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Auf Blieskastel kommen ungemütliche Zeiten zu
Etliche Parkplätze fallen weg

 Der hier per Drohnenbild sichtbare Kreisverkehr erhält eine neue Anbindung an die geplante Umgehungsstraße, die L 113, die den Radweg entlang verlaufen wird. Während der zweijährigen Bauphase fallen etliche Parkplätze weg.
Der hier per Drohnenbild sichtbare Kreisverkehr erhält eine neue Anbindung an die geplante Umgehungsstraße, die L 113, die den Radweg entlang verlaufen wird. Während der zweijährigen Bauphase fallen etliche Parkplätze weg. FOTO: BeckerBredel
Blieskastel . Informationsveranstaltung in Blieskastel zum Bau der neuen Umgehungsstraße und zum Parkraum-Konzept. Von Michèle Hartmann

Diese Info-Veranstaltung der Stadtverwaltung hatten unzählige Leute vor langer Zeit schon herbeigesehnt. Und so war es nicht verwunderlich, dass nahezu die gesamte Geschäftswelt von Blieskastel sowie andere interessierte Bürgerinnen und Bürger am Mittwochabend die Bliesgau-Festhalle füllten. Denn die im kommenden Jahr zu erwartende Großbaustelle in der Innenstadt beunruhigt viele Leute, geht doch damit auch der Verlust von vielen Parkplätzen einher.

Doch von vorn: Blieskastel bekommt eine neue Umgehungsstraße. Und damit wird die Bahnhofstraße ganz entlastet und kann für neue städtebauliche Zwecke genutzt werden. Konkrete Pläne hierfür liegen laut Verwaltung jedoch noch überhaupt nicht vor. Straßenbau-Beginn ist im Herbst 2020.

Die Landstraße (L 113) verläuft vom in der Innenstadt befindlichen Kreisverkehr (mit dem Stadteingangstor), für den noch eine neue Anbindung erfolgen muss, entlang des Radweges bis in die Florianstraße. Dort, vis à vis zum Rewe-Markt, werden derzeit sehr aufwendig Ver- und Entsorgungsleitungen verlegt. An dieser Stelle entsteht ein weiterer Kreisverkehr mit einem Durchmesser von rund 30 Metern.



Auf dem Podium in der Bliesgau-Festhalle zugegen – der tiefergehenden Auskünfte wegen – waren am Donnerstagabend neun Ansprechpartner: Bürgermeister Bernd Hertzler sowie die städtischen Mitarbeiter Susanne Wagner-Klein (Fachbereich Stadtentwicklung), Stefan Niederländer (Tiefbau), Rainer Schöndorf (Umwelt, Planung, Bauen), Marc Tussing (Bürgerdienste), Ralf Huber-Erler und Sabrina Hadwiger vom Unternehmen R+T Verkehrsplanung GmbH, Projekt-Ingenieur Marco Scherer vom Landesbetrieb für Straßenbau, sowie Silke Eifler vom Architekturbüro Dumont+Partner.

Da ging es unter anderem um Prognosen bis zum Jahr 2030. Die Einwohnerzahl wird demzufolge um 16 Prozent sinken, der Fahrzeugbestand sich reduzieren, es erfolgt eine verstärkte Verlagerung in Richtung ÖPNV und Radverkehr. Und der Bedarf an Stellplätzen für den motorisierten Verkehr stagniert nach Analysen der Fachleute.

Vor diesem Hintergrund können langfristig Planungen in Angriff genommen werden. Derweil liegt in Blieskastel der Fokus vor allem auf dem, was sich ab Herbst kommenden Jahres tut, wenn der eigentliche Straßenbau beginnt. Dann nämlich fallen von derzeit 850 im Innenstadtbereich 250 Parkplätze weg. Und das bei dem gewaltigen Parkdruck, der heute schon herrscht. Vor allem am Tag des Wochenmarktes (donnerstags). Da wächst sich die Parkplatzsuche zum nervtötenden Abenteuer aus.

Bei städtebaulicher Aufwertung der Bahnhofstraße in ferner Zukunft – bisher von der Rathaus-Verwaltung nur mal angedacht – würden noch sehr viel mehr Parkplätze wegfallen. Auch noch längst nicht fertiggedacht sind die Planungen für eine neue Festhalle und das immer wieder ins Gespräch gebrachte Biosphärenhaus. Nichts ist bisher in Stein gemeißelt. Motto: Nichts Genaues weiß man nicht. Nur soviel, dass schon jetzt Überlegungen bestehen, zumindest ein Parkhaus, wenn nicht gar zwei gebührenpflichtige Parkhäuser stadtnah zu errichten. Die Standorte hierfür? Sind noch nicht ausgeguckt. Als Fazit kann man festhalten: Viele Utopien und Zukunftsmusik waberten verbal durch die Bliesgau-Festhalle, wobei es zum Parken schon sehr viel konkreter wird.

Laut Analyse der Verkehrplaner müssen im Kernbereich von Blieskastel Parkdauerbeschränkungen eingeführt werden – je nach Zone von ein bis drei Stunden. Ralf Huber-Erler erklärte, dass es vonnöten sei, in der Barockstadt „das Parken neu zu ordnen“. Die in der Stadt beschäftigten Leute sollten ihre Autos etwas außerhalb abstellen. Als Huber-Erlers Kollegin Sabrina Hadwiger als eine Ausweichmöglichkeit den Klosterparkplatz nannte, wich die spürbare Anspannung und Ernsthaftigkeit im Publikum kurzzeitig ein paar lauten, trockenen Lachanfällen. Jeden Tag nach Abstellen des Wagens eine längere Strecke steil herunter und abends wieder steil herauf – das wollte dann doch niemand so richtig glauben. Von der „Trennung der Nutzergruppen“, das heißt aus Sicht der Analysten: Kunden und andere Besuche haben beim citynahen Parken Vorrang vor den hier Beschäftigten. Ebenso war die Rede davon, künftig die „Parkraum-Überwachung“ auszuweiten. Denn auffällig sei, dass sich in Blieskastel viele Leute nicht an die Ordnung halten.

„Auf uns Geschäftsleute und alle anderen die Bürger von Blieskastel kommen ungemütliche Zeiten zu“ – meinte am Ende ein Zuhörer.