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Ausstellung
Warum das Ökosystem Pilze braucht

 Natürlich konnten sich die zahlreichen Besucher der Pilzausstellung der Pilzfreunde Saar-Pfalz in Bexbach auch über den wohl bekanntesten Pilz, den Steinpilz, informieren.
Natürlich konnten sich die zahlreichen Besucher der Pilzausstellung der Pilzfreunde Saar-Pfalz in Bexbach auch über den wohl bekanntesten Pilz, den Steinpilz, informieren. FOTO: Thorsten Wolf
Bexbach. Das demonstrierten die Pilzfreunde Saarpfalz im evangelischen  Gemeindehaus Bexbach an über 200 gesammelten Pilz-Arten.  Von Thorsten Wolf

Fragt man Otto Normalverbraucher nach den Pilzen, die er kennt, dann kommt als Antwort in der Regel „Champignon, Steinpilz und Pfifferling“. Das mag nicht verwundern, gelten diese drei Arten doch im Allgemeinen als die am meisten verbreiteten und damit bekanntesten Pilze. Auf der „dunklen Seite der Macht“ wird dann oft noch der Fliegenpilz genannt.

Jenseits solcher inhaltlicher und sprachlicher Vereinfachungen sind Pilze aber ein faszierendes und schier endloses Feld von Überraschungen, Fehlinformationen und Fragen. Aufklärung lieferten hier die Pilzfreunde Saarpfalz am Wochenende im evangelischen Gemeindehaus in Bexbach. Das Team um den ersten Vereinsvorsitzenden Thomas Brandt hatte dort mit viel Liebe, Sorgfalt und natürlich großer Sachkenntnis wahre Pilzlandschaften erschaffen, über 200 Arten, wunderschön arrangiert und gesammelt in der vergangenen Woche.

Mit dieser Präsentation wurde dann auch schon mal bildhaft klar: Eine Pilzkrise gibt es in diesem Jahr nicht mehr, „die hat vor zwei Wochen aufgehört. Seit es so viel regnet, stehen die Wälder voller Pilze“, freute sich Thomas Brandt am Rande der Ausstellung im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch was ist ein Pilz eigentlich – wenn nicht nur schmackhaft oder giftig? Hier räumte Brandt schon mal ein bisschen mit sprachlicher Unschärfe auf, wenn es um den Pilz geht. Denn: Das, was man ernten kann, ist nicht der eigentliche Pilz, sondern der Fruchtkörper, der der Vermehrung dient. „Der Pilz ist eigentlich ein Geflecht im Boden“, erklärte Brandt. Dabei unterschied er solche, die in einer Lebensgemeinschaft mit Bäumen lebten, solche, die für das „Recycling“ all dessen verantwortlich seien, was auf dem und im Waldboden liege und Parasiten-Pilzen. „Und wenn die Bedingungen gut sind, dann entwickeln die Geflechte Fruchtkörper. Das ist das, was wir vom Pilz sehen, seine eigentliche Arbeit bleibt verborgen.“



Zwar sei er selbst über das Essen auf den Pilz gekommen, mit den Jahren habe sich sein Fokus aber verschoben, so Brandt. Heute gehe es ihm viel mehr um die Mykologie, die Wissenschaft von den Pilzen.

Was die Ausstellung am Samstag und Sonntag auch ausmachte, war die Möglichkeit, selbst gesammelte Pilze von Sachverständigen wie Thomas Brandt und anderen Vereinsmitgliedern begutachten zu lassen. Doch wie blickt man bei so vielen unterschiedlichen Pilzarten durch und gibt grünes oder rotes Licht? Brandts zwingend logische Antwort: „Ich gebe natürlich nur Arten zum Essen frei, die ich auch kenne und die ich zu 100 Prozent als Speisepilze erkannt habe.“

Mit der Ausstellung wolle man, wie Brandt klarmachte, vor allem auch zeigen, wie wichtig Pilze für das Ökosystem sind. „Unsere Welt wäre ohne Pilze gar nicht denkbar.“ Was Brandt auch wichtig war: Pilz-Sammler dazu anzuhalten, mit Bedacht und Augenmaß zu sammeln – immerhin würde man ja die für die Vermehrung nötigen Fruchtkörper sammeln. Und wenn es sich um einen eher seltenen Pilz handele, dann könne ein rigoroses Abernten negative Auswirkungen auf die Vermehrung haben. Und auch beim Ernten selbst sollte man nicht allzu grob vorgehen – nicht einfach rausreißen, sondern drehen und dann abnehmen. „Wenn man dann das entstandene Loch mit Erde wieder zumacht, dann passiert dem Pilz-Geflecht auch nichts.“ Schädlicher sei hingegen, wenn man auf dem Waldboden rumtrampele. Die so entstehende Verdichtung des Erdreichs schädige den Pilz.