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Blieskastel
Für Franz war aller Anfang schwer

Schon am Eröffnungsabend beim Straßenfest war der Biergarten auf dem Paradeplatz gut gefüllt.
Schon am Eröffnungsabend beim Straßenfest war der Biergarten auf dem Paradeplatz gut gefüllt. FOTO: Erich Schwarz
Blieskastel. Am Wochenende feierte das Straßenfestival Franz in Blieskastel Premiere. Dabei vermissten viele Bürger und auch Offizielle ihr altes Stadtfest. Von Erich Schwarz

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, wusste schon Herrmann Hesse. Aber der Volksmund weiß auch, dass aller Anfang schwer ist. Und irgendwo dazwischen steht „Franz – das Straßenfestival“, die Ablösung des altehrwürdigen Blieskasteler Altstadtfestes. Dass ihm viele nachtrauern, darüber wird weiter unten noch zu berichten sein. Und dass der Name „Franz“ nicht unumstritten ist, das konnte man schon vorher in den sozialen Medien erfahren.

Es war bei der Festeröffnung dann ein bisschen schwierig, den Altstadtfest-„Killer“ dingfest zu machen. Die FDP hatte in einer Pressemitteilung die Bürgermeisterin verantwortlich machen wollen, was diese bei ihrer Eröffnungsansprache aber prompt dementierte: „Nicht ich habe das Ende des Altstadtfestes beschlossen, das war der Stadtrat“. Aber auch den SPD-Genossen war nicht so ganz wohl in dieser Rolle: „Wir haben abgestimmt, weil es die Bürgermeisterin so wollte“, unterstrich SPD-Fraktionschef Guido Freidinger. Aber auf die Frage, wieso sich das gleichermaßen hoch verschuldete Zweibrücken denn noch ein Stadtfest leisten könne, hatte Stadtratsgenosse Matthias Zumpf auch gleich die Antwort: „Weil die einen SPD-Bürgermeister haben“.

Zumpf hatte dann bei „Franz“ auch eher Assoziationen zu Beckenbauer denn zum früheren Blieskasteler Grafen. Und überhaupt sei zu überlegen, so Zumpf, ob ein autoritärer gräflicher Herr in der heutigen Demokratie noch als Namenspatron für ein Fest in Blieskastel tauge. CDU-Fraktionschef Holger Schmitt sah das indes von der Marketing-Seite her: „Es wurde über den Namen heftig diskutiert, das war doch die beste Werbung. Der Name ist etwas Besonderes, das ist innovativ, das passt zu Blieskastel“, unterstrich der CDU-Frontmann. Er ist überzeugt, dass „Franz“ einen erfolgreichen Weg gehen wird. „Man muss sehen, wie sich dieses Fest entwickelt“, war Achim Jesel in seiner Prognose eher abwartend. Er machte keinen Hehl aus seiner Trauer: „Ja, ich vermisse das Altstadtfest sehr“, war der früherer Bürgermeisterinnen-Herausforderer ein bisschen wehmütig gestimmt. Ihm fehlt bei „Franz“ bei seiner ersten Auflage so etwas wie ein roter Faden: „Das ist ein bisschen Biosphäre, ein bisschen Citta slow und ein bisschen Altstadtfest light“, analysierte der Wolfersheimer.



Rainer Schetting, früherer Chef beim Blieskasteler Stadtmarketing, sah die Notwendigkeit einer Konzepterneuerung wohl, aber: „Den Namen eines solchen Traditionsfestes zu ändern, halte ich für einen großen Fehler“, so der Gewerbetreibende. Außerdem fand er es befremdlich, dass der Platz am Schlangenbrunnen sozusagen gänzlich ausgegrenzt war. „Das hängt mit dem Brandschutz zusammen“, begründete Festmacherin Cathrin Kelkel diese „Ausgrenzung“. Nicht ausgegrenzt war in diesem Jahr Elmar Becker mit seiner Eventscheune. Nachdem man ihm im letzten Jahr auf dem letzten Altstadtfest-Flyer keinen Platz eingeräumt hatte, wurde er in diesem Jahr „bekniet“, wie er sagte, doch mitzumachen. Vor und in seiner Eventscheune hatte Elmar wieder „alles gegeben, was zu einem attraktiven Straßenfestival gehört“, so der Blieskasteler Gastronom. Denn: „Wenn meine Stadt mich ruft, leiste ich meinen Beitrag“, unterstrich Becker. Nicht ganz einverstanden („meine persönliche Meinung“) war Becker mit der späten Sperrstunde um drei Uhr in der Nacht: „Das ist zu spät und passt nicht zu einem Straßenfestival“, stellte Becker heraus.

Aber auch er unterstrich, dass er traurig sei über das Ende des Altstadtfestes. Ansonsten wird man abwarten müssen, wie sich das Fest entwickelt. Der Freitagabend war bei der Eröffnung ganz gut besucht, später am Abend wohl dann etwas mehr Betrieb. Hoch her ging es wieder bei der Grünen Jugend zwischen ehemaligem Amtsgericht und City-Haus. Das war dort so etwas wie der Ersatz der Rockbühne, und da wurde kräftig abgefeiert. Das Restaurant „Die Metz“ hatte den Luitpoldplatz bespielt und der Blieskasteler Kulturstammtisch hatte in der Alten Poststraße eine Kulturmeile eingerichtet. Vor der Volksbank hatte man auch einen Platz für Kinder abgegrenzt.

Und um nochmal auf den „schweren Anfang“ zurückzukommen: Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener wollte den Gästen aus der Partnerstadt Le Creusot zeigen, wie ein Fassbieranstich im Saarland abläuft. Aber auch mit der Unterstützung von Bierverleger Fredi Braun und später dann dem Bundestagsabgeordneten Markus Uhl wollte das Bier nicht laufen.

Dann die Diagnose von Fredi Braun: „Wir haben Probleme mit dem Gummi“. Also, neue Dichtung an den Hahn – und schon gelang es der Rathauschefin mit nur drei Schlägen, das Bier zum Laufen zu bringen. Gruppenfoto mit den Gästen und den Pompiers aus der französischen Partnerstadt: „Franz“ war eröffnet.

Ein Prosit der Gemütlichkeit mit den Gästen aus der französischen Partnerstadt Le Creusot.
Ein Prosit der Gemütlichkeit mit den Gästen aus der französischen Partnerstadt Le Creusot. FOTO: Erich Schwarz