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Ein Ortsmittelpunkt mit einer interessanten Historie
Dieses ganz besondere Rondell in Aßweiler

 Die neue Vorsitzende Isabelle Ziehl und der Ehrenvorsitzende des OGV Aßweiler Karlheinz Kunkler ( 2. und 3. von links), freuen sich, dass auch der Jugend der üppige Blumenschmuck im Ort gefällt.
Die neue Vorsitzende Isabelle Ziehl und der Ehrenvorsitzende des OGV Aßweiler Karlheinz Kunkler ( 2. und 3. von links), freuen sich, dass auch der Jugend der üppige Blumenschmuck im Ort gefällt. FOTO: Hans Hurth
Aßweiler. Von Hans Hurth

Der Obst- und Gartenbauverein (OGV) sowie das Rondell, um das fast jeder Autofahrer schon mal fuhr, gehören fest zu Aßweiler. Sein 120-jähriges Bestehen feierte kürzlich der OGV Aßweiler. Überall im Ort erfreuen sich Einheimische und Besucher an der auffälligen bunten Blütenpracht, für deren Anpflanzung und Pflege der OGV seit Jahrzehnten sorgt.

So wie Siegfried Hautz aus Ballweiler kommen viele Leute auch gerne zu den Festen der Gartenbauer, so am Wochenende zum beliebten Rondell-Fest. Seit 80 Jahren spielt nämlich das runde Ding mit dem Lindenbaum in der Mitte als Verkehrsknotenpunkt eine große Rolle, was auch im Gemeindewappen mit zwei gekreuzten Balken symbolisiert wird.

„Zu Zeiten, als noch die Postkutsche fuhr und die Straßen von den Einwohnern überwiegend mit Handwagen und Pferdefuhrwerken benutzt wurden, war der Einmündungsbereich in der Ortsmitte als Verkehrsfläche völlig ausreichend“, blickte im Gespräch mit unserer Zeitung Horst Witte vom Arbeitskreis (AK) Heimatgeschichte zurück. „Die Motorisierung und der stärker werdende Straßenverkehr brachten Staus und stockenden Verkehr, zudem gab es 1932 einen tragischen Verkehrsunfall mit dem Tod eines 19-jährigen Radfahrers. Ein Grund für den Gemeinderat, nach einer Entschärfung der Situation am Gasthaus Wack, heute Gasthaus Schuwer, zu suchen“, erklärt Horst Witte. Dies hätte wohl noch gedauert, wäre nicht eine Änderung der politischen Situation in den 30er Jahren eingetreten. Die Rückgliederung des Saarlandes ins Deutsche Reich 1935 hatte Auswirkungen auf den Straßenbau, wobei die bevorstehenden Olympischen Spiele 1936 in Berlin die Entwicklung beschleunigten.



„Das Regime wollte den anreisenden Festbesuchern in Berlin ein perfektes Straßennetz präsentieren und ordnete an, alle Hauptstraßen von den Reichsgrenzen in Richtung Berlin umgehend in besten Zustand zu versetzen“, haben Horst Witte und seine Mitstreiter vom AK recherchiert. Die damalige Schnelligkeit der Ausführung beeindruckt: Der Runderlass vom Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen Todt datierte vom 18. Dezember 1935, bis zum 10. Januar 1936 waren die vorgesehenen Maßnahmen zu melden, am 15. April mussten die Arbeiten begonnen und zum 1. Juli 1936 beendet sein.

Aßweiler schaffte die fristgerechte Fertigstellung. „Aber ein Kreisverkehrsplatz im heutigen Sinne war das Rondell nie, es war ein Rundbeet mit Blumen, Grünanlage und fünf Linden, von denen eine bis heute noch steht. Als Haltestelle der Post- und Grubenbusse, an der Kerb oder der Hexennacht war das Rondell als Treffpunkt und Sammelplatz gefragt.

Die zentrale Lage Aßweilers nutzten Fahrgäste der Busse als Umsteigestation, rund um das Rondell verteilten sich die Haltestellen, so zählte man 1960 dort mehr als 100 Busse täglich. Bürger und Gemeinderat freuten sich, als 1967 ein Landwirt sich dazu entschloss, seinen mit Geruchsbelästigung vorhandenen Schweinestall neben dem Schuwer weiter weg zu verlegen und sein Grundstück dann für den Bau eines Busbahnhofs zur Verfügung zu stellen. Dieser konnte – mit sieben Haltestellen – 1969 offiziell in Betrieb genommen werden. Das Rondell wurde erstmals 1970 umgebaut, die Dorfmitte 2007/2008 neu gestaltet, ebenso das Rondell zu seiner heutigen Form.