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Lage in Saarbrücken eskaliert
Brandschützer in Saarbrücken melden sich massenhaft krank

 Der frühere Chef der Saarbrücker Berufsfeuerwehr, Josef Schun, soll nach einer Gerichtsentscheidung auf seinen Posten zurückkehren. Daraufhin meldeten sich in der Landeshauptstadt gestern 27 Einsatzkräfte krank.
Der frühere Chef der Saarbrücker Berufsfeuerwehr, Josef Schun, soll nach einer Gerichtsentscheidung auf seinen Posten zurückkehren. Daraufhin meldeten sich in der Landeshauptstadt gestern 27 Einsatzkräfte krank. FOTO: BeckerBredel / bub/fb
Saarbrücken. Nach zahlreichen Krankmeldungen müssen Freiwillige einspringen. Hintergrund ist der Konflikt um Ex-Chef Schun, der auf alten Posten zurück will. Von Matthias Zimmermann und Dimitri Taube

Nach der am Mittwoch bekannt gewordenen Entscheidung des saarländischen Verwaltungsgerichtes, wonach die Landeshauptstadt dem geschassten Chef der Saarbrücker Berufsfeuerwehr, Josef Schun, die Rückkehr auf seinen alten Posten ermöglichen muss, spitzt sich die Lage unter den Mitarbeitern zu. Nach Informationen unserer Zeitung sind seit Donnerstag die beiden Feuerwachen 1 und 2 der Berufsfeuerwehr im Stadtgebiet geschlossen. Grund dafür sind massenhafte Krankmeldungen, so dass von üblicherweise 31 Kollegen nur noch drei pro Wache im Einsatz waren. Zu wenig, um den Dienst aufrechtzuerhalten. Damit hat die Freiwillige Feuerwehr die Aufgabe übernommen, den Brandschutz in der Stadt sicherzustellen. Am Abend trat der Saarbrücker Sicherheitsdezernent Harald Schindel vor die Presse. Ihm gehe es darum, dass die Sicherheit in Saarbrücken gewährleistet sei, sagte Schindel: „Die Überbrückung mit der Freiwilligen Feuerwehr ist einige Tage durchzuhalten.“ Sie habe alles im Griff. In der nächsten Woche könnte die Lage jedoch kritisch werden.

Dem Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr vorausgegangen war am Vormittag eine eilig anberaumte Sitzung des Wachschutzbeirats. Laut Teilnehmern sollen die Berufsfeuerwehrkollegen mehrheitlich erklärt haben, dass sie mit Schun an der Spitze nicht zusammenarbeiten können. Es bestehe kein ausreichendes Vertrauensverhältnis mehr.

Unterdessen sind seit Mittwochabend bei der Stadtverwaltung 27 Krankmeldungen von Wehrleuten eingegangen. Die Berufsfeuerwehr zählt rund 200 Mitarbeiter. Schindel wollte sich zu den Krankmeldungen nicht näher äußern, sie seien rechtmäßig, so der Sicherheitsdezernent. Auch die Frage nach möglichen Konsequenzen für die fehlenden Einsatzkräfte ließ Schindel unbeantwortet.



Die Richter am Saarlouiser Gericht hatten Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) in einem Beschluss vom 9. April auferlegt, Schun seinen bisherigen Job zurückzugeben. Ihn von der Leitung der Berufsfeuerwehr abzuziehen, werteten sie gleichzeitig als „evident sachwidrig“: Die Begründung des Gerichts: Der Vorwurf, Schun habe die Rathauschefin betrogen, als er ein ausrangiertes Feuerwehrauto seinem Aero-Club in Pirmasens überlassen hatte, sei nicht bestätigt. Das Saarbrücker Amtsgericht hatte eine entsprechende Anklage der Staatsanwaltschaft nicht zugelassen. Außerdem sei Schun kein Fehlverhalten bei einem Brandeinsatz mit vier Toten nachzuweisen. Diese schwerwiegende Beschuldigung hatten Berufsfeuerwehrangehörige erhoben.

Schun kehrte schließlich ins Rathaus zurück, allerdings auf die neugeschaffene Stelle des Brandschutz- und Sicherheitsreferenten im Baudezernat.

Schindel sagte gestern Abend nichts zu der Personalie. Um ihrem Unmut über eine mögliche Rückkehr Schuns auf seinen alten Posten Nachdruck zu verleihen, haben Berufsfeuerwehrleute für Freitagmorgen Protest vor dem Rathaus in St. Johann angekündigt. Sie wollen symbolisch ihre Helme niederlegen.