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Mandelbachtal
Von Pestiziden und dem großen Sterben

 Auf unserem Bild (von links): Ortsvorsteherin Maria Vermeulen, die Musiker Berthold Hemmen und Margarethe Preiß, Manfred Pfeiffer, Verkehrsverein, Karl Rudi Reiter, Nabu, und Bürgermeister Gerd Tussing.
Auf unserem Bild (von links): Ortsvorsteherin Maria Vermeulen, die Musiker Berthold Hemmen und Margarethe Preiß, Manfred Pfeiffer, Verkehrsverein, Karl Rudi Reiter, Nabu, und Bürgermeister Gerd Tussing. FOTO: Nicole Weinrank
Ormesheim. Beeindruckende Ausstellung mit großformatigen Info-Tafeln im Ormesheimer Rathaus. red

Mit dem Lied „Würd‘ ich heut noch einmal loszieh‘n blieb mein Schuhkarton wohl leer. Es gibt keine Maikäfer mehr“ (Reinhard Mey) begrüßte zur Eröffnung Berthold Hemmen musikalisch am Piano die Besucher der Ausstellung „Irrweg Pestizide“, die derzeit im Rathaus Mandelbachtal in Ormesheim zu sehen ist. Zusammen mit Sängerin Margarete Preiß umrahmte der Ommersheimer Künstler die Veranstaltung und traf mit seinen Liedern gleich den richtigen Ton. „Für unsere einheimischen Sing- und Zugvögel ist das voranschreitende Insektensterben die größte Bedrohung“, so der Vorsitzende des Verkehrsvereins Mandelbachtal, Manfred Pfeiffer, in seiner Begrüßung: „Wissenschaftler haben festgestellt, dass auch der Vogelbestand in Deutschland in den vergangenen zwei Jahrhunderten um 80 Prozent zurückgegangen ist.“ Von ehemals 268 heimischen Brutvogelarten seien zehn Arten bereits ausgestorben, weitere 30 vom Aussterben bedroht. Schon mehr als die Hälfte der heimischen Vogelarten nehme im Bestand ab. Angesichts solcher Zahlen sei es auch für die Gemeinde wichtig, mit einer Ausstellung zum Thema Pestizide auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die von der modernen Schädlingsbekämpfung ausgingen, ergänzte Bürgermeister Gerd Tussing. „Ich bin deshalb sehr dankbar, dass der Verkehrsverein die Ausstellung vom NABU Brandenburg nach Mandelbachtal geholt hat.“ „Mandelbachtal ist die erste Gemeinde überhaupt, die diese bundesweit vielbeachtete Ausstellung in ihrem Rathaus zeigt“, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende des Nabu Saar, Karl Rudi Reiter: „Denn das fortschreitende Artensterben bedroht inzwischen auch die Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen, von denen Landwirtschaft und Ernährung abhängen, und bringt damit unsere Ernährung in Gefahr.“

Die Bedrohung gehe von Insektiziden aus, so Rudi Reiter. Chemische Pflanzenschutzmittel und Schädlingsbekämpfungsmittel umfassten auch die Herbizide (gegen Unkräuter), Rodentizide (gegen Nager), Fungizide (Pilze), Molluskizide (Weichtiere), Akarizide (Milben), Aphizide (Blattläuse), Avizide (Vögel), Nematozide (Nematoden), Wildschutzmittel, Ovizide (Eier), Larvizide (Larven), Bakterizide (Bakterien) und Viruzide (Viren). Der Einsatz dieser Mittel führe ebenfalls zum Artenrückgang.

In der Ausstellung, die im Mandelbachtaler Rathaus noch bis einschließlich Freitag, 28. Juni, zu sehen ist, werden auf großformatigen Tafeln die Folgen der Pestizid-Anwendung beschrieben. Zudem werden die Zusammenhänge aufgezeigt, die einen Wandel so schwer machen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist auch die Darstellung von Alternativen, die in zehn Strategien des ökologischen Landbaus beschrieben sind.



Die Ausstellung kann man sich anschauen während der Öffnungszeiten des Rathauses. Der Eintritt ist kostenlos.