| 20:21 Uhr

Baum ist gefällt
Die alte Eiche ging rasch in die Knie

 Am Donnerstagmorgen rückte ein Landschaftsbau-Unternehmen an und entfernte mit vier Mann in wenigen Stunden die alte umstrittene Eiche in der Ortsmitte. Vorfälle gab es diesmal keine, die Sache ging bis zum frühen Nachmittag reibungslos vonstatten.
Am Donnerstagmorgen rückte ein Landschaftsbau-Unternehmen an und entfernte mit vier Mann in wenigen Stunden die alte umstrittene Eiche in der Ortsmitte. Vorfälle gab es diesmal keine, die Sache ging bis zum frühen Nachmittag reibungslos vonstatten. FOTO: Michèle Hartmann
Wolfersheim. Der Baum, der in Wolfersheim über Monate für Diskussionen gesorgt hatte, ist gefällt. Von Michèle Hartmann

Morgens, kurz vor acht, war die Welt noch in Ordnung. Jedenfalls für eine Frau, die Ende November vergangenen Jahres noch in eisernen Ketten lag. Konkret: sich an eine alte Eiche gebunden hatte. Weil der Baum weichen sollte auf einem Privatgrundstück in der Wolfharistraße. Auf dem Gebiet der Stadt Blieskastel darf bekanntermaßen jeder mit seinen eigenen Gewächsen tun und lassen was er will. Es gibt keine städtische Baumschutzsatzung, und sie ist offenbar mehrheitlich auch nicht erwünscht. Und so kam das, was seit Wochen schon erwartet wurde: Das Landschaftsbau-Unternehmen Schmitt rückte an mitsamt Chef und vier weiteren Männern, die unverzüglich zu Werke gingen. Ein Mitarbeiter war hoch droben mit der Kettensäge vorerst im Geäst zugange, auch ein leistungsstarker Häcksler kam zum Einsatz. Von den am Boden arbeitenden Männern wurde dieser unaufhaltsam gefüttert mit den Ästen und Zweigen, die gezielt nach unten flogen.

Da stand sie nun, die „Kettenfrau“ Gaby Klees auf der anderen Straßenseite. Die einsame Rebellin schaute zu, wie die Eiche Stück für Stück zerlegt wurde. Ihr Protest im Spätherbst 2019, so erzählt sie unserer Zeitung, habe sie stramme 1500 Euro gekostet. Denn das Unternehmen, das damals aufgrund ihrer Freiluft-Aktion wieder abrücken musste, habe ihr den entgangenen Auftrag in Rechnung gestellt, hinzu gesellte sich die Forderung eines in der Sache tätigen Anwalts, und schon war der vierstellige Betrag beisammen. Die 66-Jährige beschränkte beim neuerlichen Termin ihren Protest auf das zeitweilige Aufeinanderschlagen zweier Becken – wuchtige Metall-Klangteller, die sogar Häcksler und Kettensäge übertönten. Noch in der Nacht zuvor hatte sie unserer Zeitung eine flammende Mail geschrieben. Darin bedauerte sie unendlich das Fällen der „wunderschönen, strotzgesunden, sturmstandhaften Dorfeiche“.

Viele Leute in Wolfersheim haben ganz andere Ansichten, wie auch zahlreiche Anrufe bei unserer Zeitung zeigten. Einige von ihnen, allesamt Frauen und ein junges Mädchen, waren am Donnerstagmorgen auch vor Ort, um das Beseitigen des Baumes zu beobachten. Man erfährt, dass das Verschwinden des stolzen Gewächses schon einerseits bedauert wird, doch viel mehr stehen die Schäden im Vordergrund, die der Baum anzurichten in der Lage sei. Eine Dame wundert sich, dass Gaby Klees – vor acht Jahren nach Wolfersheim gezogen – allein im Regen steht. Unterstützung? Hat sie hier in der Öffentlichkeit nicht.



Wir haben auch geredet mit Gottfried Schmitt, Chef des hier tätigen Landschaftsbaubetriebes mit Sitz in Ommersheim. Er schätzt grob, dass bei der Eiche zehn Kubikmeter gehäckseltes Holz anfallen. Das gehe an ein Heizkraftwerk. Der Hauptstamm werde an einen Schreiner geliefert und der Rest diene als Brennholz. Beides zusammen seien auch wieder zehn Kubikmeter Holz. Ein schlechtes Gewissen, hier einen Baum zu entfernen, das habe er nicht, sagt Unternehmenschef Schmitt und lächelt. Denn im öffentlichen Auftrag, also für Kommunen sowie für den Landesbetrieb für Straßenbau, habe er schon rund 4000 bis 5000 Bäume angepflanzt. Seine „Ökobilanz“ könne sich also sehen lassen.

Im Übrigen sei es heutzutage nicht mehr die übliche Vorgehensweise, Bäume stark zurückzuschneiden. Das sei lediglich „ein Tod auf Raten“. Was mit dem nötigen Pflegeschnitt an manchen Gehölzen nicht zu verwechseln ist.

Nach etwa einer halben Stunde ist alles gesagt und am frühen Nachmittag die Eiche nur noch Geschichte. Sie hat die Dorfgemeinschaft gespalten, wie man von vielen Seiten hört. Und nun ist Ruhe.