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„Die Prachtmeile von Bexbach“

Auch wenn die Bahnhofstraße fertig und die Sperrung aufgehoben sein wird, haben die Geschäftsleute wenig Hoffnung. Foto: Reichhart
Auch wenn die Bahnhofstraße fertig und die Sperrung aufgehoben sein wird, haben die Geschäftsleute wenig Hoffnung. Foto: Reichhart FOTO: Reichhart
Homburg/Bexbach. Gastronomen und Geschäftsleute schildern ihre Situation und machen deutlich: So positiv, wie das Projekt Aktive Stadt dargestellt werde, sei es bei näherer Betrachtung nicht. Christine Maack

Susanne Remus wollte keinen Baum vor ihrem Geschäft in der Bexbacher Bahnhofstraße - bekommen hat sie zwei. Die Besitzerin der Boutique Babette wollte einen Baum, bekommen hat sie keinen - bisher. Ein China-Imbiss braucht Kurzparkplätze vor dem Haus um zu überleben - sie wurden entfernt. Ein Biowaren-Geschäftsinhaber muss jeden Tag frische Ware bekommen, aber vor seinem Haus blockiert der Lkw beim Entladen den ganzen Verkehr.

Aus demselben Grund lässt sich Sebastian Kettner, Inhaber eines Steak-Hauses, nun die Getränke hinter dem Haus anliefern. Kisten und Kasten müssen durch ein Kellerlabyrinth geschleppt werden, überall im Haus wird Bausand verteil.

Fünf Geschäftsleute aus der Bexbacher Bahnhofstraße machen in der Redaktion ihrem Ärger Luft. Fazit: "Wir fragen uns, was wir von dem Projekt Aktive Stadt haben - nämlich nichts", so Sandra Rüsken-Wachs. Sie betreibt, zusammen mit Dominic Wachs, das Billard-Café. Seit die Bahnhofstraße gesperrt ist, "können wir nachmittags Däumchen drehen."



Und es wird auch nicht besser, da sind sich die beiden Gastronomen sicher: "Auch wenn die Sperrung aufgehoben ist und die Straße in neuem Glanz erstrahlt, müssen die Kunden einen großen Bogen fahren, um zu uns zu kommen, denn wir sind ja dann Einbahnstraße." Dominic: "Umwege fährt niemand, der nur ein Bier trinken möchte. Diese Kunden können wir abschreiben." Da die laufenden Kosten bestehen, die Kunden aber wegfallen, erwägen die beiden, womöglich einem anderen Standort zu suchen. Auch Michael Klemm, der ein alteingesessenes Biowaren-Geschäft betreibt, hat jetzt bis zu 50 Prozent Einbußen, die er später nicht mehr aufholen werde: "Ich habe große Probleme mit den Lieferungen, denn jeder Lkw, der vor meinem Haus hält, blockiert den ganzen Verkehr."

Da er aber auch später keinen Parkplatz vor dem Haus bekommen wird, "wird sich meine Situation nicht ändern". Im Gegenteil, es ist geplant, in der Bahnhofstraße künftig zwei Mal in der Woche einen Markt abzuhalten, "dann stehen die Marktstände vor meiner Nase - und ich kann nicht nur nicht entladen, der Zugang zu meinem Geschäft ist erschwert. Von Kundenparkplätzen will ich erst gar nicht reden."

Wenig Probleme hat Susanne Remus, die ein Tattoo-Studio betreibt: "Ich habe meine spezielle Kundschaft." Aber auch bei ihr ist der Umsatz eingebrochen. Die Planer in der Stadtverwaltung sollten nicht glauben, "alle wären glücklich mit der neuen Prachtmeile von Bexbach. Das ist nämlich nicht so."

Auch Steakhaus-Betreiber Michael Klemm gehört nicht zu den Verlierern, "denn ich kriege Außenbestuhlung", aber er will die Probleme nicht kleinreden: "Die Apotheke hat keine Parkplätze mehr. Wie soll das gehen? Der Asia-Imbiss hat auch keine Chance, wenn da keiner mehr vor der Tür halten darf."