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Weltfrauentag
Am 8. März geht’s um die Frauen

 Oft wird angeprangert, dass Frauen weniger verdienen als Männer. Das liegt aber nicht nur an den Arbeitgebern, sondern daran, dass Frauen oft in Service-Berufe gehen, die nicht gut bezahlt werden und in denen sie auch halbtags oder in Minijobs tätig sind. Das wirkt sich auf die spätere Rente natürlich fatal aus.
Oft wird angeprangert, dass Frauen weniger verdienen als Männer. Das liegt aber nicht nur an den Arbeitgebern, sondern daran, dass Frauen oft in Service-Berufe gehen, die nicht gut bezahlt werden und in denen sie auch halbtags oder in Minijobs tätig sind. Das wirkt sich auf die spätere Rente natürlich fatal aus. FOTO: dpa-tmn / Andrea Warnecke
Homburg. Das Corona-Virus macht keine Geschlechtsunterschiede, deshalb fallen einige Frauen-Veranstaltungen im Kreis aus. Dennoch: der 8. März erinnert an die Rechte der Frauen.

Am Sonntag, 8. März, ist Weltfrauentag. Er wird überschattet vom Corona-Virus, das keine Geschlechterunterschiede vornimmt und Frauen und Männer gleichermaßen befällt. Deshalb wurde das Frauen-Karrierefrühstück im großen Sitzungssaal des Rathauses abgesagt, was natürlich ärgerlich ist, denn der Tag war mit viel Engagement vorbereitet worden und fällt nun ziemlich kurzfristig ins Wasser. Nun werden wir Frauen also so bald nicht erfahren, was wir mit unserem Geld machen sollen.

In Urlaub fahren geht auch nicht, denn nicht nur die Saar-Lor-Lux-Tourismusbörse ist abgesagt worden, sondern auch die riesengroße Schwester in Berlin, die ITB. Doch zurück zu den Frauen und zum 8. März, der immer auch für politische Stellungnahmen dient. Das Thema ist in diesem Jahr „Care“. Zu diesem Thema informieren die Frauen Bündnis 90/ Grüne Homburg, wie Katrin Lauer, im Namen der Vorstandsfrauen des Stadtverbandes Grüne Homburg mitteilt.

Der Infostand mit Aktionen ist am Samstag, 7. März, Christian-Weber-Platz, 9.30 bis 13.30 Uhr in Homburg zu finden. „Den diesjährigen internationalen Frauentag wollen wir ganz unter das Thema Care- und Pflegeberufe stellen. Denn die oftmals prekären Arbeitsbedingungen treffen vor allem Frauen: Sie stellen bis zu 80 Prozent der Beschäftigten in haushaltsnahen Dienstleistungen, Gesundheit, Pflege und Erziehung. Sie sind das Rückgrat unserer Gesellschaft und leiden trotzdem oft unter hoher Belastung, niedrigen Löhnen und geringer Wertschätzung. Das wollen wir ändern. Gemeinsam wollen wir uns für mehr Anerkennung, eine gerechte Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen in Care-Berufen einsetzen und Aufmerksamkeit auf dieses wichtige Thema lenken“, heißt es in der Mitteilung weiter.



Die Grünen setzten sich in Homburg dafür ein, „dass soziale Berufe endlich den Stellenwert bekommen, den sie verdienen.“

 Nicht nur in der Pflege, auch im Bereich des Gaststättengewerbes trifft man viele Fauen an, die hier von ihrem Lohn nicht leben können. Deshalb hat sich die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zum Internationalen Frauentag am 8. März dieses Themas angenommen. Die NGG beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Danach liegt das durchschnittliche Vollzeit-Einkommen von Frauen im Saarpfalz-Kreis aktuell bei 3105 Euro im Monat – Männer mit der gleichen Arbeitszeit kommen auf 3798 Euro. Das macht einen Unterschied von 18 Prozent.

„Es kann nicht sein, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt noch immer so stark benachteiligt sind. Viele Unternehmen in der Region nutzen das Lohngefälle aus, obwohl sie mehr zahlen müssten“, kritisiert Mark Baumeister von der NGG-Region Saar. Besonders problematisch sei die Situation in frauendominierten Berufen – etwa im Service einer Gaststätte oder im Verkauf einer Bäckerei. Wenn hier nicht nach Tarif gezahlt werde, träfen niedrige Löhne häufig auf Teilzeitjobs und befristete Stellen. „Die Folge sind geringe Einkommen und im Alter Mini-Renten, die Frauen dann beim Amt aufstocken müssen“, so Baumeister.

Das Problem sei, dass Frauen aus familiären Gründen oft auf Teilzeitstellen und Minijobs auswichen, denn in diesem schlecht bezahlten Sektor arbeiteten mehr Frauen als Männer, sagt der NGG-Geschäftsführer. Das zeige sich gerade im Gastgewerbe: Nach Angaben der Arbeitsagentur werden im Kreis aktuell 63 Prozent aller Teilzeit- und Minijobs in der Branche von Frauen erledigt.

„Hinzu kommt, dass noch immer zu viele Frauen zu Hause bleiben – nicht zuletzt auch, weil das Ehegatten-Splitting bei der Steuer die Rollenteilung verstärkt“, so Baumeister. Die NGG fordert die Unternehmen auf, die unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern in vergleichbaren Positionen zu beenden. „Statt immer neuer Lippenbekenntnisse zum Frauentag brauchen wir einen gesetzlichen Anspruch auf gleiches Geld für gleichwertige Arbeit, der Wirkung zeigt und in den Betrieben zwingend umgesetzt werden muss“, so Baumeister.

Auch die Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauenbeauftragten hat sich zum 8. März geäußert: Die durchschnittliche Altersrente betrug 2017 im Saarland für Männer 1244,79 und für Frauen 531,62 Euro, heißt es in deren Bestandsaufnahme. Viele Frauen könnten von dem Geld, das sie monatlich erwirtschaften, nicht leben. Steigende Mieten sowie ein Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern bedeuteten insbesondere für Frauen gewaltige wirtschaftliche Risiken.

Hinzu kommen Teilzeit, Pflegezeiten, unbezahlte Erziehungszeiten und die als „frauentypisch“ eingestufte Hausarbeit. „Frauenarmut korreliert unmittelbar mit der Frage der gleichberechtigten Partnerschaft“, sagt Katharina Kunze, eine der Sprecherinnen der Landesarbeitsgemeinschaft: „Wenn Haushalt, Kinderbetreuung und sonstige Aufgaben des täglichen Miteinanders gerecht aufgeteilt werden, bleibt für beide Partner gleich viel Zeit für berufliche Entwicklung und den Aufbau eines soliden eigenen Budgets.“

(maa)