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Zwei Jahre nach dem Unglück
Gericht soll tödlichen BASF-Unfall aufarbeiten

Nach einer Explosion brannte es am 17. Oktober auf dem Gelände des Chemiekonzerns BASF. Bei dem Unglück kamen fünf Menschen ums Leben, weil ein Arbeiter die falsche Leitung angeschnitten hatte.
Nach einer Explosion brannte es am 17. Oktober auf dem Gelände des Chemiekonzerns BASF. Bei dem Unglück kamen fünf Menschen ums Leben, weil ein Arbeiter die falsche Leitung angeschnitten hatte. FOTO: dpa / Einsatzreport Südhessen
Ludwigshafen. Fünf Tote, Dutzende Verletzte, ein riesiger Schaden: Vor gut zwei Jahren erschütterte eine Explosion bei BASF in Ludwigshafen die Region. Jetzt rückt die juristische Aufarbeitung des Unglücks näher.

(dpa) Es ist eine gewaltige Explosion, die am 17. Oktober 2016 das BASF-Gelände in Ludwigshafen und die Umgebung erbeben lässt. Fünf Menschen sterben bei dem Unglück, das ein Arbeiter fahrlässig verursacht haben soll. Den Ermittlungen zufolge schnitt der Mitarbeiter einer Spezialfirma für Rohrleitungsbau die falsche Leitung an, was zur fatalen Gasexplosion führte. Nun steht fest, dass ein Gericht den Fall strafrechtlich aufarbeiten wird: das Landgericht Frankenthal hat die Anklage zugelassen. Der Merkur gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wann soll der Prozess beginnen?



Das genaue Datum steht noch nicht fest. Das zuständige Landgericht Frankenthal nimmt an, dass der Auftakt in dem Prozess nach derzeitiger Planung im Februar 2019 sein wird. Angesetzt sind voraussichtlich zehn Verhandlungstage. Dabei werden gleich mehrere Gutachter aussagen, unter anderem geht es um organisatorische und technische Abläufe bei den Reparaturarbeiten und den technischen Zustand der Anlage sowie das Sicherheitsmanagent.

Wer steht vor Gericht?

Angeklagt ist ein 63 Jahre alter Arbeiter. Er soll den entscheidenden Fehler gemacht haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er bei Reparaturarbeiten im Landeshafen Nord der BASF eine entleerte Propylenleitung mit einem Winkelschleifer abtrennen sollte, dabei aber eine danebenliegende, gasführende Leitung erwischte. Durch den Funkenflug des Winkelschleifers entzündete sich ein Butengemisch. Der Brand löste weitere Feuer aus. Sechs Minuten nach dem verhängnisvollen Schnitt explodierte eine Ethylen-Ferngasleitung. Vier Feuerwehrmänner und ein Matrose auf einem Tankschiff starben.

Was genau wirft die Staatsanwaltschaft dem Arbeiter vor?

Die Anklage lautet auf Verdacht der fahrlässigen Tötung, der fahrlässigen Körperverletzung sowie des fahrlässigen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. Im schlimmsten Fall droht dem Mann bei einer Verurteilung eine Haftstrafe. Allein die fahrlässige Tötung eines oder mehrerer Menschen kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden, möglich ist aber auch eine Geldstrafe. Der Mann sagte den Ermittlern nach Angaben des Gerichts, er könne sich das Geschehen nicht erklären und er bedauere die Folgen seines Handelns außerordentlich.

Wie geht es den 45 Verletzten von damals?

Der Angeklagte wurde bei der Explosion schwer verletzt und kann nach Angaben des Landgerichts Frankenthal seither nicht mehr arbeiten. Das Gericht hat nach eigenen Angaben aber bisher keine Anhaltspunkt dafür, dass der 63-Jährige nicht verhandlungsfähig sein könnte.

Wie läuft die Nachbetreuung der Verletzten beziehungsweise Angehörigen von Todesopfern durch die BASF ab?

Der Arbeitskreis Mitarbeiterbetreuung sowie der werksärztliche Dienst des Unternehmens koordinieren die Betreuung aller, die direkt und indirekt betroffen sind. Nach der Erstversorgung am Unfalltag wurde psychologische Betreuung geleistet, im weiteren Verlauf ergänzend durch das psychologische Zentrum der BG Klinik und die Seelsorge Ludwigshafen. Bei Bedarf wurden andere fachmedizinische Einrichtungen und niedergelassene Fachärzte hinzugezogen. In einigen Fällen findet weiterhin eine psychologische Betreuung statt. Zudem stehen Kollegen der verunglückten Mitarbeiter im engen Kontakt mit Angehörigen.

Wie geht die BASF mit dem Unglück um?

Für den Betrieb auf dem BASF-Gelände wurden Konsequenzen gezogen. So soll unter anderem eine verbesserte Kennzeichnungsmethode helfen, das Risiko von Verwechslungen bei Arbeiten an Rohrleitungen weiter zu senken. Bei Schneidearbeiten sollen Arbeiter nur noch funkenarme Werkzeuge verwenden. Zum Jahrestag wurde 2017 auf dem Gelände ein Gedenkort aus vier Stelen mit den eingravierten Namen der gestorbenen Feuerwehrleute eingerichtet. „Wir werden den 17. Oktober 2016 nicht vergessen und die Opfer in Erinnerung behalten. Wir stehen zu unserer Verantwortung“, sagte der damalige BASF-Vorstandschef Kurt Bock.