmarkthändler auf Einladung des Blieskasteler Schutzengelvereins das Sagen. Es ist noch stark bewölkt an diesem Karsamstag, und die Besucher halten sich noch zurück. Ein Alleinunterhalter lässt die Menschen, die auf der Suche nach einem Schnäppchen sind, lautstark wissen, dass der Enzian blau blüht. „Mal schauen, ob ich was finde. Eigentlich brauche ich ja nichts“, sagt Helga Kratz aus Zweibrücken. Sie war schon im Oktober letzten Jahres bei der Erstauflage hier. Da musste der Markt wegen des einsetzenden Regens am frühen Nachmittag abgebrochen werden. Daran glaubt die Rentnerin heute nicht. Dennoch ist sie früher da. Sicher ist sicher.

Klar ist auch, dass man an beinahe jedem Stand alte Schallplatten hätte kaufen können. Egal ob Single oder Langspielplatte. Völlig „Wurschd“, ob Heino oder Bata Illic: Hauptsache Vinyl. An einem Stand konnte man sich mit hochwertigen Modell-
autos regelrecht eindecken. Dabei war der Händler nicht nur auf Nobelkarossen spezialisiert. Anders sein Kollege ein paar Reihen dahinter: Er ist vollkommen auf Modellautos in Rot und Gelb aus dem italienischen Maranello spezialisiert. Doch nicht nur Ferraris gab es zu kaufen. Ein Marktbeschicker hatte Antikes dabei und stellte neben einem stilvollen Tisch nebst Stühlen gleich das passende Geschirr dazu vor. Das sah morgens noch ein wenig verloren aus. Doch bei Sonne am Nachmittag, wer weiß. „Ich möchte‘ so gern Dave Dudley hör’n“, wünscht sich der Musiker weiter hinten wieder herzerfrischend. Eine Frau philosophiert lautstark über die Vorzüge von im Sternzeichen Krebs geborene Menschen. „Heute näh’ ich. Morgen putz’ ich – vielleicht“, lautet die Inschrift auf einer Tafel von „Sandras Nähstübchen“ (Sandra Seeber) aus dem Landkreis Kusel. An ihrem Stand mit Selbstgenähtem ist jedes Stück ein Unikat.

Weiter vorne gibt es Teller mit Motiven längst vergangener saarländischer Brauereigeschichte zu kaufen. „Zählen Sie einfach die Punkte auf der Rückseite zusammen“, heißt es auf einem Schild, welches für einen Taschenbuchstand wirbt. Da ist das Angebot gegenüber für die Männerwelt interessanter: Werkzeuge und Geräte erfreuen das Herz der Herren. Mancher Aussteller, hat sich die Decke auf den Schoß gelegt, da es einfach noch recht kalt ist. Die beiden Damen am nach innen ausgerichteten Kfz-Prüfstand können  sich da nicht beklagen.



Nahe der Einfahrt zum Autohaus hat Klaus Port an seinem Stand das Sagen. Er ist der Vorsitzende des Blieskasteler Schutzengelvereins. „Wir kriegen die Standgelder. Das war das letzte Mal, nachdem die Familie Bitsch noch großzügig aufgerundet hatte, 1111 Euro“, blickt der rührige Sammler zurück und hofft auf eine ähnliche Summe. Denn momentan laufen rund 20 Projekte gleichzeitig, die es zu finanzieren gilt. Das ist ein Bedarf von über 140 000 Euro. „Ein Mitarbeiter, der privat auf Flohmärkte geht, brachte mich nach einem Umzug auf die Idee. Ich wusste nicht, wohin mit den Sachen“, erklärt Jutta Bitsch den Hintergrund. Die Prokuristin der Bliesgau-Garage kann sich vorstellen, das Ganze regelmäßig zu veranstalten.