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Reisebüros und Großveranstaltungen
Corona soll den Urlaub nicht verderben

 Eigentlich sollte jetzt die Vorfreude auf den kommenden Urlaub beginnen, doch nicht nur die große Tourismesse ITB in Berlin ist abgesagt, auch die Saar-Lor-Lux Tourismusbörse wurde wegen Ansteckungsgefahr gestrichen. Die Stornierungen halten sich in Grenzen, es wird noch abgewartet.
Eigentlich sollte jetzt die Vorfreude auf den kommenden Urlaub beginnen, doch nicht nur die große Tourismesse ITB in Berlin ist abgesagt, auch die Saar-Lor-Lux Tourismusbörse wurde wegen Ansteckungsgefahr gestrichen. Die Stornierungen halten sich in Grenzen, es wird noch abgewartet. FOTO: Christine Maack
Homburg. Die Menschen hoffen auf den Frühling und auf einen Rückgang der Virus-Infektionen. Deshalb werden die meisten Urlaube bisher noch nicht storniert. Die Reiseveranstalter zeigen sich flexibel. Von Christine Maack

Erst wurde die Saar-Lor-Lux Tourismusbörse in St. Ingbert abgesagt, dann platzte am Donnerstag auch noch die Meldung herein, dass „aufgrund der zunehmenden Zahl von Infektionen durch das Coronavirus“ am Sonntag, 8. März, das geplante Karrierefrühstück mit der Finanzexpertin Birgit Wetjen im Homburger Forum ausfällt.

Es ist damit die zweite Veranstaltung im Saarpfalz-Kreis, die im Rahmen von Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen von Seiten der Veranstalter abgesagt wird. „Auch wenn das Karrierefrühstück mit etwa 200 Teilnehmerinnen im Vergleich zur Tourismusbörse eine relativ kleine Veranstaltung ist, möchten wir zum Schutz der Bevölkerung das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus zum aktuellen Zeitpunkt minimieren“, bittet Landrat Theophil Gallo um Verständnis.

„Es geht auch darum, mit allen möglichen Mitteln die weitere Ausbreitung zumindest zu verlangsamen“, so der Landrat weiter. Die Frauenbeauftragte des Saarpfalz-Kreises, Birgit Rudolf, ergänzt: „Aufgrund der großen Resonanz werden wir die Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt erneut anbieten, wenn sich die Situation entschärft hat.“



In den Homburger Reisebüros häufen sich die Stornierungen für Fernreisen nach Asien. Erst sei Australien völlig aus dem Programm herausgefallen wegen der Brände, jetzt folgt Ostasien. Allerdings, so sagt Dirk Hoffmann vom Homburger Reisebüro Sonnenklar, seien diese Destinationen ohnehin nur von einer Minderheit nachgefragt worden und sind kein Schlag ins Kontor. Was hingegen den Familienurlaub am Meer angehe, also den „Klassiker“, da habe es noch keine besorgniserregende Stornierungswelle gegeben: „Die Leute warten ab und hoffen, dass die Krankheit im Frühjahr abklingen wird. Außerdem haben viele Kunden auf den Urlaub hingespart und freuen sich darauf. Das betrifft vor allem die Kreuzfahrten.“ Hier habe es sofort Umroutungen gegeben, also Strecken in Risiko-Gebiete wurden von den Reedereien durch andere Destinationen ersetzt.

Auch die Veranstalter hätten flexibel reagiert: Wer zwischen dem 1. März und 30. April bucht, darf die Reise bis zu 14 Tage vorher absagen, ohne dass Stornierungskosten anfallen, „diese Maßnahme hat dafür gesorgt, dass wir bisher keine richtigen Einbrüche im Reisegeschäft hatten, denn die Leute wollen einerseits gerne in Urlaub fahren, wollen andererseits aber auch noch abwarten, wie sich alles entwickelt.“

Getroffen mit Stornierungen hat es hauptsächlich Reiseanbieter, die sich bei Senioren besonderer Beliebtheit erfreuen, zum Beispiel Bus- und Bildungsreisen. Zum einen, weil der Erreger besonders für ältere Leute gefährlich ist, zum anderen, weil Rentner flexibel sind und eine Reise problemlos verschieben können.

Die Saison der beliebten italienischen Ziele wie Gardasee, Toskana, Ligurien und Lago Maggiore beginnt erst um die Osterzeit, also in vier Wochen. Und so warten die meisten Kunden noch ein bisschen ab, denn sie hoffen, dass sich bis dahin das Virus deutlich abgeschwächt haben könnte. Allerdings könnte natürlich auch das Gegenteil der Fall sein.

Kein Wunder, dass das Reisebüro im Talzentrum in diesen Tagen Reklame macht für eine Woche Schwarzwald, das Dahner Felsenland oder den Hunsrück. Noch vor einigen Wochen waren es Bali, Singapur und der Robinson-Club. Offensichtlich fühlen sich die meisten Saarpfälzer derzeit in der unmittelbaren Heimat noch am sichersten, auch wenn es jetzt einen Verdachtsfall in Bexbach geben soll. „Bei den neuen Angeboten der Saarpfalz-Touristik ist das Interesse unvermindert groß“, betont Wolfgang Henn, „wir sind mit dem Biosphärenreservat ja nur eine winzige Destination. Dass man sich bei der Orchideenwanderung oder bei einer Alpaka-Wanderung ansteckt, sehen die Kunden als eher unwahrscheinlich an. Also haben wir hier erst mal keine Einbußen.“

Irgendwann wird Corona überstanden sein. Wolfgang Henn, der die Tourismus-Börse abschreiben muss, sagte ganz spontan und ohne Corona-Gedanken: „Und dann kommt Anfang Mai ja schon die Bexbacher Camping“. Genau! Die alljährlich wiederkehrenden Rituale sind es, die uns die Zuversicht geben, dass jede Plage ein Ende hat.