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Winter School des schottischen National Piping Centre
Dudelsack-Klänge unter Palmen

 Die Winterschool des schottischen National Piping Center endete mit einem Abschlusskonzert in der Jugendherberge.
Die Winterschool des schottischen National Piping Center endete mit einem Abschlusskonzert in der Jugendherberge. FOTO: Sebastian Dingler
Homburg. Die Winter School des schottischen National Piping Centre gastierte zum achten Mal zu einem Workshop in Homburg. Beim Abschlusskonzert am Samstagabend platzte das Atrium der Jugendherberge aus allen Nähten. Von Sebastian Dingler

Johann Sebastian Bach hätte am Dudelsack höchstwahrscheinlich keine große Freude gehabt. Denn dieses Instrumente erlaubt keine Modulation durch diverse Tonarten, wie es der barocke Meister liebte. Grund: Die Bordunpfeifen, die aus dem Namen gebenden Sack herausragen, spielen für die Dauer jedes Stücks genau einen tiefen Grundton, maximal angereichert mit einer Quinte und einer Oktav - da bleibt nicht viel an harmonischer Abwechslung. Dennoch ist die Begeisterung für das Instrument auf dem aufsteigenden Ast, wie einmal mehr die Winter School des schottischen National Piping Centre zeigte. Zum achten Mal schon gastierte der Workshop in Homburg.

Beim Abschlusskonzert am Samstagabend platzte das Atrium der Jugendherberge aus allen Nähten. Die einzelnen Workshop-Gruppen zeigten da den 280 Zuschauern, was sie in dieser Woche erlernt hatten. Unter ihnen befanden sich auch echte Exoten: Drei Soldaten aus dem Oman übten sich da in der Kunst des Mace-Schwingens.

Das Mace ist ein Taktstock in Form eines verlängerten Zepters, das einerseits das richtige Tempo während eines Marsches angeben soll, andererseits aber auch artistisch herumgewirbelt werden kann. Auch das gehört zur schottischen Dudelsack- und Trommelkultur. Wie Salman Almuqimi erklärte, gäbe es Dudelsäcke auch in der Kapelle der königlichen Marine des Oman.



Er sei aber als  Drum Major hier, der von den Erfahrungen anderer Drum Majors profitieren wolle. Deren Aufgabe ist es, mit den Maces anzuzeigen, wann sich etwas beim Marschieren ändert, das Tempo oder die Richtung. Außerdem gab es Teilnehmer aus Deutschland, Schottland, Russland, Tschechien, Slowakei, Schweiz, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden.

Sieben Lehrer stammten aus Schottland, einer aus Nordirland. Beim Abschlusskonzert war überall die Begeisterung über das Zusammentreffen mit Gleichgesinnten spürbar. So auch bei Dietmar Fahrenwald und Heinz Aping, die aus Berlin angereist waren. Fahrenwald hatte mal beruflich mit dem britischen Militär zu tun, daher stammt seine Leidenschaft für den Dudelsack. Seit zehn Jahren übt er schon auf dem Instrument. Wichtig beim Spiel sei, konstant zu atmen und den Druck im Luftsack zu halten.

Aping verstieg sich sogar zur Aussage, den Dudelsack zu spielen sei weitaus schwieriger als ein Klavier. Da brauche es Kraft im Bauchfell sowie in den Lippen, man müsse jeden Tag üben. Da man das Instrument häufig im Gehen spiele, könne man auch nicht nach Noten spielen. Trotzdem sei Dudelsackspielen etwas so Tolles, dass man auch Kinder dafür begeistern können.

Tatsächlich war aus Schottland die 14-jährige Catriona Norman nach Homburg gekommen, die schon den Grad zwei besitzt, das ist der zweitbeste von fünf Qualitätsgraden. Sie meinte, es lohne sich einfach, Dudelsack zu spielen. Die Treffen und die Wettbewerbe gehörten zu den besten Erfahrungen ihres Lebens. Außerdem nahm mit Ross Ainslie als Lehrer ein echter Star der schottischen Folklore teil. Der 36-jährige spielt in seiner Heimat auch in einer Formation, die den Dudelsack mit dem lateinamerikanischen Salsa verbindet.

Beim Abschlusskonzert gab er eine Version des ACDC-Songs Thunderstruck zum besten. Das hatte er auch schon tags zuvor bei seinem Solokonzert getan. Als einziger Teilnehmer trug Ainslie Zivil - alle anderen kamen in Uniform oder im Schottenrock. Carsten Mörsch aus Homburg meinte: „Es ist für Homburg etwas Außergewöhnliches, das ist schon toll. Wir waren schon zum zweiten Mal beim Abschlusskonzert und gestern auch beim Konzert von Ross Ainslie. Man muss es aber schon mögen. Manchmal hat es auch etwas von Katzen, denen man auf den Schwanz tritt.“

Ulrike und Henry Servatius aus Niederwürzbach waren  begeistert: „Es war schön, wunderbar. Letztes Jahr und vor zwei Jahren waren wir auch schon hier. Die ganze Atmosphäre ist erlebenswert.“ Und Edmund Nomine aus Pinningen meinte: „Es war super. Ich höre diese Klänge ab und an auch zu Hause.“