| 20:08 Uhr

Unermüdliches Engagement
Dieses Ehepaar macht ordentlich Wellen

 Das Ehepaar Ruth und Werner Weber aus Völklingen macht sich für den Erhalt der Schwimmbäder im Saarland stark, vor allem aber hat es das Kombi-Bad in Blieskastel seit 30 Jahren ins Herz geschlossen.
Das Ehepaar Ruth und Werner Weber aus Völklingen macht sich für den Erhalt der Schwimmbäder im Saarland stark, vor allem aber hat es das Kombi-Bad in Blieskastel seit 30 Jahren ins Herz geschlossen. FOTO: Petra Pabst
Blieskastel. Die glühenden Fans des Blieskasteler Kombibades kämpfen gegen die Schließung von Einrichtungen in der Region. Von Petra Pabst

30 Jahre lang zwei- bis drei Mal wöchentlich nach Blieskastel zum Schwimmen? Klar, warum nicht. Selbst wenn man in Völklingen wohnt? Jetzt werden wir stutzig. Ja, Sie haben richtig gelesen. Das Ehepaar Ruth und Werner Weber lebt in Völklingen, genau genommen im Stadtteil Ludweiler. Beide sind leidenschaftliche Schwimmer. Mittlerweile sind sie im Ruhestand, der Sohn ist längst erwachsen, die beiden Enkelkinder Carina und Moritz zwölf und sechs Jahre alt. „Unser Sohn und unsere beiden Enkel haben hier im Kombi-Bad schwimmen gelernt. Auch sie kommen immer noch regelmäßig zum Schwimmen hierher.“

Aber warum macht man sich jede Woche bis zu drei Mal auf den Weg von Völklingen nach Blieskastel, wo es doch so viele Schwimmbäder dazwischen gibt? „Keines ist wie das Kombi-Bad hier im Freizeitzentrum“, sagen sie. „Wir genießen einfach die familiäre Atmosphäre. Das Personal ist stets hilfsbereit, freundlich und zuvorkommend, und das Schwimmbad hat einfach ein besonderes, ein niveauvolles Flair. Auch das angrenzende Bistro und dessen Betreiber - alles ganz tolle Menschen. Wir fühlen uns rundum wohl hier.“ Und das seit nunmehr 30 Jahren. Aber wie kam es dazu? Ruth Weber erzählt lächelnd: „Wir waren damals eigentlich auf dem Weg nach Pirmasens und wollten dort ins Spaßbad. Doch plötzlich war die Autobahn aufgrund eines Unfalls gesperrt und die Autos wurde über die Ausfahrt Einöd abgeleitet. Überall staute sich der Verkehr, und für Ortsunkundige gab es kein Durchkommen. Also entschieden wir spontan, uns bis zum nächstgelegenen Schwimmbad durchzufragen und dort den restlichen Tag zu verbringen.“

Dort angekommen war es Liebe auf den ersten Blick - oder besser gesagt - auf den ersten Sprung ins Becken. Die schöne Liegewiese, gemütliche Liegestühle unter schattigen Bäumen, das Schwimmen von drinnen nach draußen und umgekehrt, die geschwungene Wasserrutsche („die müssen Sie unbedingt einmal ausprobieren“) - Ruth Weber gerät ins Schwärmen. „Dieses Schwimmbad gehört zu den schönsten im ganzen Saarland“, bestätigt ihr Mann Werner. Mittlerweile kennt und schätzt man hier die beiden treuen Stammgäste, die schon fast zum Inventar gehören. Der Gedanke, dass „ihr“ Schwimmbad eines Tages dem gleichen Schicksal zum Opfer fallen könnte, wie so viele andere vor ihm, ist den beiden unerträglich. „Seit 2000 sind in Deutschland jedes Jahr rund 80 Bäder geschlossen worden, das heißt, alle vier Tage schließt ein Bad für immer. Diese Schließungen gehen zulasten der Bevölkerung. Diese Entwicklung muss endlich ein Ende haben“, so Weber.



Aktuell gibt es zwar keine Hinweise auf eine drohende Schließung des Blieskasteler Bades, aber ein Renovierungsstau zeigt sich immer deutlicher. Doch die Webers wollen nicht klagen, sondern handeln. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat die bundesweite Petition „Rettet die Bäder!“ ins Leben gerufen, die sich gegen das fortwährende Schließen von Schwimmbädern richtet. Sie läuft noch bis Ende August. Zwischenzeitlich haben sich bereits mehr als 110000 Menschen beteiligt. Die Übergabe der Unterschriften beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages ist für Anfang September geplant.

Für Werner Weber ist diese Petition eine Herzensangelegenheit. „Wir sind als Gesellschaft mitverantwortlich, dass alle Kinder die Möglichkeit erhalten, schwimmen zu lernen, aber immer mehr bleiben Nichtschwimmer. Im Jahr 2017 sind in Deutschland 17 Kinder im Alter bis vierzehn Jahre ertrunken. Im letzten Jahr waren es schon 31 Kinder. Mehr als jedes zweite Kind kann schon nicht mehr sicher schwimmen. Vielen Grundschulen fehlt der Zugang zu einem Schwimmbad.“ Vor diesem Hintergrund will das Paar auf die DLRG-Petition aufmerksam machen. Sie haben Unterschriftslisten an der Kasse und im Bistro des Kombi-Bads ausgelegt. Aber auch in der Fußgängerzone, auf dem Wochenmarkt oder der Bliestalmesse haben sie bereits Menschen angesprochen und Unterschriften gesammelt. „Wir wollen auch noch im Rathaus, in Geschäften und Arztpraxen Listen auslegen“ erklären sie. „Wir hoffen, mit dieser Petition Druck machen zu können, dass mehr Bundesmittel für die Kommunen bereit gestellt werden, um in öffentliche Schwimmbäder investieren zu können, statt sie schließen zu müssen.“

Webers großer Wunsch wäre ein Förderverein. „Damit könnten wir eine Lobby für unser Blieskasteler Schwimmbad aufbauen und gemeinsam Aktionen planen“, meint er. Zurzeit trifft sich bereits regelmäßig eine kleine Interessengemeinschaft von etwa sechs Personen. Sie hoffen auf weitere Mitstreiter, um die Gründung eines Fördervereins vielleicht eines Tages umsetzen zu können. „Wir müssen Bäder erhalten oder bauen und nicht wegrationalisieren. Das ist keine Investition in Mauern, sondern in Menschen. Es geht schließlich um Leben.“

Wer sich an der Petition beteiligen möchte, kann dies auch online tun unter: https://www.dlrg.de/rettet-die-baeder.html