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Das sind die Pläne und Ziele des 2. Beigeordneten der Stadt Blieskastel
Enorm schwierigen Aufgaben stellt er sich

 Der Beigeordnete Guido Freidinger macht sich ein Bild vom Schulstandort Medelsheim. Dort teilt sich die Stadt Blieskastel mit der Gemeine Gersheim die Trägerschaft der Grundschule.
Der Beigeordnete Guido Freidinger macht sich ein Bild vom Schulstandort Medelsheim. Dort teilt sich die Stadt Blieskastel mit der Gemeine Gersheim die Trägerschaft der Grundschule. FOTO: Erich Schwarz
Blieskastel. Guido Freidinger, der Zweite Beigeordnete der Stadt Blieskastel, hat in den kommenden Jahren ein sehr großes Feld zu beackern. Von Erich Schwarz

Seit der letzten Kommunalwahl haben sich die politischen Koordinaten in der Barockstadt verschoben: Der neue Bürgermeister Bernd Hertzler ist SPD-Mitglied, die Mehrheit im Stadtrat bildet die sogenannte Kooperation von SPD und Grünen. Lisa Becker (Grüne) ist formal Erste Beigeordnete, Guido Freidinger (SPD) ist Zweiter Beigeordneter, also ebenso Vertreter des Bürgermeisters, falls dieser verhindert ist.

Freidinger war Bediensteter in der Verwaltung der Stadt Saarbrücken und ist nun im Ruhestand. Viele Jahre war der Mann aus Breitfurt Fraktionschef der SPD-Fraktion und damit Oppositionsführer im Blieskasteler Stadtrat. Im Gespräch mit unserer Zeitung sprach Freidinger (wie zuvor schon Lisa Becker) von einem „Gemischtwarenladen“. Gemeint war der frühere Fachbereich Bürgerdienste, den sich nun die beiden Beigeordneten „teilen“ (wir berichteten). Für den 66-jährigen Freidinger liegt der Schwerpunkt der Arbeit nun in mehreren Bereichen.

„Die Neustrukturierung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister, der Kollegin Lisa Becker und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung sehr vertrauensvoll und effektiv – echte Teamarbeit“, unterstreicht Freidinger. Der Breitfurter Kommunalpolitiker kümmert sich fortan um Kitas, Grundschulen und Sporthallen, Senioren- und Behindertenangelegenheiten, die offene Jugendhilfe sowie um den Bereich Migration. Zunächst galt es für Freidinger, eine Bestandsaufnahme vorzunehmen. Er will im Laufe der Zeit alle Grundschulen, Kitas, Sporthallen und auch Jugendeinrichtungen im Stadtgebiet bereisen und sehen, wo genau der Schuh drückt. Seine Bilanz bisher: „Ich habe inzwischen schon einen Überblick, aber noch nicht unbedingt überall den tiefen Einblick“. Es mache Sinn, sich genau zu informieren, und es gelte auch hier das Motto „Genauigkeit vor Schnelligkeit“. Wobei in Niederwürzbach durchaus Gas gegeben werden muss.



Die Kita Niederwürzbach steht in der Prioritätenliste ganz oben, ein dringend erforderlicher Neubau ist jetzt quasi beschlossene Sache (wir berichteten). Auch dem Schimmelbefall in der Kita Lautzkirchen will man nun zu Leibe rücken: „Die Sanierungsarbeiten bezüglich des Schimmelbefalls werden während der Sommerferien durchgeführt werden müssen, weitere Sanierungsarbeiten können schrittweise folgen“, informierte Freidinger.

Ebenso wie bei der Kita in Niederwürzbach gibt es auch noch weitere Aufgabenfelder, wo die Zeit drängt und man aufs Tempo drücken muss: So zeichnet sich ab, dass die Nachmittagsbetreuungen an einigen Standorten an die Kapazitätsgrenzen kommen: „Vermutlich wird es ab dem kommenden Schuljahr zu Wartelisten kommen“, prognostiziert der Beigeordnete, Hinzu kommt erschwerend, dass es ab dem Jahr 2025 einen Rechtanspruch auf einen Platz in der Nachmittagsbetreuung geben wird.

Auch bei der Digitalisierung ist Eile geboten. Die Stadt muss auch hier eine Bestandsaufnahme durchführen – die personellen Ressourcen dazu sind indes noch unklar.Und die Schulen müssen auch entsprechende Medienkonzepte erstellen. Fakt ist, dass bis 2022 erste Zwischenberichte nach Berlin gehen müssen. Ist bis dahin nichts passiert, werden Zuschüsse verfallen.

Ebenso bei den städtischen Hallen, so Freidinger, erfolgte die Unterhaltung in den vergangenen Jahren nur „auf Sparflamme“. Die energetische Ertüchtigung der Hallenanlagen soll dabei im Vordergrund stehen. Als positives Beispiel führte Freidinger die Kooperation in Breitfurt mit der dortigen Kirchengemeinde an, wo es zu einer gemeinsamen Nah-Wärmeversorgung von Grundschule, Mehrzweckhalle, Kindergarten und Gemeindehaus kommt. Abschließend stellte Guido Freidinger nicht ohne einen gewissen Stolz heraus, dass die SPD nach 15 Jahren erstmals wieder den Bürgermeister stellt und man erstmals seit 20 Jahren wieder stärkste Fraktion im Rat sei. „Mit diesen neuen Mehrheiten verknüpfen viele Menschen zurecht auch die Erwartung, dass sich nun auch dort in der Stadt etwas bewegt, wo lange Zeit Stillstand war“, erläuterte Freidinger. Aber man müsse die Erwartungen dämpfen, „denn zu den Hinterlassenschaften gehören auch Schulden in bisher nicht dagewesener Höhe“.

Und trotz Saarlandpakt mit Schuldenentlastung „werden wir zwangsläufig auch weiter hinter dem tatsächlichen Investitionsbedarf zurückbleiben und damit unweigerlich wohl auch Erwartungen – zumindest was die Geschwindigkeit der Umsetzung unserer Vorhaben anbelangt - enttäuschen“, dämpft Freidinger allzu große Hoffnungen.