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Bexbach
Barrierefreiheit geht alle an

 Steffen Brucker ist Behindertenbeauftragter in Bexbach.
Steffen Brucker ist Behindertenbeauftragter in Bexbach. FOTO: Jennifer Klein
Bexbach. Steffen Brucker setzt sich seit zwei Jahren ehrenamtlich als Behindertenbeauftragter für die Belange behinderter Menschen in Bexbach ein. Und es gibt einiges zu tun. Von Jennifer Klein

Wenn Steffen Brucker irgendwo unterwegs ist, achtet er schon fast automatisch auf Stolperfallen, fehlende Markierungen oder schlechte Beleuchtung. Seit zwei Jahren ist er als Behindertenbeauftragter in Bexbach tätig – ein Ehrenamt, das ihm viel bedeutet und dessen Anforderungen er ernst nimmt. „Je nachdem, was für ein Anliegen jemand hat, muss ich mich in die sich ständig ändernden Gesetze und Vorschriften einarbeiten“, erklärt Brucker. Gleiches gilt für seine Begleitung des Stadtumbaus, bei dem er die Belange der behinderten Menschen vertritt. Er nimmt an Sitzungen der Stadtverwaltung, des Stadtrates, des Bauausschusses oder Gesprächen mit Architekten und Ingenieuren teil.  „Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, insbesondere dem Bauamt ist sehr gut“, lobt er; Bauamtsleiter Thomas Schneider wie auch die Mitarbeiter Helmut Hary und Georg Zintel hätte immer ein offenes Ohr für seine Anliegen, sagt er und fügt verschmitzt lächelnd hinzu „auch wenn die schon wissen, wenn ich in der Tür stehe, gibt’s Arbeit“.

Barrierefreiheit geht alle an, findet Brucker: Rund 19 000 Bürger hat Bexbach, 4063 Bürger hätten einen Behinderungsgrad von 20 bis 100 Prozent ausgewiesen,  hat Brucker Zahlen parat, 1806 Bürger hätten einen von 50 bis 100 Prozent. Dabei umfasse das Schlagwort Barrierefreiheit ja nicht nur  bauliche Aspekte – obwohl dieser Bereich einen großen Teil in der konkreten Umsetzung ausmache – sondern sei vielmehr ein Grundthema, das eigentlich überall zum Tragen komme.

Und Nachholbedarf in Sachen Barrierefreiheit gibt es durchaus – den versucht Brucker systematisch anzugehen. So hat er zum Beispiel beim Stadtumbau dafür Sorge getragen, dass auch in der Rathausstraße und am Bahnhof Behindertenparkplätze ausgewiesen und entsprechend gestaltet wurden, ebenso am Volkshaus und an den Friedhöfen der Stadt. Oder auch dafür, dass in die Pläne für die Glanhalle oder das Bürgerzentrum in Frankenholz eine Schwerbehindertentoilette eingearbeitet wurde, mit Details wie  Schiebetür und Notruf.



 Die alten Pflastersteine (links) weisen breite und tiefe Fugen auf.
Die alten Pflastersteine (links) weisen breite und tiefe Fugen auf. FOTO: Jennifer Klein
 Steffen Brucker zeigt die neu ausgewiesenen Behinderten-Parkplätze am Bahnhof Bexbach.
Steffen Brucker zeigt die neu ausgewiesenen Behinderten-Parkplätze am Bahnhof Bexbach. FOTO: Jennifer Klein

„Gerade, wenn etwas neu gebaut wird, ist es ja erheblich einfacher, barrierefrei zu bauen, als wenn man ältere Gebäude nachrüsten muss“, erklärt er. Insofern sei die Stadtumgestaltung im Zuge des Programms „Aktive Stadt“ auch eine große Chance – „wenn alles fertig ist, und auch der Aufzug am Bahnhof gebaut ist, ist es möglich, barrierefrei vom Bahnhof durch die Innenstadt zu kommen“, erklärt er. Dabei geht es nicht nur um Erleichterungen für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer. So ist beispielsweise ein Konzept in Arbeit, damit Sehbehinderte mit einem entsprechenden Leitsystem durchs Stadtzentrum gelangen können. „Barrierefreiheit ist ja nicht nur für ältere oder behinderte Menschen, sondern bedeutet auch überlegte Gestaltung für die Allgemeinheit“, erklärt er. Gute Beleuchtung, klare Beschilderung,  gut begehbare Wege und  breite Zugänge kämen schließlich allen zugute.

