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Blieskastel
SPD: Defizite beim Hochwasserschutz

Hochbetrieb herrschte Mitte Juli bei der Feuerwehr in Bliekastel. Die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht mehr bewältigen. Auch aus Kellern musste jede Menge Wasser gepumpt werden.
Hochbetrieb herrschte Mitte Juli bei der Feuerwehr in Bliekastel. Die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht mehr bewältigen. Auch aus Kellern musste jede Menge Wasser gepumpt werden. FOTO: Eric Dessloch/Feuerwehr der Stadt Blieskastel
Blieskastel. Die Sozialdemokraten im Blieskasteler Stadtrat möchten über Maßnahmen zum Hochwasserschutz öffentlich diskutieren. Von Joachim Schickert

Die SPD-Fraktion im Blieskasteler Stadtrat hat eine öffentliche Diskussion über Hochwasserschutz gefordert. Die Starkregenereignisse der vergangenen Wochen hätten in einigen saarländischen Gemeinden zum Teil verheerende Schäden angerichtet. Zwar seien die Blieskasteler Stadtteile diesmal relativ glimpflich davongekommen, aber niemand könne vorhersagen, dass dies auch in Zukunft so sein wird. „Eines scheint sicher zu sein: Diese Naturkatastrophen nehmen an Häufigkeit und Ausmaß zu und treffen immer häufiger auch unsere Region“, so SPD-Chef Guido Freidinger in einer Presseerklärung. Zuletzt stand am 15. Juli im Anschluss an ein kurzes, aber heftiges Unwetter innerhalb weniger Minuten die Blieskasteler Altstadt knöcheltief unter Wasser, einige Keller mussten von der Feuerwehr leergepumpt werden. „Nicht zuletzt auch weil einige Augenzeugen berichteten, dass diese Überflutung zumindest zum Teil auf die unzureichende Wartung der Kanäle und Sinkkästen durch das städtische Abwasserwerk zurückzuführen und damit quasi hausgemacht war, hat die SPD-Fraktion die Verwaltung aufgefordert, einen Bericht über die Schadensursachen und zukünftige Maßnahmen zur Schadensvermeidung und -verhinderung vorzulegen.“ Dieser Bericht solle nach Vorstellung der SPD öffentlich, also unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger, erörtert werden, so Guido Freidinger abschließend.

Wie berichtet, hatte am Sonntagabend, 15. Juli, die Bevölkerung der Stadt Blieskastel Glück im Unglück, als ein Starkregen beim Sommergewitter über die Stadt niederging: Niemand wurde verletzt, dennoch hatten die Löschbezirke der Freiwilligen Feuerwehr Blieskastel alle Hände voll zu tun: Zahlreiche Alarmierungen innerhalb weniger Minuten brachten den Wehrleuten viel Arbeit. „Schon fast zu oft waren die Feuerwehren wegen Sommerunwetter in diesem Sommer eingesetzt. Nur dieses Mal ging es nicht für die Blieskasteler Feuerwehrleute in andere Gemeinden, wie zu Beginn des Monats Juni nach Mandelbachtal und Heusweiler, sondern das Gewitter traf punktgenau Blieskastel-Mitte und Lautzkirchen. Insgesamt wurden in den Ortsteilen Blieskastel, Lautzkirchen und Webenheim 47 Einsatzstellen gemeldet und abgearbeitet“, teilte Wehrsprecher Marco Nehlig einen Tag später mit. Zum ersten Einsatz an dem Sonntag hatte die Integrierte Leitstelle (ILS) Saarbrücken den Löschbezirk Blieskastel-Mitte um 16.40 Uhr zu einem überfluteten Straßenzug im Stadtteil Lautzkirchen alarmiert. Hier konnten die Kanaleinläufe die massiven Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Die Straße war 30 Zentimeter überflutet, die Regeneinläufe mussten freigelegt werden.

Danach war es Schlag auf Schlag gegangen, eine Einsatzadresse folgte der nächsten. So mussten die Helfer aus Blieskastel-Mitte, die mit 28 Feuerwehrleuten und sechs Fahrzeugen bereits ausgerückt und unterwegs waren, schnell um eigene Verstärkung rufen. Die Löschbezirke Bierbach an der Blies, Biesingen, Blickweiler, Breitfurt, Mimbach, Webenheim und der Löschbezirk Kirkel-Neuhäusel der Nachbargemeinde unterstützten bei dem Starkregenereignis rund um die Barockstadt. Nun folgten viele Einsatzstellen parallel, sodass direkt zu Beginn eine „Örtliche Einsatzleitung“ (ÖEL) in der Feuerwache in Blieskastel-Mitte eingerichtet wurde. Wie Marco Nehlig weiter berichtete, wurde auch das Webenheimer Bauernfest von den Regenfluten heimgesucht. Die Zufahrt zum Festgelände war bis zu 15 Zentimeter überflutet. Hier waren die Wehrleute aus Webenheim einsatztechnisch gebunden.



Parallel wurden in Blieskastel und Lautzkirchen Keller leer gepumpt und Straßen gereinigt, die vor dem eindringenden Schmutzwasser mit Geröll überflutet waren. Die Blieskasteler Wehren sorgten schnell an den Örtlichkeiten für Abhilfe, denn die nächsten Einsatzstellen warteten schon. „In der Blieskasteler Altstadt waren vor allem die Von-der-Leyen-Straße, die Gerbergasse, das Mühleneck und die Kardinal-Wendel-Straße betroffen. Hier stand das Wasser fast 30 Zentimeter hoch. Die Kanalisation konnte die kurzzeitigen Spitzenwerte des Starkregens mit Hagel einfach nicht schaffen“, so einer der völlig durchnässten Feuerwehrkräfte.

Ein weiterer Einsatzschwerpunkt lag im Stadtteil Lautzkirchen. Hier kämpfte die Feuerwehr parallel zu den anderen Ereignissen, wie abgebrochene Äste, mit den eindringenden Regenmassen in Kellerräumen. Die Straßen „In der Mühldell“ und „Am Eichberg“ in Lautzkirchen waren hier besonders betroffen. Mehrere Keller und Wohnungen liefen voll und mussten ausgepumpt werden. Gleichzeitig wurden durch das Team der „Örtlichen Einsatzleitung“ auf der Feuerwache in Blieskastel in Spitzenzeiten bis zu 25 Einsatzörtlichkeiten parallel disponiert. Auch ein Blitzeinschlag in die Hauptstromleitung sorgte kurz für Aufregung, hieß es damals abschließend.