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Riesenspaß auf den Straßen von Blieskastel
Gaudiwurm mit Guggemussigg

 Die Alschbacher Igel waren auch in diesem Jahr beim Umzug in Blieskastel wieder ein Hingucker.
Die Alschbacher Igel waren auch in diesem Jahr beim Umzug in Blieskastel wieder ein Hingucker. FOTO: Erich Schwarz
Blieskastel. Der Blieskasteler Fastnachtsumzug glänzte mit fantasievoll gekleideten Fußgruppen und herrlich schrägen Tönen. Von Erich Schwarz

Man sagt den Blieskastelern ja insgesamt ein gutes Verhältnis zu Petrus nach. Bei den meisten Veranstaltungen in der Barockstadt haben sie Glück mit dem Wetter. Es hätte allerdings sein können, dass Petrus das Blieskasteler „Nix wie druff“ der Karnevalsgesellschaft (BKG) falsch verstanden hätte. Denn Regen und Wind, sozusagen die ärgsten Feinde aller Fastnachtsumzüge, waren groß angekündigt. Einige Städte etwa in Nordrhein-Westfalen, aber auch in Dudweiler hatten ihre Umzüge bereits abgesagt, aber die Blieskasteler Narren sind hart im Nehmen. Und dann ging am Ende alles gut mit den Stallböcken: Pünktlich um 14.11 Uhr (ja, wirklich ganz pünktlich) startete der närrische Lindwurm im Lautzkircher Industriegebiet. Randbemerkung: Einigen Aussagen nach zu schließen, gibt es offensichtlich wieder Bestrebungen, den Zug demnächst erneut in der Lautzkircher Hitzendell starten zu lassen. Aber das sind Visionen für die Zukunft und die Meinungen dazu driften durchaus auseinander. Derzeit gilt weiterhin, dass sich die Umzugsteilnehmer im Industriegebiet aufreihen, und dort auch schon kräftig „vorglühen“.

Immer größer wird der Anteil sogenannter Partywagen, die mit eigener Musikanlage und hoher Wattzahl den Umzugsweg beschallen. Schon kurz nach Mittag hört man die harten Beats und dumpfes Basswummern in der Stadt. Da haben es die klassischen Musikkapellen recht schwer, mit dem traditionellen Humba Täterä noch durchzudringen. Wohl auch deshalb wird die Zahl der klassischen Musikzüge bei den Umzügen immer kleiner. Aber sie mühten sich redlich, und ein ganz besonderer Hingucker und -hörer waren die Guggemusiker der Rhythmusfetzer. Und offensichtlich scheinen sich diese Partywagen alle am Schluss aufreihen zu wollen. „Wir hatten sechs Anfragen solcher Gruppen, die alle ans Umzugsende wollten“, hatte BKG-Präsident Christian Pöbl schon im Vorfeld erzählt.

Nicht mehr wegzudenken von der Umzugsorganisation sind die Mitglieder des Tischtennisclubs Lautzkirchen, die am die Pins zur Finanzierung des Umzug an den Narr und die Närrin bringen wollen. So ein Umzugspin kostet gerade einmal zwei Euro, aber manche Zuggäste sind diesbezüglich sehr knauserig. Die Pin-Verkäufer müssen sich da die unglaublichsten Ausredegeschichten anhören. Dabei kostet der Spaß die Stadt und die BKG eine Menge Geld, ganz zu schweigen von den zeitaufwändigen Vorbereitungen, um den Gästen am Fastnachtssonntag ein solches Spektakel zu bieten. Denn auch diesmal gab es wieder tolle Wagen und sehr schön anzuschauende Fußgruppen mit ganz tollen weil fantasievollen Kostümen.



Auch heuer waren die Alschbacher wieder ein absoluter Hingucker, diesmal als wunderschöne Igel. Und auch jedes Jahr bereichern die Kerbcher aus Bierbach sozusagen in Kompaniestärke den Blieskasteler Umzug. Der legendäre Bierbacher Fanfarenzug ist ebenso gesetzt wie die vielen Aktiven der berühmten Bierbacher Kappensitzungen. Und natürlich die BKG: Alle Aktiven, verschiedene Gruppen und ein großer Elferratswagen waren im Umzug mit dabei. Und ob die Gespenster aus Wittersheim, die Pusteblumen aus Brenschelbach, die Biesinger Turnerinnen, die Aktiven der Blickweiler Pulverblättcher oder der Ruwenummer Pärdcher, und natürlich auch die ganzen Abordnungen der Zweibrücker Fasenacht: Die Narretei kennt keine regionalen Grenzen, und die Poesie ebenso wenig. Da wurde gereimt, was das Lexikon gerade hergab, etwa „Die Bauern sollen bluten, um den Discountern die Kassen zu fluten“, reimte die Weemer (Webenheimer) Straußjugend. Noch eine Kostprobe: „Mir sinn die Firma Bruch un Dalles, mir schaffe nix un saufe alles“. Aber an Fasenacht ist erlaubt, was gefällt, und den Tausenden von Gästen am Wegesrand hat es offensichtlich viel Spaß gemacht. Ein Lob auch noch an die Familie Berberich (Edeka-Markt): Die Öffnung des Kundenparkplatzes hat die Stellplatz-Situation merklich entspannt. Nach dem Umzug ging es im Festzelt auf dem Paradeplatz und in der Blieskasteler Gastronomie noch munter weiter. Dann „Nix wie druff“! Bis zum nächsten Jahr!

 Zwei ganz coole Damen aus der Eiszeit der Pulverblättcher.
Zwei ganz coole Damen aus der Eiszeit der Pulverblättcher. FOTO: Erich Schwarz
 „Völlig losgelöst“ lief diese Gruppe junger Damen beim fröhlichen Gaudiwurm in der Barockstadt mit.
„Völlig losgelöst“ lief diese Gruppe junger Damen beim fröhlichen Gaudiwurm in der Barockstadt mit. FOTO: Erich Schwarz
 Ganz ohne Noten kommen auch Guggemusikerinnen nicht aus.
Ganz ohne Noten kommen auch Guggemusikerinnen nicht aus. FOTO: Erich Schwarz