Steffen Brucker kennt viele Probleme, vor denen behinderte Menschen im Alltag stehen, aus persönlicher Betroffenheit heraus. Daher überlegte er auch nicht lange, als er angesprochen wurde, ob er nicht das Amt des Behindertenbeauftragten übernehmen wolle. Wünschen würde er sich allenfalls, dass es manchmal schneller ginge, bis etwas passiert, Dinge umgesetzt werden – da ist oft ein langer Atem gefragt. „Ich war selbständig mit einem Maler- und Stuckateurbetrieb, da war es einfach an der Tagesordnung, die Arbeit schnellstmöglich zu erledigen“, meint er.  Entsprechend führt er auch ein „Tagebuch“, in dem er die verschiedenen Fälle dokumentiert.

Denn oft rufen ihn auch Menschen an und schildern konkrete Probleme – so berichtet er vom Fall eines älteren Mannes, der aus dem Blumengarten nicht mehr herausfand. Inzwischen wurden Ausgang-Schilder angebracht, die die Orientierung erleichtern.  Oder die Behindertentoilette am Aloys-Nesseler-Platz. Die musste wegen Vandalismus geschlossen werden, und ist nur noch zugänglich, wenn man vorher den Schlüssel im Bürgerbüro  holt. Zumindest am Markttag sollte die geöffnet sein, sagt Brucker.  Oder zugeparkte Wege zum Friedhof – da sorgen oft nur „Knöllchen“ vom Ordnungsamt zumindest kurzfristig für Abhilfe.

Es sei ihm „eine Herzenssache, jeden, der mich anruft, mit seinen Anliegen und seinen Problemen ernst zu nehmen“, erklärt er. So macht er auch Hausbesuche, redet mit den Menschen oder kommt vor Ort, um sich selbst ein Bild zu machen. Manchmal sind es kleine Dinge, wie rücksichtslos zugeparkte Gehwege, hochstehende Platten oder zu breite Fugen im Pflaster, in denen man mit dem Gehstock hängenbleibt, die behinderten Menschen den Alltag erschweren. Um sich einzufinden in die Bedürfnisse behinderter Menschen, war Steffen Brucker beispielsweise auch schon als „Testfahrer“ im Rollstuhl unterwegs.

Dass das Amt, das Steffen Brucker derzeit als Ehrenamt ausübt, ein recht zeit- und teils auch arbeitsintensives ist, wird im Gespräch schnell deutlich. Nun steht, nach zwei Jahren, eine Wiederwahl des Behindertenbeauftragten an – Brucker würdewieder zur Verfügung stehen, aber es wäre schon schön, meint er, wenn man denn mal mit der Stadtverwaltung darüber reden könnte, dass sein Engagement auch eine monetäre Anerkennung findet. Und noch eine Anregung hat er: Vereine könnten zum Beispiel an den Sportplätzen einige Plätze für Rollstuhlfahrer zugänglich machen. Das wäre mittels einer kleinen Rampe oft mit geringem baulichem Aufwand zu erreichen, regt er an.

Kontakt und Beratung: Steffen Brucker, Behindertenbeauftragter der Stadt Bexbach, Telefonnummer (0 68 26) 529-114, Sprechstunden im Rathaus alle zwei Monate donnerstags von 9.30 Uhr bis 11 Uhr oder nach Vereinbarung, per Tel. oder E-Mail steffenbrucker@t-online.de