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Metzgerei macht dicht
Und wieder geht eine Ära zu Ende

 Das Ehepaar Ziegler vor seinem Stammsitz in Homburg-Erbach. Hier brummt der Laden Tag für Tag. Derweil schließt an diesem Samstag die Ziegler-Filiale in Blieskastel.
Das Ehepaar Ziegler vor seinem Stammsitz in Homburg-Erbach. Hier brummt der Laden Tag für Tag. Derweil schließt an diesem Samstag die Ziegler-Filiale in Blieskastel. FOTO: mh
Blieskastel. In Blieskastel schließt die Metzgerei in der Von-der-Leyen-Straße. Unter anderem der Personalmangel führte zu dieser Entscheidung. Von Michèle Hartmann

Allen Kunden dankt sie ganz herzlich. Allen Kunden, die dem Geschäft bis zuletzt die Treue gehalten haben. Die die Qualität der Ware zu schätzen wussten sowie das Gespräch und die Tipps des freundlichen Personals. Doch an diesem Samstagmittag ist Schluss. Dann wird es die Metzgerei in der Von-der-Leyen-Straße in Blieskastel nicht mehr geben. Kein Rollbraten mehr, keine Wiener Würstchen, keinen Hackbraten – nichts. „Das tut weh“, sagt die Firmenchefin. Wir treffen Ulrike Ziegler und ihren Ehemann Franz-Josef am Stammsitz in Homburg-Erbach. Hier brummt der Laden, vor der Theke haben sich gerade acht Kunden versammelt, die Fleisch- und Wurstliebhaber geben sich die Klinke in die Hand.

Und in Blieskastel? Da kam einiges an Schwierigkeiten zusammen. Man konnte es seit Wochen schon an der Eingangstür lesen. Dass wegen Personalmangels mittags geschlossen bleibt. Leute zu finden, die im Metzger-Handwerk arbeiten möchten, das sei mittlerweile sehr schwierig, sagt die Firmenchefin. Als sie anfing mit der Lehre 1976, da habe es noch drei Klassen gegeben mit jeweils etwa 25 Schülerinnen und Schülern. Und heute? Tröpfelt es, man könne die Azubis an einer Hand abzählen. Und dann springen, so die 57-Jährige, auch immer wieder welche ab, um sich einem anderen beruflichen Metier zuzuwenden. Die junge Generation, an die sei kaum noch heranzukommen: „Handwerklich viel und schwer zu schaffen, das ist nicht mehr gefragt.“ Und das Personal in ihrem Alter, so die 57-Jährige, sei gesundheitlich oft angeschlagen.

2005 eröffnete das Ehepaar Ziegler die Filiale in Blieskastel. Das Metzger-Handwerk hat aber in dem 1780 errichteten Haus in sehr zentraler Lage eine sehr viel längere Geschichte. Im Gespräch mit der Seniorin Doris Jung (76), Eigentümerin der Immobilie, erfahren wir, dass schon der Urgroßvater ihres Mannes hier Fleischwaren und Wurst herstellte und verkaufte.



Und nun geht mal wieder eine Ära zu Ende. Ulrike Ziegler erwähnt auch das Problem der fehlenden Parkplätze in unmittelbarer Nähe. Und sie spricht von den großen Geschäften in der Umgebung, die den alteingesessenen Händlern preislich die Luft abschnürten: „Jeder von ihnen hat alles, da kannste strampeln.“ Geiz sei leider bei manchen Leuten die Maxime. Indes sei in Erbach festzustellen, dass sich mehr und mehr ganz junge Kunden im Laden einfinden, weil sie der Qualität den Vorzug geben würden.

Sehr schwer fällt es dem Ehepaar Ziegler, fünf Verkäuferinnen, eine Küchenhilfe und eine Reinigungskraft entlassen zu müssen. Doch was soll man tun, wenn es sich nicht mehr lohnt? Ein Vertreter, der bei ihnen ein und ausgeht, habe erzählt, dass im Saarland, in Rheinland-Pfalz und Luxemburg in den vergangenen 17 Jahren 150 Metzgereien hätten dicht machen müssen. Und das Sterben innerhalb der Branche gehe weiter. Zum guten Schluss noch ein dickes Kompliment für die Herrschaften vor der Theke: „Unsere Kunden sind klasse.“ In Blieskastel aber muss man sie an diesem Samstagmittag schweren Herzens verlassen.

 Das ist die Metzgerei in der Von-der-Leyen-Straße in Blieskastel. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin ist momentan nicht in Sicht.
Das ist die Metzgerei in der Von-der-Leyen-Straße in Blieskastel. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin ist momentan nicht in Sicht. FOTO: mh