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Hans-Michael Blum und seine Destille
Erst war der Schnaps – und dann der Essig

 Nach der Ernte holt Hans-Michael Blum das Beste für seinen Essig aus den Früchten der Bäume in der Biosphäre heraus.
Nach der Ernte holt Hans-Michael Blum das Beste für seinen Essig aus den Früchten der Bäume in der Biosphäre heraus. FOTO: Eike Dubois / phormat.de
Ballweiler. Hans-Michael Blum aus Ballweiler verarbeitet alte Obstsorten. Sein Handwerk erfordert viel Geduld und Können.

Als Hans-Michael Blum zu Ende des vergangenen Jahrtausends „beim Bosch“ einen ordentlichen Job bekam, war der Familienrat einig: „Der Bub braucht e nei Auto.“ Aber der Bub lief familienmäßig aus dem Ruder. Kein neues Auto kaufte er sich, sondern das Mobiliar einer Schnapsbrennerei. Destillationsapparat, Pumpen und Brenner. Den Raum für die Destille hatte er vorher schon nach saarländischer Manier selbst erstellt. Da stand er nun, mit mehreren Hektar Streuobstwiesen, die ihm der Großvater vererbt hatte, und einer blitzblanken neuen Brennerei. Mitten in Ballweiler, gleich neben dem Haus, in dem er seit seiner Geburt lebt.

Blum kaufte sich das so genannte kleine Brennrecht. Das erlaubt dem Brenner, 50 Liter Alkohol für den eigenen Bedarf zu brennen. Bloß – damit ist eine Brennerei nicht ansatzweise ausgelastet. Blum brannte auch für andere Eigentümer von Obst. Schnell erwarb er sich einen hervorragenden Ruf, denn sein Umgang mit der Maische zielte nicht auf große Mengen an Schnaps, sondern auf Top-Qualität und Obst, das man auch nach dem Brand im Schnaps noch schmeckt. Einziges Handicap: Die Mengenbeschränkung des kleinen Brennrechts hatte zur Folge, dass Blum nur einen Teil seines eigenen Obstes zu Schnaps machen durfte. Der Obstertrag von vielen Bäumen blieb ungenutzt.

2014 dann die Idee, aus dem überschüssigen Obst Essig herzustellen. Blum machte sich bei einem der deutschlandweit renommierten Fachleute kundig. Nahm wieder eine Menge Geld in die Hand, um sich Mobiliar für eine Essigmanufaktur zu kaufen. Auf dem Dachboden über der Brennerei ist jetzt der Essig zuhause. Bloß – so einfach wird aus Obst kein Essig. Zuerst wird es nach der Ernte angegoren. Dann ausgepresst – das Ergebnis ist ein Most, also die Vorstufe zum Wein. Wenn der gänzlich vergoren ist, wird er mit Essigbakterien geimpft. Hört sich kompliziert an, funktioniert aber einfach so, dass der vergorene Most über Buchenspäne fließen muss, die die Essigbakterien enthalten. Trauben, Kirschen und Pflaumen gingen diesen Weg in Blums Essigmanufaktur.



Wer Maschinen einsetzt, um Essig herzustellen, ist anschließend recht schnell fertig. Bei Blum geht alles von Hand und so, wie die Natur mit ihm zusammenspielt. Das spart Chemie, dauert aber seine Zeit. Der Essig muss nämlich reifen.

Mehrere Jahre verbringt er teils im Eichenfass, teils im Edelstahltank. Im vergangenen Jahr wurde der Traubenessig als erster fertig, Blum ist mit dem Ergebnis zufrieden. In diesem Jahr werden nun Kirsche und Pflaume verzehrfertig. Schön dickflüssig, im Stil italienischer Balsamico-Essige. Mit Obst von ungespritzten Bäumen. „Ich arbeite ausschließlich mit alten Obstsorten. Die sind gegen vieles resistent. Deshalb kann ich ohne Chemie arbeiten, und das Obst hat von Anfang an eine herausragende Qualität“.

Mittlerweile hat Blum übrigens ein großes Brennrecht gekauft. Das bedeutet, dass er eigentlich sein Obst komplett zu Schnaps brennen dürfte. „Die Essigmanufaktur hat es mir angetan. Ich verarbeite jedes Jahr einen Teil zu Essig.“ Blum hat vor, den Essig wie Schnaps in verschiedenen gastronomischen Betrieben im Bliesgau zu vermarkten, außerdem gehört der Schnaps zum Sortiment der Biosphären-Produkte. Für Dritte brennt Blum nicht mehr, dazu fehlt einfach die Zeit. Bloß – wer solche Hobbys hat, führt ein ungewöhnliches Leben. „Ab Juli bin ich eigentlich auf meinen Bäumen zu finden.“ Es beginnt mit den Kirschen im Juli und geht bis Anfang November mit den späten Äpfeln. Derzeit testet Blum allerlei Erntegerätschaften. Einen Rüttler beispielsweise, der an den Traktor angebaut wird und Bäume rütteln soll. „Bloß, mein Traktor ist zu klein. Das Ding rüttelt meinen Traktor, der Baum bleibt ungerührt stehen.“ Macht er halt von Hand weiter. Große Maschinen sind nicht Blums Sache.

Ein neues Auto hat er übrigens auch heute noch nicht. Aber ein paar Wiesen, die er erst gekauft hat. Mit schönen Obstbäumen. 58 ist Blum heute und hat den Kopf voller Ideen. „Die Menschen sind durch den Biosphären-Gedanken sensibilisiert: Sie schätzen Produkte, die aus regionalen Rohstoffen von Hand hergestellt werden.“

 Der Meister bei der Arbeit in Ballweiler.
Der Meister bei der Arbeit in Ballweiler. FOTO: Peter Gaschott
(ERS)