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Rasantes Wachstum
Hager-Gruppe eilt von Rekord zu Rekord

 Daniel Hager und seinen weltweit 11 500 Mitarbeitern ist es gelungen, mit Entwicklungen aus dem Saarland zum Marktführer aufzusteigen.
Daniel Hager und seinen weltweit 11 500 Mitarbeitern ist es gelungen, mit Entwicklungen aus dem Saarland zum Marktführer aufzusteigen. FOTO: Oliver Dietze
Blieskastel. Daniel Hager hat Grund zur Freude: Alleine im ersten Halbjahr 2019 wurden acht Prozent Umsatzplus erzielt. Das sei „außergewöhnlich“. Von Thomas Sponticcia

Die brummende Bauwirtschaft sorgt auch für Rekord-Umsätze der Hager Gruppe, die ihren Stammsitz in Blieskastel hat. Wurde schon 2018 erstmals die Zwei-Milliarden-Euro-Umsatz-Marke durchbrochen, stehen die Zeichen auch jetzt auf noch mehr Wachstum. „Wir haben alleine im ersten Halbjahr 2019 nochmals rund acht Prozent Umsatzwachstum erzielt. Das ist außergewöhnlich. Wir waren noch nie so stark unterwegs“, sagt Daniel Hager, Chef des weltweit tätigen Familienunternehmens mit Wurzeln im Saarland. 90 Prozent der Aufträge kommen aus Europa mit Deutschland als Hauptmarkt. Weltweit arbeiten 11 500 Menschen für die Hager-Gruppe, die führender Anbieter von Lösungen und Dienstleistungen für elektrotechnische Installationen in Wohn-, Industrie- sowie Gewerbeimmobilien ist.

Daniel Hager geht der Strukturwandel im Saarland nicht schnell genug. Das Land komme zu langsam voran, müsse deutlich mehr auf die Tube drücken, um im Zeitalter der Digitalisierung mit immer kürzeren Entwicklungs- und Produktionszeiten für neue Produkte erfolgreich zu sein, auch als Standort für Neuansiedlungen. Die Erreichbarkei durch Bahn- und Flugverbindungen sei für Fach- und Führungskräfte unzureichend. Deshalb fehle ein wichtiger Anreiz, überhaupt hierher zu kommen. Der Ausbau des Breitband-Netzes müsse professioneller, zugleich schneller ablaufen. „Sie können im Saarland nur Leute anziehen, wenn Sie flächendeckend mit der Welt vernetzt sind“, betont Hager Die Frankreich-Strategie sei bisher nur Theorie, sagt der Unternehmer, der mit einer Französin verheiratet ist. Diese Strategie mache nur Sinn, wenn die Bürger an der Saar und im Nachbarland möglichst schnell in vielen Bereichen ganz selbstverständlich davon profitieren. Auch die Wirtschaft habe bisher zu wenig davon. „Das Saarland muss endlich zu einem Brückenkopf werden, der für die Franzosen ein tolles Eingangstor zum deutschen Markt darstellt und umgekehrt.“ Die Hager Gruppe unterhält im elsässischen Obernai einen Produktionsstandort.

Wenn man als Saarland den Anspruch habe, Spitzenreiter in Deutschland in der Digitalisierung sowie der Informationstechnologie (IT) zu sein, dann müsse man schon in allen Schulen jedem jungen Menschen frühzeitig möglichst viel Wissen in diesen Bereichen vermitteln. Mit diesem Vorgehen könne man mehr Motivation für Gründer schaffen. Zugleich erhöhe man durch mehr Kompetenz als Standort Anreize für Unternehmen, sich an der Saar anzusiedeln. „Wissen und Daten sind die Schätze der Zukunft“, ist Daniel Hager überzeugt, der sich ärgert, dass er zahlreiche Stellen nicht besetzten kann, weil er keine passenden Fachkräfte findet. „ Wir haben alleine an unseren Standorten in Deutschland 100 Stellen zu besetzen, suchen Leute mit technischer Kompetenz, auch für unseren Vertrieb, Ingenieure, Manager und Mitarbeiter für unsere Produktion.“



Brot- und Buttergeschäft mit 90 Prozent des Umsatzes bleibt für die Hager Gruppe der Einbau von Zählerschränken in Häusern, von Schaltern, Steckdosen und Leitungs-Führungssystemen. Hager ist nach eigenen Worten mit seinen Entwicklungen, zu denen auch die Verzahnung von immer mehr elektronischen Anwendungen im Haus gehört, inzwischen zum Weltmarktführer geworden.

Der Bedarf an den Produkten aus dem Saarland werde eher noch zunehmen in einem Umfeld, „in dem die Weltbevölkerung weiter wächst und zugleich der Bedarf an Energie-Effizienz durch intelligente, sparsame Systeme zur Energie-Verteilung zunimmt“. Auch die Elektromobilität sowie die Energiewende generell erforderten neue Antworten. Die Wohnungsnot erhöhe den Bedarf an Renovierungen, Neubauten und Hager-Installationen in Häusern. „Heute sind schon 50 Prozent der Elektroinstallationen und Elektroanlagen in Deutschland in einem desaströsen Zustand. Das ist alles noch 70er Jahre Standard“, warnt Daniel Hager. ,,Da trifft man häufig auf offene Leitungen, erbärmliche Sicherungen, die dringend ausgetauscht werden müssen. Das funktioniert zwar noch, aber die Brandgefahr erhöht sich erheblich.“ Es werde oft erst nach einem Unfall reagiert. Die Anforderungen an moderne Energie-Verteilanlagen nähmen immer weiter zu. Deshalb müsse auch schneller auf die sich bietenden neuen Möglichkeiten reagiert werden. ,,Wie will man mit den heutigen Anlagen auch noch Elektroautos aufladen, Photovoltaik auf dem Dach installieren und eine intelligente, kostengünstige Energiesteuerung im Haus betreiben?“ Die Diskussion über die Energiewende in Deutschland empfindet Daniel Hager als irritierend. „Wir wollen eine Energiewende, aber keine Windräder, wir wollen Energie-Effizienz aber keine Stromleitungen, wir wollen keine Kohlekraftwerke und auch keine Atomkraft, aber kosengünstige Energie haben. Wir wollen bezahlbaren Wohnraum, aber keine leistungsfähige Elektrik. Das sind viele Wiedersprüche auf einmal.“ So würden technologischer Fortschritt und Pilotprojekte im Saarland erschwert.