| 22:59 Uhr

Länderübergreifende Zusammenarbeit
Kooperation von Tauchern bis zum Wolf

Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland arbeiten auch an einem einheitlichen Wolfsmanagement. Denn auch das geschützte Raubtier kennt auf seinen Streifzügen keine Ländergrenzen.
Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland arbeiten auch an einem einheitlichen Wolfsmanagement. Denn auch das geschützte Raubtier kennt auf seinen Streifzügen keine Ländergrenzen. FOTO: dpa / Lino Mirgeler
Mannheim. In einem Europa ohne Grenzen arbeiten viele Behörden der Bundesländer im Südwesten eng zusammen. Aber zwischen Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und dem Saarland gibt es auch Reibungspunkte.

Ob Polizeieinsatz oder Brandschutz: Längst macht die Zusammenarbeit von Behörden in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland an Ländergrenzen nicht mehr Halt. Dieser Eindruck ergibt sich aus einer nicht repräsentativen Umfrage der Deutschen Presse-Agentur im Südwesten. Demnach betont zum Beispiel Matthias Schaider von der Stadt Bensheim (Hessen): „Die Abstimmungen auf kommunaler Ebene laufen sehr kollegial und sachorientiert ab. Es ist seit vielen Jahren eine erfolgreiche und gute Zusammenarbeit.“ Auch Norbert Schätzle vom Polizeipräsidium Mannheim (Baden-Württemberg) lobt das Teamwork. „Man kennt sich, das macht es leichter“, sagt er.

Schätzles Kollege Michael Hummel vom Polizeipräsidium Westpfalz in Kaiserslautern stimmt zu – und nennt ein konkretes Beispiel. „Erst im August wurde ein französischer Autofahrer, der den Stoppsignalen der Kollegen aus dem Saarland nicht Folge leistete, über die Landesgrenze hinweg bis nach Ludwigshafen verfolgt. Dort konnte er angehalten werden. Der Fahrer war alkoholisiert und das Auto als gestohlen gemeldet“, erzählt Hummel. „Einsätze dieser Art erfordern eine enge Absprache und Koordination“, unterstreicht er. „Im vorliegenden Fall waren die Führungszentralen des Saarlandes sowie der Westpfalz und der Rheinpfalz sowie verschiedene Dienststellen involviert.“

Gute Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg: Dafür gibt es auch im Saarland Beispiele. „Bei einem Großbrand in Saarbrücken griffen wir auf Sonderfahrzeuge beziehungsweise Sonderlöschmittel von Berufsfeuerwehren aus Rheinland-Pfalz zurück“, erzählt Thomas Blug von der Landeshauptstadt. Die Zusammenarbeit geht dabei auch über die deutsche Grenze hinaus. „In diesem Jahr fanden zwischen den Rettungstauchern der Berufsfeuerwehr Saarbrücken und den Berufsfeuerwehren von Metz, Forbach und Saargemünd in Frankreich gemeinsame Übungen statt, ebenso ein Erfahrungsaustausch“, sagt Blug.



Ermittlungen stoppen, weil Täter ins benachbarte Bundesland fliehen – das gibt es laut Schätzle vom Polizeipräsidium Mannheim nicht mehr. „Auf Innenministerkonferenzen werden die Regeln immer mehr angeglichen“, meint er. „Es gibt auch immer wieder Treffen von Behördenvertretern, um Parameter direkt abzustimmen.“ Als Beispiele nennt Schätzle Ermittlungen nach Einbrüchen oder nach dem Diebstahl von Navis. Allerdings, räumt er ein, gebe es noch „Reibungspunkte“.

Ähnliches berichtet sein Kollege Hummel aus Rheinland-Pfalz. „Da die Polizeibehörden anderer Bundesländer unterschiedlich aufgebaut und organisiert sind, ist der richtige Ansprechpartner nicht immer bekannt und muss erst erfragt werden.“ Thomas Blug von der Landeshauptstadt Saarbrücken nennt auch Sprachprobleme in der Zusammenarbeit mit französischen Einrichtungen. „Hierauf haben die Einheiten mit einem Fachwörterbuch reagiert. Auch gemeinsame Übungen und gegenseitige Besuche trugen zum Abbau der Sprachbarriere bei.“

Auch wenn Verwaltungsgrenzen kaum mehr spürbar seien, drücke vereinzelt doch der Schuh, meinen Kritiker. Unterschiedliche Systeme würden einen Schulwechsel hemmen, und nicht einheitliche Ferienzeiten würden pendelnden Eltern den Familienurlaub erschweren, monieren sie. Behördengänge wie eine Autoummeldung seien oft nur am Wohnort möglich – daher müssten Pendler, die im benachbarten Bundesland arbeiten, teilweise Urlaubstage nehmen. Zudem seien Bauarbeiten auf Straßen oft nicht aufeinander abgestimmt, heißt es.

Beim Fremdenverkehr arbeiten Bundesländer im Südwesten auch zusammen. Beispiel ist das hessische Bensheim. „Aufgrund unserer Lage an der Grenze zu Baden-Württemberg gibt es insbesondere im touristischen Bereich eine Zusammenarbeit mit Städten entlang der Bergstraße in Baden-Württemberg, zum Beispiel Weinheim“, sagt Pressesprecher Schaider. Die Zusammenarbeit laufe sowohl auf Ebene der Verwaltung als auch auf Ebene der Bürgermeister. Der Begriff „Bergstraße“ verstehe sich dabei als touristische Destination, in der sich alle Städte von Darmstadt bis Heidelberg gemeinsam vermarkten.

Auch auf vielen anderen Gebieten wachsen die Bundesländer thematisch zusammen. So arbeiten Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland an einem einheitlichen Wolfsmanagement. Denn auch das geschützte Raubtier macht auf seinen Streifzügen an Ländergrenzen nicht Halt.