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Kalkstein prägte lange Zeit Gersheim

Gersheim. "Der Abriss des Tivoli-Gebäudes in Blieskastel war für mich Anlass, mich nochmals intensiv mit der Geschichte des Kalkabbaus in Gersheim zu beschäftigen", erläuterte der 77-jährige Heinz Royar. Auf Tischen im Gersheimer Kulturhaus hatte der ehemalige Rektor Dokumente zu einer interessanten Ausstellung aneinandergereiht

Gersheim. "Der Abriss des Tivoli-Gebäudes in Blieskastel war für mich Anlass, mich nochmals intensiv mit der Geschichte des Kalkabbaus in Gersheim zu beschäftigen", erläuterte der 77-jährige Heinz Royar. Auf Tischen im Gersheimer Kulturhaus hatte der ehemalige Rektor Dokumente zu einer interessanten Ausstellung aneinandergereiht. Sie erzählten von einem Industriezweig, der das Bliesgau-Dorf über Jahrzehnte prägte, ihm sein eigenes Gesicht gab. Nachdem Bewohner selbst den Trochitenkalk gebrannt hatten, entstanden im 19. Jahrhundert Feldschachtöfen. Rekonstruiert sind Kleinöfen bei Riesweiler und Wittersheim. "Der Mann im Kalkofen hatte einen schweren Job", wusste Royar zu berichten. Seine Aufgabe sei gewesen, Kalksteinbrocken sorgfältig aufeinanderzusetzen. Habe ihn jedoch einer der Steine getroffen, habe er getobt "wie der Mann im Kalkofen". Nach dem Bau der Bliestaleisenbahn (1879) seien die Schachtöfen an die Bahntrasse verlegt worden. 1895 habe eine Gesellschaft unter der Führung des Elversbergers Heinrich Braun das Gersheimer Gelände erworben, um danach zwei Ringöfen zu errichten.Es folgte die Blütezeit des Kalkabbaus im Bliestal. Das Kalkwerk wurde neben der prosperierenden Walsheim Brauerei zum wichtigsten Arbeitgeber. Loren transportierten den Kalkstein. In dieser Epoche wurden unter Tage bereits Stollen vorangetrieben mit einer Strecke von etwa 160 Kilometern.

Der Zenit war jedoch überschritten, das Ende des Kalksteinbruchs nahte. Zunächst wurden die Ringschachtöfen stillgelegt, um 1981, vor 30 Jahren, den Betrieb gänzlich einzustellen. Ewald Weisung, lange Jahre Betriebsleiter: "Eine Industrie, die über ein Jahrhundert den Charakter dieser Landschaft geprägt hat, wurde mit einem Federwisch sozusagen ausgewischt". Royar: "Neues Leben blüht aus den Ruinen. Das Steinbruchgelände ist Standort einer Photovoltaik-Anlage. ott