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Ein neuer Wind weht in Blieskastel
Der „Franz“ steigt wieder in die Gruft

 Das waren noch Zeiten: Dicht gedrängt strömten die Besucher des legendären Altstadtfestes durch die Gassen der Barockstadt. Und dann kam das „Franz“-Fest. Unser Bild entstand im Jahr 2016.
Das waren noch Zeiten: Dicht gedrängt strömten die Besucher des legendären Altstadtfestes durch die Gassen der Barockstadt. Und dann kam das „Franz“-Fest. Unser Bild entstand im Jahr 2016. FOTO: Fredi Brabänder
Blieskastel. Der Bürgermeister von Blieskastel hebt ein neues Stadtfest aus der Taufe. Und lädt jetzt zur Info-Veranstaltung ein. Von Michèle Hartmann

„Yesssssss“. „Topp“ und so weiter und so fort. Es freut einige eindeutig kommentierende Leute in Facebook und auch direkt im Bliesgau, dass der Franz sich ein für alle Mal getrollt hat. Der Kerl war aber auch sowas von spröde, kaum jemand ist mit ihm warm geworden. So krabbelt er also nach zwei Jahren wieder in seine Gruft und lässt die Mal machen, die jetzt das Sagen haben.

Wer insbesondere in Blieskastel seit wenigen Monaten das Sagen hat, das ist Bürgermeister Bernd Hertzler. Er bläst zum Angriff, was das allgemein unbeliebte „Franz“-Fest im Sommer angeht. Was er auch schon im Wahlkampf voriges Jahr angekündigt hatte. Ein Stadtfest hebt er jetzt mithilfe von interessierten Leuten ins Leben (siehe Info-Kasten).

Bekanntermaßen hat im Jahr 2018 an verantwortlicher Stelle die damals 2. Beigeordnete der Stadt Blieskastel, Brigitte Adamek-Rinderle mit „Kreativgruppe“ das Franz-Fest als Straßenfestival mit neuem Konzept ins Leben gerufen. Denn der Stadtrat hatte dem beliebten Altstadtfest den bis dahin üblichen Finanzierungszuschuss versagt. Kleiner, bunter, vielfältiger sollte die neue Freiluft-Fete mit dem befremdlichen Namen werden. Mehr Klasse statt Masse sollte sie in kulinarischer Hinsicht bieten – mit regionaler, saisonaler und internationaler Vielfalt. Also gewissermaßen mehr Pralinen statt Plunz (Blutwurst). Straßenkunst und -kultur sollten das Angebot vervollständigen, auf dass da am Ende ein Fest für alle Sinne und Altersgruppen stehen möge.



Zur Namensgebung hieß es damals, dass ja Gräfin Marianne, in deren Regentschaft maßgeblich das barocke Stadtbild geprägt wurde, doch allen Leuten bekannt sei. Ihr Gatte Franz Carl jedoch sei das nicht. Zwar lebte er nur kurze Zeit in Blieskastel, bevor er 1775 starb. Allerdings sei sein Name ebenso mit der Stadt verbunden wie der seiner Frau. Fünf Buchstaben, kurz und knackig – und schon war die von vielen Leuten als „Schnapsidee“ titulierte Namensgebung in der Welt. Und nun brechen neue Zeiten an.

Denn der zu Sessionsbeginn von der KG Blieskastel mit einem roten neuen Besen ausstaffierte rote Bürgermeister macht ein neues Fass auf und lädt kommenden Montag, 27. Januar, zur Stadtfest-Besprechung ins Rathaus ein. Da geht es zunächst mal um die allgemeinen Rahmenbedingungen.

Gestern, im Gespräch mit der SZ erklärte Bernd Hertzler, dass man auch wieder auf das Datum des früheren Altstadtfestes zurückgreifen werde – also aufs dritte Wochenende im Juni (Freitag und Samstag). Er freut sich über die vielen positiven Kommentare in den sozialen Medien: „Es kommt offenbar gut an.“ Hertzler sagt der Ehrlichkeit halber aber auch, dass mit dem neuen Stadtfest im Sommer ein „begrenztes Budget“ einhergehe. Erwarten könne man somit keine großen Bands oder eine üppige „Bühnenlandschaft“. Günstig nennt er derweil das Standgeld, das für private Anbieter 150 Euro beträgt. Die Stadt, so der Verwaltungschef im Übrigen, wolle keine Einnahmen erzielen. Auf die Besprechung mit allen Interessenten am kommenden Montag freut er sich. Wünsche und Anregungen würden gerne entgegen genommen.

 Die Musiker Nico Maus, Stefan Reuther, Peter Klaus, Alex Scherer und Stefan „Fossy“ Paul  kamen 2019 beim „Franz“-Fest  richtig gut  an.
Die Musiker Nico Maus, Stefan Reuther, Peter Klaus, Alex Scherer und Stefan „Fossy“ Paul kamen 2019 beim „Franz“-Fest richtig gut an. FOTO: Erich Schwarz