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Interview mit einer Expertin zu Schotterwüsten und noch grünen Oasen
Kein Lebensraum für Pflanzen und Tiere

 Manch einer kann aus gesundheitlichen Gründen seinen Garten nicht mehr pflegen und greift daher auf Steine zurück, manch anderer findet diese Art der Gartengestaltung schön. In der Vortragsreihe der Stiftung Baukultur Saar unter der Überschrift „Prozesse“ referierte kürzlich zum Thema „Blühende Paradiese contra Schotterwüsten“ die Landschaftsarchitektin Anette Schött aus dem hessischen Büdingen im Kulturhaus Gersheim.
Manch einer kann aus gesundheitlichen Gründen seinen Garten nicht mehr pflegen und greift daher auf Steine zurück, manch anderer findet diese Art der Gartengestaltung schön. In der Vortragsreihe der Stiftung Baukultur Saar unter der Überschrift „Prozesse“ referierte kürzlich zum Thema „Blühende Paradiese contra Schotterwüsten“ die Landschaftsarchitektin Anette Schött aus dem hessischen Büdingen im Kulturhaus Gersheim. FOTO: dpa / Carmen Jaspersen
Landschaftsarchitektin äußert sich im Gespräch mit unserer Zeitung zum Thema „Blühende Paradiese contra Schotterwüsten“. Von Petra Pabst

Man nennt sie mitunter „Vorgärten des Grauens“: Steingärten werden in Deutschland stets beliebter. Gibt’s den Trend auch im Saarland?

Anette Schött: Ja, leider schon. Und zu allem Überfluss nicht nur in Neubaugebieten.

Wie wirken sich diese Steingärten auf die Tier- und Pflanzenwelt aus?



Schött: Sie bieten keinen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Die Steine speichern die Wärme länger und die durch Pflanzen erzeugte Verdunstungskälte entfällt. Eigentlich sind sie auch für den Menschen uninteressant, sie bieten ihm keine Möglichkeit, die Natur zu erleben.

Diese Betonwüsten gelten als modern, unkrautfrei und pflegeleicht. So wird zumindest dafür geworben. Ist das wirklich modern? Oder gäbe es aus Ihrer Sicht „moderne“ grüne Alternativen?

Schött: Schotterwüsten sind in letzter Zeit immer häufiger zu sehen. Ich denke, es ist der Versuch, sich eines unbequemen Anhängsels zu entledigen. Es ist schade, dass ein Garten oft nicht als etwas gesehen wird, dass tatsächlich Spaß machen kann. Die Gestaltung mit Stauden – das sind mehrjährige, krautige Pflanzen – bietet jede Menge Alternativen, die dem Auge und der Natur gut tun und die in der Pflege sehr reduziert sind.

Häufig werden Vorgärten oder Gärten mit Steinen abgedeckt, wenn man keine Zeit mehr hat oder körperlich nicht mehr in der Lage ist, die Grünflächen zu pflegen. Sind diese Schottergärten tatsächlich pflegeleichter?

Schött: Früher oder später säen sich auch hier Gräser und Kräuter aus. Diese dann zu entfernen ist wesentlich mühsamer, als im Garten. Auch der Einbau einer Folie reduziert auf Dauer nicht den Pflegeaufwand.

Haben Sie Tipps für Heimgärtner für weniger arbeitsintensive und naturnahe Alternativen?

Schött: Stauden bieten unglaublich viele Möglichkeiten der Gestaltung, aber man muss sich halt damit beschäftigen. Es gibt für unterschiedliche Standorte fertige Zusammenstellungen vom Bund deutscher Staudengärtner, das heißt, man braucht keine Pflanzplanung. Die Mulchung mit Lava, insbesondere in sonnigen Bereichen, hat sich bewährt. Sie speichert Wasser, ist strukturstabil, und Unkräuter sind leicht zu entfernen. Wenn Flächen stark mit Wurzel-Wildkräutern besetzt sind, sollte man den Boden lieber austauschen. Am meisten Zeit spart es, wenn man eine Regelmäßigkeit in der Pflege einhält. Dann sind die Zeiten für die Pflege im gesamten Jahr sehr kurz. Man rechnet im öffentlichen Bereich vier bis fünf Minuten pro Quadratmeter pro Jahr bei zirka sechs Pflegegängen.

Haben Sie auch schon Gegenbewegungen „zurück zur Natur“ feststellen können?

Schött: Gegenwärtig engagiert sich die nächste Generation mehr für die Umwelt, als dies in den vergangenen Jahren der Fall war. Das Bewusstsein für die Natur ist ein anderes geworden. Man kann nur hoffen, dass immer mehr den Nutzen eines Gartens sehen: der Mensch braucht Grün für sein seelisches Gleichgewicht. Besonders in Zeiten, die in jeder Hinsicht immer unübersichtlicher werden.

Gibt es diese Steingärten nur in unseren Städten, oder findet man sie vermehrt auch schon auf dem Land und auf Dörfern?

Schött: In den Städten und Neubaugebieten sind sie häufiger, aber sie sind zunehmend mehr auch auf dem Land zu finden.

Kann man einen Steingarten auch natürlich und tierfreundlich gestalten?

Schött: Echte Steingärten findet man in vielen botanischen Gärten. Hier werden meist alpine Pflanzen gezeigt, die die Nähe zum Stein für ihr Gedeihen brauchen. Natürlich kann das jeder in seinem eigenen Garten machen. Einfacher ist aber eine Pflanzung mit Stauden und Sträuchern, denen der Standort so wie er ist, zusagt.

Wie haben Sie persönlich Ihren eigenen heimischen Garten gestaltet?

Schött: Mein Garten ist ein Versuchsfeld für neue Pflanzen oder Kombinationen von Pflanzen, die ich noch nicht kenne. Gartenarbeit ist für mich keine Arbeit, sie entspannt mich und macht mich zufrieden.

 Landschaftsarchitektin Anette Schött bei ihrem Vortrag in Gersheim.
Landschaftsarchitektin Anette Schött bei ihrem Vortrag in Gersheim. FOTO: Stiftung Baukultur Saar/Iris Maurer