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Folk-Festival
Musik von Sehnsucht und der großen Freiheit

Die Band „Countrytogo“ begeisterte ihre Zuhörer am Samstag in der Bliesgau-Festhalle mit Country-Songs. Die Sehnsucht nach der großen Freiheit war buchstäblich greifbar.
Die Band „Countrytogo“ begeisterte ihre Zuhörer am Samstag in der Bliesgau-Festhalle mit Country-Songs. Die Sehnsucht nach der großen Freiheit war buchstäblich greifbar. FOTO: Cornelia Jung
Homburg/Blieskastel. Die Besucher strömten von überall her zum Folkfestival nach Blieskastel, aber auch die Künstler waren von weit her angereist.

Bei der Auswahl der Einzelkünstler und Gruppen, die am Freitag und Samstag beim Folkfestival in Blieskastel auftraten, hatte man eine glückliche Hand. „Sonia disappear fear“ zum Beispiel, die körperlich kleine Liedermacherin aus Baltimore, faszinierte das Publikum am ersten Tag des 2. Festivals mit einer gewaltigen Stimme. „Sie hat alles aus sich und ihren Instrumenten herausgeholt“, fasst Jutta Hähne vom organisierenden Kulturamt in aller Kürze zusammen. Alle, die gekommen waren, waren angetan von dieser Power-Frau, die Lieder coverte, aber auch viele selbst geschriebene und komponierte mit Akustik- und E-Gitarre sowie einer Mundharmonika begleitete. Für diese „tolle Frau mit gigantischer Stimme und toller Gitarre“, wie sie ein Zuhörer in der Bliesgau-Festhalle nannte, hätte man sich noch viel mehr Zuhörer gewünscht. Am Freitagabend war es ein überschaubares Häuflein, dessen Begeisterung aber für 600 Fans gereicht hätte. Kurzerhand entschied der Veranstalter, das Konzert ins Foyer zu verlegen und schaffte so spontan eine Lounge-und Club-Atmosphäre, die wohl zusätzlich dazu beitrug, dass es ein sehr intensiver Abend mit der Künstlerin auf Tuchfühlung war. Aufregung hatte es beim Kulturamt einen Tag zuvor gegeben, als sich erst ein Teil des zweiten Act des Abends, „Hoodie Crows“, krank meldete und wenige Stunden später ganz absagen musste. Nur kurz währte der Moment, in dem der ganze Freitag auf der Kippe stand. Jutta Hähne erinnerte sich an eine ehemalige Auszubildende, die seit einiger Zeit in der Cover- und Partyband „Dauerbrenner“ singt und rief sie an. Gloria Rebmann schloss sich mit ihren Bandkollegen kurz, trommelte vier von sechs Musikern zusammen und sagte nur kurze Zeit später als Ersatz für die ausgefallenen „Nebelkrähen“ zu. Premiere für die Sängerin in Blieskastel, denn obwohl sie aus der Barockstadt stammt, trat sie dort noch nie auf. „Die Band hat sich riesig gefreut, so spontan diese Chance zu bekommen“, so Hähne, „und die haben ein feines zweistündiges Programm abgeliefert. Hut ab.“ Zwar hatten sich die Gäste ursprünglich auf ein anderes Konzert gefreut, aber sie ließen sich auf die Gruppe ein und waren begeistert. Und die waren so gut, dass sie am selben Abend aus dem Stand heraus für eine andere Veranstaltung im nächsten Jahr gebucht wurden. Stimmung machte, allerdings im Saal, am nächsten Tag auch das Trio „Countrytogo“, bei dem man sich wunderbar in den Wilden Westen versetzt fühlte. Sie sangen von Black Coffee, Whiskey, Wine, Brandy, Songs von Keith Urban und Truckstop, softe Funky Country Music und eigene Songs so gut, dass hinter den Stuhlreihen und vor der Bühne immer wieder mitgetanzt wurde. „Wir sind bei euch“, rief Sänger Joe Hawkins immer wieder und auch die Tänzer waren bei diesen Musikern und ganz bei sich. Linedancer, Paare aber auch eine einzelne tanzende Frau, fühlten sich in die Klänge ein und verinnerlichten sie so. Auch an diesem Abend waren schätzungsweise nur 70 Zuhörer da, aber die genossen ihn und die Stimmung war fast wie in einer ausverkauften Halle. Mit den spontanen und witzigen Zwischenansagen war das ein runder Auftritt, der leider nach zwei Stunden vorbei war. Doch da kam ja noch was. Hexeschuss, die „Iren“ aus dem Saarland, bildeten den Abschluss des Festivals. Zu ihnen braucht man nicht mehr viel zu sagen, außer dass sie ihre Zuhörer immer gleich gefangen und mit auf eine Reise nehmen an Küsten mit tosenden Stürmen, brechenden Wellen und ein „paar Getränken“. „Bei irischen Songs geht es nicht nur um Alkohol, sondern auch um untergehende Schiffe“, hieß es von der Bühne zur Erklärung einiger Songs. Allein diese nicht ganz ernst gemeinten Erläuterungen sorgte für Heiterkeit. Natürlich geht es in den Texten auch um die Liebe und die Hommage an eine Landschaft, aber es war vor allem die Musik, die die Beine automatisch in Bewegung setzte. Fazit der zwei Tage: Tolle Stimmen, klasse Auftritte, ein begeistertes Publikum. Alles in allem ein voller Er-Folk.