| 20:14 Uhr

Festival Euroclassic in Blieskastel
Mundgemachte Musik vom Feinsten

 „Anders“ aus Freiburg waren stimmlich top, zeigten aber auch, wie „beweglich“ sie als Boyband wären.
„Anders“ aus Freiburg waren stimmlich top, zeigten aber auch, wie „beweglich“ sie als Boyband wären. FOTO: Cornelia Jung
Blieskastel. Bei der 14. „A-cappella-Nacht“ in Blieskastel sorgten 13 Stimmen für Mega-Stimmung in der Bliesgau-Festhalle. Von Cornelia Jung

Freiburg, Wien, Hamburg und London – was haben diese vier Städte gemeinsam? Fantastische Musiker, die nur ihre Stimme brauchen, um das Publikum zu begeistern. Sie kamen zur „A-cappella- Nacht“ in die Bliesgau-Festhalle, um ihr Publikum so weit zu bringen, dass dieses ganz aus dem Häuschen war.

„So viel Stimme war nie“ hieß das Motto des Feiertag-Abends, denn bei der 14. Veranstaltung dieser Art waren nun vier statt drei Programmpunkte am Start. Für solch ein Ereignis war die Halle rappelvoll, der Vorverkauf verlief rasant.

„Man denkt immer, man hat schon alles gesehen“, sagte Moderator Peter Martin Jacob zu Beginn, „aber wenn man so frisch und selbstironisch daherkommt wie die fünf Jungs aus Freiburg, da kann man schon mit Fug und Recht behaupten, dass sie anders sind.“



Und der Bandname „Anders“ war tatsächlich Programm. Die Fünf mit dem ansteckenden Humor und den wunderbaren Stimmen seien anders, weil sie so unterschiedlich sind, vor allem diverse Geschmäcker haben – auch bei Frauen. Wolle man dieser ein Lied widmen, würde es schwierig, denn man müsse sich erstmal einigen, wie diese aussehen müsste. „Sie muss auf Jungs stehen, die singen“, so die Freiburger. Sie konnten nicht nur ihre Stimmen zum Singen gebrauchen, sondern ersetzten damit eine Beat-Box, ein ganzes Percussion-Set. Ihre Texte schreiben sie selbst, sie haben Humor und nehmen sich selbst auf den Arm.

Allein die Nummer mit der (nicht vorhandenen Fernbedienung), bei der sie stimmlich zwischen den Erkennungsmelodien von Tatort, Pretty Woman, Werbung für Bergsteiger-Müsli und Fußballreportage hin und her switchten, das war köstlich und viel zu kurz. Ihre CDs gingen in der Pause weg wie geschnitten Brot. „Wenn ihr nicht so weit weg wärt, würd‘ ich überall hinkommen, wo ihr gerade singt“, sagte eine Besucherin zu den Jungs aus dem Breisgau. Mehr Lob geht kaum.

Ganz andere Akzente setzte Albin Paulus mit einer Stimme, die Obertöne genau so akkurat auf den Punkt brachte wie die eingeflochtenen Jodler. „Sie müssen das eigentlich gar nicht verstehen, denn das ist ein Lied, das nicht für Sie bestimmt ist, sondern für Tiere – es ist ein Viehlockruf“, erläuterte er. Aber ebenso Kunst, es so darzubieten, dass auch Zweibeiner ihre Freude dran haben.

Mit der Maultrommel könne er aber genauso „Lockbotschaften“ ans Publikum senden, was er dann auch tat. „Der hat Spaß“, sagte eine Besucherin über den Österreicher, der mit Stimmbändern, Zunge, Zähnen, Fingern, einem Blumentopf und Löffeln alles gab. Selbst schottische Küchenmusik kriegte er mit seiner Mund-Kunst hin.

Szenenwechsel: Die drei „durchgeknallten Typen und ein Vamp“ von „LaLeLu“ starteten mit der Ballermann-Oper „Der Bierkönig“. Dabei verpackten die Hamburger Ballermann-Hits in ein klassisches Gewand und wunderten sich bei den Mallorca-Hits: „Was sind denn das für Texte?“ Nicht wundern, nur hören. Denn diese Veranstaltung, bei der alles „mundgemacht“ war, hatte eine Bandbreite, die erstaunte und faszinierte. Die Besucher hingen an den Lippen (nicht nur) der Hamburger.

Als letzter Act kamen „We3“ auf die Bühne, drei Männer aus London, „über die wir froh sein können, dass wir sie noch vor dem Brexit nach Blieskastel gekriegt haben“. Einer von ihnen gab das „Drumset“. Andy zeigte mit seiner Stimme, wie man der Bitte der Eltern, kein Drumkit anzuschaffen, nachkommen und trotzdem seinen Kopf durchsetzen kann. Die drei performten Rock und Pop vom Feinsten und als „All night long“ erklang, wünschten sich wohl alle Besucher, dass diese A- cappella-Nacht nie zu Ende gehen möge.