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Ferien zu Hause
Ferien zu Hause – ab in die Biosphäre

Ist das die Provence? Nein, das ist Blickweiler im Sommer. Die Biosphärenlandschaft ist ein echtes Sommerparadies.
Ist das die Provence? Nein, das ist Blickweiler im Sommer. Die Biosphärenlandschaft ist ein echtes Sommerparadies. FOTO: Eike Dubois
Saarpfalz-Kreis/BliesTal. Das Biosphärenreservat hält viele Angebote für Familien bereit. Sogar Hängematten kann man ausleihen, die Bäume sind markiert. red

Fernreisen liegen angeblich im Trend. Das sagen vor allem die Veranstalter. Doch wie sieht es wirklich aus? Ältere Leute und junge Familien halten nicht so viel davon, über zehn Stunden im Flugzeug zu sitzen. Außerdem bekommt man Fernreisen nicht geschenkt, das heißt, das ganze Geld ist dann für eine einzige Urlaubsreise ausgegeben worden, die schnell vorbei ist.

 Viele kleine Fahrten, mal ein verlängertes Wochenende, mal ein Kurzurlaub mit gutem Essen in einer schönen Landschaft, möglichst nicht so weit weg von zu Hause, das schätzen viele Leute. Und davon profitieren kleine Destinationen, zum Beispiel auch der Saarpfalz-Kreis.

Das Biosphärenreservat Bliesgau liegt abseits der großen Touristenströme im Südwesten Deutschlands, gleich vis-à-vis vom französischen Lothringen und dem Pfälzer Wald, im östlichen Teil des Saarlandes.



Hier trifft man auf eine außergewöhnliche Naturlandschaft. In den netten Bistros und Cafés spürt man schon französisches Flair, und auch das Essen ist wunderbar schmackhaft. Die zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen versprechen einen abwechslungsreichen Aufenthalt. Beindruckende Beispiele sind der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim, ein grenzüberschreitender Archäologiepark und das römische Freilichtmuseum in Schwarzenacker.

Noch etwas älter ist der 5000 Jahre alte Gollenstein bei Blieskastel. Auch „steinalt“ sind der Große Stiefel, ein Sandsteinfels in Form eines Stiefels, bei St. Ingbert und die Schlossberghöhlen in Homburg, Europas größte Buntsandsteinhöhlen.

Steinreich ist die Region mit dem Kohlebergbau nicht geworden. Einen erlebnisreichen Einblick in die harte Arbeit der Kumpels unter Tage vermitteln das Erlebnisbergwerk Rischbachstollen in St. Ingbert und das Saarländische Bergbaumuseum in Bexbach.

Weitblick bewiesen die Ritter von Kirkel mit dem Bau ihrer Burg, die jedes Jahr im Sommer den Kirkeler Burgsommer mit Ritterspektakel und Mittelaltermarkt beheimatet. Die anerkannte Cittàslow Blieskastel mit der barocken Altstadt lädt zum Flanieren und Entspannen ein.

Der Bliesgau gehört zu den jüngsten deutschen Unesco-Biosphärenreservaten und wurde im Mai 2009 ausgezeichnet. Ziel der Biosphärenreservate ist die beispielhafte Entwicklung des Zusammenlebens von Mensch und Natur. Die Naturlandschaft ist beeindruckend: Wiesen, Wälder und Felder beheimaten seltene und schützenswerte Tiere und Pflanzen. Im Frühjahr taucht der Bliesgau in ein wunderbares Blütenmeer. Ein Höhepunkt ist die Obstbaumblüte in den Streuobstwiesen rund um die Dörfer im Bliesgau. Besonders exotisch und farbenprächtig wird es, wenn im Orchideengebiet bei Gersheim rund 30 verschiedene Orchideenarten von Mai bis Anfang Juli ihre Farbenpracht entfalten. Auf gut ausgebauten Rad- und Wanderwegen können die Natur- und Kulturschönheiten der Region entdeckt werden.

Für den Urlaub daheim sind die Urlaubsangebote der Saarpfalz-Touristik der ideale Ideenpool. In zahlreichen Angeboten wird das Thema „Aktiv sein“, wie Radeln, Wandern, mit dem Entdecken und Schmecken regionaler Produkte kombiniert. Weitere Aktiv-Angebote sind Felsklettern im Kirkeler Wald, das Floß der Nachhaltigkeit und Erlebnispädagogisches Kanufahren auf der Blies.

Neben diesen bewährten Formaten der kulinarischen Wanderungen und Aktiv-Programmen, gibt es zahlreiche neue Erlebnisangebote für sommerliche Entdecker-Touren in der Biosphäre Bliesgau.

