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Zuhören bildet – gelegentlich
Jetzt gibt’s den Bliesgau auf die Ohren

 Landrat Theophil Gallo präsentiert zusammen mit Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener und Wolfgang Henn von der Saarpfalz Touristik die neue Lauschtouren-Tafel auf dem Paradeplatz in Blieskastel.
Landrat Theophil Gallo präsentiert zusammen mit Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener und Wolfgang Henn von der Saarpfalz Touristik die neue Lauschtouren-Tafel auf dem Paradeplatz in Blieskastel. FOTO: Erich Schwarz
Blieskastel. Per Smartphone die barocke Altstadt erkunden: Lauschtouren per App machen dies jetzt möglich. Von Erich Schwarz

Barock trifft auf Moderne: In Blieskastel kann man neuerdings auch per Smartphone die barocke Altstadt erkunden. Hieß es früher Stadtführerin oder Stadtführer, so lautet heute das Zauberwort „Audio Guide App“. „Wir haben uns überlegt, ob dies Stadtführungen wie bisher überflüssig macht. Aber wir glauben, Blieskastel und die Region haben so viel zu bieten, dass klassische Stadtführungen nicht überflüssig werden“, sagte Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener bei der Präsentation der App. Landrat Theophil Gallo meinte, dass dieses Projekt einmal mehr beweise, dass der Saarpfalz Kreis „die Speerspitze des saarländischen Tourismus-Engagements“ sei.

In der Werbebroschüre der Saarpfalz-Touristik kann man lesen, dass „Geschichte und Natur durch diese App erlebbar werden und Gäste und Einheimische informativ und kurzweilig durch die Gemeinde oder Stadt geführt werden“. Das Ganze heißt also „Lauschtouren“ per App , die man kostenlos aufs Handy herunterladen kann (je nach Betriebssystem in den entsprechenden App Stores). Entwickelt wurde sie auch im Rahmen des „Netzwerks Hören“ speziell für schwerhörige oder gehörlose Menschen. Man wählt einfach die gewünschte Tour aus, das Gebärdensprachensymbol antippen und die Tour installieren. Mit GPS lösen die Gebärdenvideos unterwegs automatisch aus. Das Smartphone vibriert, wenn man an einer Station angekommen ist.

Zurück zum Inhalt: „Ob an archäologischen Orten, in historischen Städten oder mitten in der Natur“, so wirbt die Saarpfalz-Touristik: Insgesamt acht Lauschtouren zeigen die großen und kleinen Besonderheiten am Wegesrand. Immer mit dabei, aus Interviews eingeblendet, sind Kenner des Bliesgaus, insgesamt 18 Personen, „die mit ihrem spannenden Hintergrundwissen und ihren Anekdoten für ein ganz persönliches Hörerlebnis sorgen“. „Der Bliesgau für die Ohren“, so das Motto der App, bietet insgesamt acht Lauschtouren an (siehe Info-Kasten). Und so einfach geht es: Wie oben schon beschrieben die Lauschtour-App herunterladen, dann die Tour auswählen und dann starten. Hat man das GPS aktiviert, werden die Hörbeiträge („Audios“) an den Lauschpunkten automatisch gestartet. Die Tour kann jederzeit unterbrochen und dann neu gestartet werden. Zu Beginn werden alle Inhalte auf dem Smartphone gespeichert, so dass unterwegs keine Internet-Verbindung mehr nötig ist. Deshalb sollte man die Touren zu Hause im WLAN herunterladen.



Den „perfekten Lauschgenuss“, so rät die Info-Broschüre, hat man mit Kopfhörer oder Smartphone-Lautsprecher. Dies empfiehlt sich gerade in der Stadt wegen der vielen Neben- und Umgebungsgeräusche. Beim Vorstellungstermin der Lauschtouren gestern konnte man exemplarisch den „Blieskasteler Barock“ miterleben. Diese Lauschtour führt vom ehemaligen Paradeplatz der Grafen von der Leyen durch die schmalen Gassen der Blieskasteler Altstadt hinauf auf den Schlossberg mit dem Endpunkt Orangerie. Die Stationen sind: Paradeplatz, Mühleneck und Gerbergasse, Altstadt, Herkulesbrunnen, Napoleon-Brunnen mit Schlossblick, Hinnereck, Hofratshäuser am Schlossberg, die Schlosskirche und am Ende die Orangerie. Diese eine von acht Touren dauert ungefähr 40 Minuten und die Streckenlänge beträgt zirka ein Kilometer. Am Ende der Tour gibt es noch ein paar Tipps, etwa über den Gollenstein oder das Kloster. Die Lauschtouren werden unterstützt durch das europäische Förderprogramm „Leader“. Dieses Förderprogramm unterstützte die „Hörtouren im Biosphärenreservat Bliesgau“ mit insgesamt knapp 180 000 Euro, davon 75 Prozent Mittel der Europäischen Union aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes und 25 Prozent Mittel des saarländischen Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz.

 Auch um die Orchideen in der Biosphäre geht es bei den Lauschtouren. 
Auch um die Orchideen in der Biosphäre geht es bei den Lauschtouren.  FOTO: Harald Hartusch