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Deutsch-französisches Bankfest
„Schönstes Familienfest auf der Grenze“

Auf der Bank auf der Grenze werden Kontakte gepflegt und sich für die Beseitigung der Grenze gesetzt: Mit am Tisch (von links) Sous-Prefet Christophe Salin, Ormersvillers Maire Marcel Vogel, Nicole Trisse, Abgeordnete der Französischen Nationalversammlung, Landtagsabgeordnete Jutta Schmitt-Lang, Bundestagsabgeordneter Markus Uhl. Dahinter als einer der Initiatoren des Treffens Dieter Schmidt (Sechster von links).
Auf der Bank auf der Grenze werden Kontakte gepflegt und sich für die Beseitigung der Grenze gesetzt: Mit am Tisch (von links) Sous-Prefet Christophe Salin, Ormersvillers Maire Marcel Vogel, Nicole Trisse, Abgeordnete der Französischen Nationalversammlung, Landtagsabgeordnete Jutta Schmitt-Lang, Bundestagsabgeordneter Markus Uhl. Dahinter als einer der Initiatoren des Treffens Dieter Schmidt (Sechster von links). FOTO: Wolfgang Degott
Ormersviller. Das französische Ormersviller und das deutsche Brenschelbach stehen für europäische Geschichte im Kleinen.

„Es ist das kleinste, schönste und familiärste Familienfest direkt auf der Grenze“, meinte die Blieskasteler CDU-Landtagsabgeordnete Jutta Schmitt-Lang. Hier werde europäische Geschichte im Kleinen geschrieben, wovon sich die „Großen ein Stück abschneiden können“. Sie freute sich gemeinsam mit der Abgeordneten der französischen Nationalversammlung, Nicole Trisse aus Neufgrange, dabei zu sein, um eine Tradition fortzusetzen, die 1986 mit der Öffnung der Grenze begründet worden war.

Brenschelbachs ehemaliger Ortsvorsteher Dieter Schmidt erinnerte daran, dass Bürger es durch eine Petition und danach vielen Anträgen erreicht hätten, die Grenze durchlässiger zu machen, damit sich Menschen auch nach 20 Uhr begegnen konnten. Diese Initiative hätte auch Symbolcharakter für die heutige Situation, denn „in Europa gibt es Vieles zu tun und wenn jemand etwas verbessern kann, dann geht es nur in einer Gemeinschaft. Wir müssen Wege finden, um die Probleme Europas zu lösen“, so Schmidt.

Ormersvillers Maire Marcel Vogel, der alljährlich gemeinsam mit Schmidt zu dem Treffen einlädt, hob den Wert solcher Begegnungen heraus: „Am Tisch werden mehr Projekte auf den Weg gebracht als bei vielen Terminen.“ Treffpunkt der Gäste ist eine vor mehr als 30 Jahren am Standort der ehemaligen Zollbaracke aufgestellte Bank, zu der die frühere saarländische Europa-Abgeordnete Doris Pack auch einen Lindenbaum stiftete. Seit 2001 steht dort auch ein Findling mit einer Plakette, die auf das große Ereignis für die Menschen der Region hinweist, sowie eine Bank, die zum Verweilen einlädt. Auch die beiden früheren Bürgermeister Gersheims Siegfried Wack und Lothar Kruft hoben die Bedeutung der jährlichen Zusammenkunft zur Vertiefung der freundschaftlichen Kontakte hervor.



Nicole Trisse, die erstmals dabei war, versicherte, dass sie mithelfen wolle, die grenzüberschreitenden Probleme zu beseitigen. „Das Freundschaftsfest hat einen hohen Symbolwert, weil es auf der ehemaligen Grenze stattfindet“, äußerte sich CDU-Bundestagsabgeordneter Markus Uhl. Es sei zudem ein Zeichen dafür, wie Menschen dies- und jenseits der Grenze schon weit vor dem Abschluss des Schengener Abkommens vor 33 Jahren zusammengearbeitet und die Grenze überwunden hätten.

Inspiriert von seinem ersten Besuch im vergangenen Jahr und dem Bewusstsein dessen, was hier erreicht wurde und wie wertvoll die Initiativen gewesen seien, werde sich Uhl engagieren. Gemeinsam mit Andreas Jung aus Baden-Württemberg, dem Vorsitzenden der deutsch-französischen Parlamentarier-Gruppe des deutschen Bundestages und der französischen Nationalversammlung, werde er sich dafür einsetzen, dass im jetzt in der Entstehung befindlichen „Elysée-Vertrag 2.0“ ein Kapitel verankert werde, das sich mit dem „kleinen Grenzverkehr“, den Routen und Straßen zwischen den Dörfern beiderseits der Grenzen beschäftigt. Straßen seien Symbol dafür, Verbindungen zu schaffen, Menschen zusammenzuführen, um die deutsch-französische Freundschaft zu pflegen, so Uhl. Sous-Prefet Christophe Salin aus Sarreguemines zeigte sich überrascht darüber, wie stark die persönlichen Kontakte und Beziehungen der Menschen in der Grenzregion um Ormersviller und Brenschelbach seien, während der Erste Beigeordnete der Stadt Blieskastel, Georg Wilhelm, darum warb, ein Baugebiet vom Ortsrand Ormersviller heraus auf und über die Grenze zu erschließen. Bisher werde durch geltendes Recht eine solche Verfahrensweise nicht erlaubt und ein unbebauter Korridor entlang der Grenzlinie vorgeschrieben.