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Blieskastel könnte sein Gesicht gewaltig verändern
Völlig neue Pläne für die Barockstadt

 Wo jetzt in der Innenstadt Tag für Tag noch viele Autos parken und die Barockstadt nicht gerade den besten optischen Eindruck hinterlässt, könnten bald eine neue, moderne Bliesgau-Festhalle und das Biosphärenhaus stehen.
Wo jetzt in der Innenstadt Tag für Tag noch viele Autos parken und die Barockstadt nicht gerade den besten optischen Eindruck hinterlässt, könnten bald eine neue, moderne Bliesgau-Festhalle und das Biosphärenhaus stehen. FOTO: Erich Schwarz
Blieskastel. Biosphärenhaus und neue Festhalle sollen auf dem zentralen Parkplatz an der Bliesaue errichtet werden. Von Erich Schwarz

Das Biosphärenhaus kommt nun offensichtlich doch nicht an den Standort alte Bliesgaufesthalle. In der Stadtratssitzung am Donnerstag wurde zwar noch kein förmlicher Beschluss gefasst, aber die Zielrichtung ist klar: Das Biosphärenhaus soll zusammen mit einer neu zu bauenden Festhalle und eventuell einem Hotel an den Stadtrand Ost in Richtung Bliesaue errichtet werden. Das ist das Ergebnis eines städtebaulichen Wettbewerbs, aus dem das Büro ToBe in Frankfurt als Sieger hervorging. Chef Torsten Becker erläuterte den Ratsmitgliedern das Konzept als Ergebnis eines Planungsprozesses, der sich zum einen an der barocken Struktur von Blieskastel orientiert, zum anderen aber auch eine deutliche Ausrichtung zur Bliesaue hin vorweist.

Ausgangspunkt der Planungen: Gegenüber dem Gebäude der Kreissparkasse und in der Verlängerung bis hin zum ehemaligen Ix-Markt-Gelände sollen mehrere Gebäude errichtet werden. Bisher wird diese Fläche als Parkplatz genutzt. Und die Luftbilder des Städteplaners Becker zeigten deutlich, dass dies keinen adäquaten Abschluss oder Stadtrand zum barocken Ensemble der Altstadt darstellt. Durch den Bau der Häuser soll eine Verbindung von der Altstadt zur Bliesaue geschaffen werden: „Die Stadt muss mit der Landschaft der Bliesaue vernetzt werden“, unterstrich Torsten Becker.

Zum einen soll dort, etwa schräg gegenüber der Rückseite des Rathauses, die neue Bliesgau-Festhalle entstehen. Daneben, in Richtung Lautzkirchen gesehen, soll das Biosphärenhaus erbaut werden. Und als Abschluss dieser Baulinie könnte dann ein Hotel mit Gastronomie entstehen (Arbeitstitel: „Auehotel“). Auf dem früheren Ix-Markt-Gelände könnte ein Wohn-Geschäftshaus entstehen, möglich wäre aber auch dort ein weiteres Parkhaus. Apropos Parkhaus: Dies soll als Ausgleich für die verlorenen Parkplätze auf dem Gelände der jetzigen Festhalle entstehen.



Und weil der profane Begriff Parkhaus in den Tagen des Klimaschutzes offensichtlich zu provokant wäre, nennt man diese Einrichtung nun neudeutsch „Mobilitätsstation“. Denn neben Parkdecks soll es dort auch noch weitere Dienstleistungen geben. So ist ein Fahrradverleih angedacht mit einer Eigenreparatur-Werkstatt. Eventuell auch eine Car-Sharing-Station und ein Kiosk sowie Ladestationen für E-Bikes und Elektroautos. Der Standort der neuen Festhalle und des Biosphärenhauses hätte den charmanten Vorteil, dass während der Bauphase weiterhin Veranstaltungen in der alten Festhalle durchgeführt werden könnten. Die Verbindungsstraße vom Stadtkreisel in Richtung Lautzkirchen würde hinter den neu zu bauenden Häusern verlaufen, etwa in Höhe des jetzigen Radweges. Auch der Radweg soll attraktiv bleiben und einen direkten Zugang in die Altstadt ermöglichen. Denn zwischen den Gebäuden wird es Durchgänge von der Bliesaue in Richtung Altstadt geben. Mit den vorliegenden stadtplanerischen Vorstellungen, so Torsten Becker, werde eine schmucke Altstadtkante geformt.

Es gab mehrere Anfragen im Rat nach der Zeitschiene für die eventuelle Realisierung dieser Planungen. Man befürchtet offensichtlich, dass die Realisierung der Vorschläge viel Zeit in Anspruch nimmt und vielleicht andere Biosphären-Kommunen in der Zwischenzeit ebenfalls den Anspruch als Standort des Biosphärenhauses anmelden könnten. Es wurde indes von Brigitte Adamek-Rinderle (Grüne) herausgestellt, dass Blieskastel als Standort des Biosphärenhauses nicht infrage stehe und durch einen Beschluss sozusagen gesetzt sei.

Achim Jesel, Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion, warnte allerdings davor, die Erwartungen jetzt schon hochzuschrauben: „Sicherlich wird das Biosphärenhaus als interkommunales Projekt ziemlich zeitnah gebaut werden können. Der Bau der Bliesgau-Festhalle wird sich mit Sicherheit nicht so schnell realisieren lassen“, argumentierte Jesel mit Blick auf den begrenzten Finanzspielraum der Barockstadt.

Auch Holger Schmitt, Fraktionschef der CDU, stellte heraus, dass noch viele Detailfragen zu klären seien: „Das alles liegt noch in der Ferne, das wird eine sehr lange Kette. Wir müssen jetzt den Rahmen schaffen, sollten dabei aber flexibel bleiben und nicht schon jetzt alles festzurren“, hob der CDU-Frontmann heraus.