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Blieskasteler Schlosskirche
Die Wiedergeburt einer Königin der Klänge

 Auf der dunklen Seite der Klänge: Blick aus dem Inneren der Orgel in der Schlosskirche Blieskastel.
Auf der dunklen Seite der Klänge: Blick aus dem Inneren der Orgel in der Schlosskirche Blieskastel. FOTO: Albert Claus
Blieskastel. Der Fotograf Albèrt Claus hat über ein Jahr die Generalsanierung der Orgel in der Schlosskirche Blieskastel begleitet. Von Oliver Schwambach

Man könnte diese Geschichte mit der Mühsal beginnen, die es kostete, das Geld für eine grundlegende Sanierung der Orgel in der Blieskasteler Schlosskirche zusammenzubringen. Rund 340 000 Euro. Ohne eine generöse Erbschaft und den rührigen Freundeskreis der Saarpfälzischen Musiktage wäre es wohl kaum möglich gewesen, die Mayer-Orgel aus dem Jahr 1972 wieder so herzurichten, dass sie einem nun fast schöner als zu ihrer Entstehungszeit vorkommt – und technisch für einige Jahrzehnte bestens gerüstet sein sollte. Man könnte aber auch darüber räsonieren, dass ausgerechnet die Renovierungsarbeiten an der einstigen Klosterkirche, die der Stengel-Schüler Peter Reheis 1776 schuf, das Instrument so in Mitleidenschaft zogen, dass eine Sanierung der Orgel unumgänglich wurde.

Man kann sich aber auch einfach daran erfreuen, dass diese herrliche Orgel nun wieder erklingt. „Schöner denn je“, meint jedenfalls der Fotograf Albèrt Claus. Er wohnt quasi in Hörweite zur Kirche. Ansonsten war und ist er viel auf Tour, unterwegs für Reisemagazine, um ferne Schönheit mit der Kamera einzufangen. Dass barocke Juwel vor seiner Haustür zieht den 70-Jährigen aber auch in den Bann. Und als nun die Orgel dort saniert wurde, war Claus zu Stelle – um zu fotografieren. Zunächst eher zufällig, dann immer konsequenter, schließlich verfolgte er über ein Dreivierteljahr hinweg den Ausbau, die Sanierung und die Wiedergeburt dieser Königin der Instrumente.

Und mit jedem Bild, das er machte, jedem Mal, bei dem er den Orgelbauern der Bonner Firma Klais (die auch die Orgel in der Hamburger Elbphilharmonie geschaffen haben) über die Schulter gucken konnte, wuchs seine Faszination. Musik, sagt Claus sei ihm schon immer ein wichtiger Begleiter gewesen, auch wen er selbst kein Instrument spielt. Was aber alles notwendig sei, damit nur ein Orgelton erklingen könne, habe ihn verblüfft. Wie Mechanik, Elektronik, Züge und Pfeifen, Luft, Holz, Metall, Kunststoff und natürlich auch die Kunst des Organisten zusammenwirken müssen, bevor Klang Wirklichkeit werden kann.



Wie wohl die meisten kannte der Fotograf Orgeln nur von ihrer Schauseite her, dem Prospekt, der Pfeifen-Front, die sich mit Gehäuse und Spieltisch dem Kirchen- oder Konzertbesucher zuwenden. Doch der Kosmos dahinter, das verborgene Labyrinth der Handwerkskunst im Inneren, war unbekanntes Land. Claus hat es mit seiner Kamera erkundet, sich über Monate regelrecht „in einen Rausch“ hinein fotografiert. Immer wieder in der Enge der Orgel „auf Maul und Nase liegend“ nach neuen Blickwinkeln gefahndet. Und lernte dabei auch ganz neue Glücksmomente kennen. Als er gerade im Inneren des Instrumentes fotografierte, und dann die Orgel erstmals wieder gespielt wurde. „Mit zu verfolgen wie in Sekundenbruchteilen, erst die Mechanik loslegt, die Luft kommt und schließlich die Töne erklingen, phänomenal.“ Der Fotograf war hin und weg, und ist es nun auch, wenn etwa Meisterorganist Christian von Blohn spielt. Oder die erfrischte Orgel, gerade zu Weihnachten, mit Orchester und Chören erklingt – ein Musikfest. Ihn habe, sagt Claus, die dokumentarische Begleitung der Arbeiten auch gelehrt, die Orgel neu zu hören, sozusagen die Details der Klänge zu verstehen. Rund 60 Aufnahmen, nur eine kleine Auswahl dessen, was über knapp ein Jahr hinweg entstand, sind jetzt in der Schlosskirche zu sehen – als Dokument, als künstlerische Wegbegleitung und vielleicht ja auch als eine Art Schule des Sehens zum kundigeren Hören.

Die Ausstellung mit den Fotografien von Albèrt Claus in der Schlosskirche Blieskastel ist noch bis einschließlich 6. Januar zu sehen. Die Kirche ist jeweils von zehn Uhr morgens bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet.