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Bohnen machten Lautzkirchen bekannt

Bohnen sind auch heute noch ein gefragtes Lebensmittel, wie Marktfrau Julia Graff bestätigt. Foto: Norbert Rech
Bohnen sind auch heute noch ein gefragtes Lebensmittel, wie Marktfrau Julia Graff bestätigt. Foto: Norbert Rech FOTO: Norbert Rech
Lautzkirchen. I n früheren Zeiten spielte in Lautzkirchen der Anbau von Bohnen eine große Rolle. Der Boden in der Talaue des Ortes war hierfür auch bestens geeignet, besonders das Pferchtal. Der Gartenbau wurde von der Leyen-Herrschaft eingeführt. Erste Unterlagen über die Bohnenfelder stammen aus dem Jahr 1180. Darin wird berichtet, dass allein im St. Ingberter Wald 7850 Stangen zum Verkauf bereit stehen. Einen ersten Bezug auf Lautzkirchen ist in der "Zweibrücker Zeitung" vom 29. August 1887 zu finden. Darin wird über ein landwirtschaftlichen Bezirksfest geschrieben, auf dem Gottfried Hugo aus Lautzkirchen "große und schöne Bohnen " ausstellte. Norbert Rech

I n früheren Zeiten spielte in Lautzkirchen der Anbau von Bohnen eine große Rolle. Der Boden in der Talaue des Ortes war hierfür auch bestens geeignet, besonders das Pferchtal. Der Gartenbau wurde von der Leyen-Herrschaft eingeführt. Erste Unterlagen über die Bohnenfelder stammen aus dem Jahr 1180. Darin wird berichtet, dass allein im St. Ingberter Wald 7850 Stangen zum Verkauf bereit stehen. Einen ersten Bezug auf Lautzkirchen ist in der "Zweibrücker Zeitung" vom 29. August 1887 zu finden. Darin wird über ein landwirtschaftlichen Bezirksfest geschrieben, auf dem Gottfried Hugo aus Lautzkirchen "große und schöne Bohnen " ausstellte.

Anfang des letzten Jahrhunderts florierte dann der gewerbsmäßige Bohnenanbau in Lautzkirchen so richtig. 27 Sorten wurden angepflanzt und im Jahr 1918 sogar bis zu 200 000 Bohnenstangen gesteckt. Es folgte die Gründung einer Bohnen-Verkaufsgenossenschaft, der aber kein Erfolg beschieden war. Es fehlte an Flexibilität, die ein einzelner Händler eher aufbringen kann. Der Bau einer Konservenfabrik konnte aus Geldmangel ebenfalls nicht verwirklicht werden.Trotzdem gelang es den Lautzkirchern, den Bohnenanbau am Florieren zu halten. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemarkung sogar Bohnenland genannt. Nach dem Krieg diente das Gemüse zunächst dem Eigenbedarf und als "Zahlungsmittel" auf dem Schwarzmarkt . Trotz des Anbaurückgangs Ende der 50er Jahre bedienten noch vier Bohnenpflanzer den Großmarkt in Saarbrücken. 17 weitere verkauften die Früchte auf den Märkten in St. Ingbert, Neunkirchen und Homburg. Dabei verständigten sich die Marktfrauen oft durch eine eigene Sprache, die Jenisch genannt wird. Heute werden nur noch in wenigen Gärten des Dorfes Bohnen angebaut. Über viele Jahre wurde in Lautzkirchen auch ein Bohnenfest gefeiert und eine Königin gewählt. Diese Feier wurde durch ein Dorffest ersetzt, das aber seit fünf Jahren auch nicht mehr stattfindet.