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Blieskastel
Jungstorch Paul soll gesund werden

Jungstorch Paul im Nest in Werschweiler. Er breitet seine Flügel aus. So wird seine Verletzung an der rechten Handschwinge sichtbar.
Jungstorch Paul im Nest in Werschweiler. Er breitet seine Flügel aus. So wird seine Verletzung an der rechten Handschwinge sichtbar. FOTO: Richard Linxweiler
Blieskastel. Martin Hirsch kümmert sich in seiner Wildtier-Auffangstation um Sorgenkind Paul. Von Evelyn Schneider

Langsam wird er flügge, der Nachwuchs des Weißstorchenpaares in Werschweiler. Tierfreunde beobachten schon seit etwa zwei Wochen die Flugversuche der Brüder Paul und Peter. Während Letzterer sich dabei geschickt anstellt, wirkt Paul unsicher. Der Jungstorch hat eine Verletzung am Flügel, die Handschwinge rechts ist gebrochen. Laut Experten wäre es zu gefährlich, wenn sich Tierschützer einfach dem Horst nähern würden, um den verletzten Adebar einzufangen. Dieser könnte aus Angst versuchen zu fliehen und sich weitere Verletzungen zuziehen. „Wir müssen warten, bis er es schafft, bei einem Flugversuch auf den Boden zu segeln“, so Richard Linxweiler, der für den Rotary Club St. Wendel-Stadt die gemeinsame „Aktion Storch“ mit dem Bund für Naturschutz Ostertal (BNO) koordiniert. Am späten Freitagvormittag gelingt es Storch Paul tatsächlich, den Horst zu verlassen. Peter Volz vom BNO erspäht das Tier, wie es in der Osteraue spaziert. Mit etwas Sorge beobachtet er die Szenerie. „Er hat immer wieder zu Kurzflügen angesetzt. Weiter als zehn Meter ist er aber nicht gekommen“, beschreibt Volz. Storchenbruder Peter sei die ganze Zeit bei ihm gewesen. Habe mit den Flügeln geschlagen, als wollte er dem Geschwisterchen zeigen, wie es geht. Auch die Storcheneltern haben den Nachwuchs nicht aus den Augen gelassen.

„Als es in den Abend hineinging, hatte ich Angst, ein Fuchs könnte den Jungstorch erwischen“, sagt Volz. Daher trommelt er zehn Leute zusammen, die spontan helfen wollen, Paul einzufangen. Behutsam musste die Gruppe vorgehen. „Wir haben noch schnell ein Netz organsiert“, so Volz. Das brachte schließlich auch den Erfolg. Als die Tierretter Paul in Richtung Böschung getrieben hatten, konnten sie das Netz werfen.

Dann trat der Jungstorch seine erste Reise an. Mit dem Auto ging es nach Blieskastel zu Martin Hirsch. Der betreibt dort eine Wildtier-Auffangstation. Paul ist somit nicht der erste spontane, gefiederte Besucher. „Es geht ihm soweit gut“, berichtet Hirsch auf Merkur-Nachfrage. Zwar habe der Jungstorch am Wochenende noch nichts gefressen. Das sei aber nach der ganzen Aufregung nichts Ungewöhnliches bei Wildvögeln. Von der Verletzung abgesehen, sei Paul „ein prächtiger Storch“ und in einem „Top-Zustand“.



Die gebrochene Handschwinge des Jungstorchs hat Martin Hirsch bandagiert. „Drei Wochen bleibt der Verband drauf. Dann hoffen wir, dass der Storch wieder fliegen kann.“ Was den erfahrenen Tierpfleger skeptisch macht, ist die Tatsache, dass der Bruch schon älter ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass das wieder in Ordnung komme, sei gering, er wünsche es dem Tier aber von Herzen. Mit solchen Verletzungen hatte er es während des mehr als zehnjährigen Bestehens seiner Auffangstation schon häufiger zu tun. Er erinnert sich beispielsweise an drei Schwarzstörche mit gebrochenen Handschwingen. Solche Verletzungen entstünden unter anderem bei den Flug-Trockenübungen. Dabei schlagen die jungen Vögel kräftig mit den Flügeln. Erwischen sie sich dabei gegenseitig oder unglücklich den Rand des Nestes, könnte es zu Brüchen kommen.

Im Spätsommer fliegen die Weißstörche wieder gen Süden. Dann wird auch Storch Peter seine erste größere Reise antreten, während Paul in Blieskastel bleibt. „Er wird wohl ein Wintergast“, sagt Hirsch. Denn er bezweifelt, dass der Jungstorch einen langen Flug in wärmere Gefilde schaffen würde. Im nächsten Frühjahr möchte ihn der Pflegevater wieder in die Freiheit entlassen. Das sei immer ein Moment, in dem zwei Herzen in der Brust schlagen. Das des Ziehvaters, der traurig ist, dem Schützling nach der gemeinsamen Zeit Lebewohl zu sagen. Und das des erfolgreichen Pflegers. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn sich zum Beispiel ein Uhu wieder majestätisch in die Lüfte erhebt.“

Der eingefangene Jungstorch Paul. In einer Schachtel geschützt ging es für ihn in die Auffangstation in Blieskastel.
Der eingefangene Jungstorch Paul. In einer Schachtel geschützt ging es für ihn in die Auffangstation in Blieskastel. FOTO: Doris Zimmer