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Poetry-Slam-Workshop
Auf der Bühne kann’s ganz schön wild zugehen

Bei einem Poetry-Slam darf es auch mal laut und wild werden, wie hier beim Finale der Deutschen Meisterschaft der Dichter auf offener Bühne, bei der die Poeten gefeiert und unterstützt wurden.
Bei einem Poetry-Slam darf es auch mal laut und wild werden, wie hier beim Finale der Deutschen Meisterschaft der Dichter auf offener Bühne, bei der die Poeten gefeiert und unterstützt wurden. FOTO: picture alliance / dpa / Jonas Güttler
Gersheim. Noah Klaus bietet zurzeit in Spohns Haus einen Poetry Slam-Workshop an. Er wird auch Eigenes vortragen.

„Eine gewisse Rotzigkeit erlaubt man den Jugendlichen“, meint Noah Klaus. Er ist Poetry-Slammer und das kann man mit einer Art Poesie-Wettstreit umschreiben. Ein Wettbewerb, bei dem es um das Leben der jungen Generation, um Zwischenmenschliches und oft um Kritisches geht. An diesem Wochenende hält er einen Workshop in Spohns Haus. „Mach den Mund auf“, ist der Titel der Veranstaltung, die die Protestantische Jugendzentrale Homburg, der Saarpfalz-Kreis, die Stadtjugendpflege Blieskastel in Zusammenarbeit mit dem Adolf-Bender-Zentrum St. Wendel seit Freitag bis Sonntagabend veranstalten. Das Ganze findet im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie Leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend statt.

Glaubt man dem Untertitel seiner Facebook-Seite, so ist er „der Kapitän auf der Dampferfahrt der guten Laune“. Der Bonner mit Wohnsitz Berlin ist eine feste Größe in der deutschen Poetry-Slam-Szene. Das hört er nicht ganz so gerne, sagt er im Interview mit unserer Zeitung. „Ich bin eher der B-Promi“, kommentiert er diese Einschätzung. Er kennt Fabian Müller vom Adolf-Bender-Zentrum schon von früher. So war es naheliegend, als das Thema angedacht war, Noah Klaus miteinzubeziehen. „Das Prinzip des Poetry-Slam ist kein Zauberwerk, obwohl es anders ist als Schriftliteratur“, fasst der Künstler das Ganze zusammen.

Einen Einblick in das Format sollen die Teilnehmer vor allem durch Schreib- und Performance-Übungen bekommen. Dabei gilt es zunächst, die Hemmungen zu verlieren. Neben der Arbeit an den Texten ist man auch alleine am Arbeiten. Noah Klaus hat aber auch Hilfsmittel, wenn man beispielsweise mal eine Schreibblockade hat. Für Noah Klaus steht kein spezielles Thema im Vordergrund. Seiner Erfahrung nach sind Jungs meist recht Rap-affin. Schule und Politik werden vermutlich eine Rolle spielen. „Ich sehe mich nicht als politischen Pragmatiker“, meint der Student. Er will das Politische viel mehr öffentlich und die demokratischen Grundlagen spielbar machen.



Die Zeit ist knapp bemessen: Fünf Minuten haben die Jugendlichen um ihren Vortrag am Ende zu performen. Das wird am Sonntagabend um 18 Uhr im Foyer der Blieskasteler Bliesgaufesthalle passieren. Dann wird man bestimmt das Talent, welches es noch zu formen gilt, bei etwa 15-Jährigen leuchten sehen können, hofft Klaus, der dann auch Eigenes vortragen wird.

Und wie kam er überhaupt zum Poetry-Slam? Er war auf der Oberstufe auf einem Bonner Gymnasium, als ein Freund ihn mit nach Köln nahm. Noah Klaus rutschte in die Szene rein. „Es war am 22. April 2012“, erinnert sich der Mann, der Kulturwissenschaft und Französisch studiert, noch genau. Wohin bei ihm selbst die Reise gehen wird, kann er noch gar nicht genau sagen. „Ich habe kein abendfüllendes Programm“, gesteht der 24-Jährige. Poetry-Slam, das kann ein Sprungbrett für vieles sein, so Klaus. Um davon auch leben zu können, muss man etwas Weiteres machen. Viele sind deshalb noch Comedian oder machen Kabarett. Andere versuchen sich als Autor.

Für Noah Klaus ist es das erste Mal, dass er im Saarland ist. Sieht man einmal von einer Durchreise nach Frankreich ab. Er glaubt, dass die Teilnehmer eine andere Einstellung zu ihrer Region haben könnten. Mit Sicherheit werden die Themen auch andere sein, als in der Großstadt. „Ich bin gespannt“, meinte der Poetry-Slammer abschließend.