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Wolfgang Laufer forschte in Archiven
„Die Chronik hat enorme Lücken“

 Wolfgang Laufer hat eine historische Dokumentation zu Blieskastel geschrieben.
Wolfgang Laufer hat eine historische Dokumentation zu Blieskastel geschrieben. FOTO: BeckerBredel
Blieskastel. Ein Historiker hat die Stadtwerdung Blieskastels untersucht und eine Dokumentation verfasst.

Wie wurde Blieskastel zur Stadt? Dieser Frage ist der promovierte Historiker Wolfgang Laufer nachgegangen, der in Archiven in Blieskastel, Saarbrücken, Speyer und Koblenz geforscht hat und auf ganze Aktenbündel zur Stadtgeschichte stieß, die noch nie systematisch ausgewertet wurden. Der ehemalige Direktor des Landesarchivs wollte ergründen, wann Blieskastel zur Stadt geworden war und suchte nach einer Stiftungsurkunde, die er nicht fand. Inzwischen ist er der Überzeugung, dass es sie auch nicht gibt, und die Stadtwerdung Blieskastels ein mehr oder weniger fließender Prozess war.

„In der Mariannenzeit um 1773 ist Blieskastel zur Stadt geworden, indem die Herrschaft von der Leyen die Residenz nach Blieskastel verlegte. Der Ort ist damit gewachsen, es wurden neue Strukturen geschaffen und ein Bewusstsein dafür gebildet, mehr als nur ein Ort zu sein“, sagt der Forscher. Die Herrschaft habe ein Kloster angesiedelt, Schulen errichtet, eine Platzanlage und neue Bauten geschaffen. Bemerkenswert sei die Schlossstraße mit den Hofratshäusern. „In den 80er Jahren war der Ort dann plötzlich eine Stadt, und die Menschen fühlten sich auch so. Eine spezielle Urkunde dazu gibt es nicht, was aber nicht ungewöhnlich ist. Merzig ist in gleicher Weise zur Stadt geworden“, sagt der Historiker, der seine Ergebnisse in den „Saarpfalz-Blättern für Geschichte und Volkskunde“ veröffentlicht hat. Das Heft geht der Frage der Stadtwerdung genau nach und zeichnet Beobachtungen bis zur Französischen Revolution auf.

Wolfgang Laufer stieß auch auf eine Urkunde von 1286, wo der damalige Bischof dem Ort gewisse Privilegien zusprach. Diese Urkunde sei aber nicht Basis einer Stadtgründung. Trotzdem habe Blieskastel schon früh eine besondere Bedeutung gehabt, die nicht lückenlos erforscht sei. „Die Chronik der Stadt hat enorme Lücken“, sagt Laufer. In den Akten der Archive schlummere noch einiges, was es zu bearbeiten gelte. Insofern habe er auch noch Ziele. Erschwert würden die Arbeiten durch die Zerstreuung des Materials. Da das Saarland wechselvolle Zugehörigkeiten gehabt habe, seien Urkunden an mehreren Standorten zu finden und auch zum Teil verkauft worden. Insofern mache die Aufarbeitung der Chronik Blieskastels mehr Mühe, so der 79-Jährige. Als neue Erkenntnis bezeichnete er Ergebnisse seiner Arbeiten, mit denen er belegen könne, dass die erste Ansiedlung auf der Höhe westlich der Schlossanlage bestanden habe. Dort habe es auch eine eigene Gemeindekirche gegeben, die nicht Schlosskapelle gewesen sei. Ein Indiz für ein frühes Ortsbewusstsein. Und genau dieses Bewusstsein der  Bürger habe zur Stadtwerdung geführt. Die Gemeindekirche wurde  abgerissen, 1667 eine neue Kirche in der Unterstadt errichtet. Die Blieskasteler hätten sich mit Gründung der Residenz mehr und mehr als Städter gefühlt. Von 1768 bis 1785 verdoppelte sich die Einwohnerzahl, nachdem 1773 Blieskastel zur Residenz erhoben wurde und zur Hauptstadt aller leyenschen Länder an Blies, Mosel und Rhein geworden war. Der Schritt zur Hauptstadt habe aus dem Ort ein selbstbewusstes Regierungszentrum gemacht. Eine Verleihung von Stadtrechten war obsolet. Blieskastel war von allein zur Stadt geworden.



(bub)