Zum Beispiel die Alpaka-Touren rund um Gräfinthal sind für große und kleine Tierfreunde ein tolles Angebot. Mit Morriso, Happy und Achilles, so heißen die beiden Alpakas und das Lama, wird die wunderschöne Natur rund um den Wallfahrtsort Gräfinthal erkundet. Start und Ziel der Wanderung ist das Mühlencafé von in Gräfinthal, wo die Tiere auch zuhause sind.

Unter fachkundiger Begleitung eines Natur- und Landschaftsführers führt die etwa fünf Kilometer lange Tour über einen Teil des Jakobsweges vorbei an der Naturbühne Gräfinthal entlang schöner Wiesen mit Rast und Vesper sowie Wissenswertem über die Flora und Fauna der Biosphäre.

Eine süße Verführung und nachhaltige Erfahrung verspricht das Tagesangebot „Erlebnis-Imkerei“. Der Bio-Imker sowie ein Natur- und Landschaftsführer gewähren tolle Einblicke in die Welt der Bienen sowie in die Zusammenhänge des Ökosystems der Biosphäre.

Auf einem entspannten Spaziergang von etwa 4,5 Kilometern zu den Bienenstöcken in den Streuobstwiesen werden der Erhalt der Kulturlandschaft sowie der Biodiversität und die besondere Rolle der Bienen fachkundig erläutert. Zurück in der Bioland-Imkerei erhalten die Teilnehmer einen Einblick in die verschiedenen Arbeitsschritte der Honigherstellung vom Ernten der Honigwaben, dem Schleudern bis hin zum Abfüllen des „süßen Goldes“. Natürlich werden auch verschiedene Honigsorten verkostet.

Ein tolles Ferienangebot für Familien mit Kindern ab acht Jahren ist das Abenteuercamp am Würzbacher Weiher. Wer immer schon mal wie die Indianer durch den Wald streifen, die Vogelsprache erlernen, die Fährten von Wildschwein, Reh und Hase aufspüren oder ein eigenes Lagerfeuer im Camp entfachen wollte, um nachts in angenehm warmer Atmosphäre in Zelten zu schlafen, der ist bei diesem Sommer-Angebot mit dem Wildnispädagogen genau richtig. Ein eigenes Lagerfeuer und leckere Grillhäppchen zur Stärkung dürfen hierbei nicht fehlen.

Seit kurzem können Wanderer in Hängematten in saarländischen Wäldern „abhängen“. Bei zwei Verleihstellen im Biosphärenreservat können Hängematten gegen eine Kaution von 20 Euro ausgeliehen werden. Im Wald um die Biosphärenstadt Blieskastel wurden die schönsten Standorte als „Baumelstation“ ausgewählt. Ausleihen kann man die Hängematten bei der Saarpfalz-Touristik und der Tourist Information Blieskastel. Nicht alle Bäume sind geeignet: Deshalb wurden Bäume gekennzeichnet, die regelmäßig auf Verkehrssicherheit geprüft werden.

Wanderer erkennen sie am Logo „To stay“. Die Hängematte wiegt 500 Gramm und hält bis zu 180 Kilogramm aus. Die Aufhängung ist einfach: Die Seile sind bereits mit mehreren Knoten versehen, in die Metallhaken eingehängt werden. Die maximale Leihzeit beträgt 72 Stunden. Die Verleihstellen erklären, wie man die Hängematte richtig aufhängt und geben Tourenvorschläge. Das Projekt ist Teil der Kampagne „Saarland to stay“ der Tourismus Zentrale Saarland (TZS). Damit wirbt die TZS für intensive Urlaubserlebnisse und legt Wert auf das bewusste Genießen ohne Zeitdruck. Der Hängemattenverleih ist eine Kooperation der TZS mit der Saarpfalz-Touristik und dem Regionalverband Saarbrücken.

Die Angebotsbroschüre der Saarpfalz-Touristik, weitere Infos zu den Hängematten,und Karten gibt es bei der Saarpfalz-Touristik, Paradeplatz 4, 66440 Blieskastel, Telefon (0 68 41) 104-71 74; Fax (0 68 41) 104-71 75, E-Mail: touristik@saarpfalz-kreis.de

Bogenschießen ist eine Sportart, die man in der Biosphäre ausüben kann. Danach geht’s in die Hängematte, 72 Stunden darf man baumeln.
Bogenschießen ist eine Sportart, die man in der Biosphäre ausüben kann. Danach geht’s in die Hängematte, 72 Stunden darf man baumeln. FOTO: Wolfgang Henn
Morriso, Happy und Achilles heißen die drei Tiere aus den Anden, die sich auch im Bliesgau wohlfühlen: ein Lama und zwei Alpakas, mit denen Kinder auf Tour gehen können.
Morriso, Happy und Achilles heißen die drei Tiere aus den Anden, die sich auch im Bliesgau wohlfühlen: ein Lama und zwei Alpakas, mit denen Kinder auf Tour gehen können. FOTO: Wolfgang Henn