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Architektin des Waldes
Aufgaben im Forst werden neu definiert

Försterin Anne-Sophie Knop blickt in die Krone einer Lärche, die sie gerade als „Zukunftsbaum“ für eine spätere Holzernte markiert hat.
Försterin Anne-Sophie Knop blickt in die Krone einer Lärche, die sie gerade als „Zukunftsbaum“ für eine spätere Holzernte markiert hat. FOTO: dpa / Peter Zschunke
Argenthal. Der Wald soll Holz liefern, Erholung bieten, zum Klimaschutz beitragen und Artenvielfalt fördern. Diese Vielfalt macht für Soonwald-Försterin Anne-Sophie Knop den besonderen Reiz des Försterberufs aus.

Eigenbrötler mit Rauschebart – diese Vorstellung des Försterberufs wird noch weithin von Tradition und Klischee bestimmt. Dabei ist längst eine Generation von Förstern angetreten, die das Arbeiten für den Wald jenseits aller Romantik neu definiert und selbstbewusst mehr Wertschätzung einfordert. „Drei Säulen tragen meine Arbeit“, sagt Försterin Anne-Sophie Knop. „Ökologie, Ökonomie und der Mensch, der im Wald arbeitet oder sich dort erholen will.“ Mit seiner Bedeutung für Klimaschutz, Erhaltung der Artenvielfalt und Schutz vor Lärm und Stress könne der Wald gar nicht hoch genug bewertet werden.

Seit Beginn des Jahres arbeitet die 25-Jährige aus Ostwestfalen im Hunsrück – nach dem Studium der Forstwissenschaften in Göttingen und einem einjährigen Vorbereitungsdienst in Cochem an der Mosel. Zuständig ist sie für den Schanzerkopf, einem von elf Revieren im Forstamt Soonwald. Zusätzlich betreut sie Projekte wie die naturnahe Gestaltung von Feucht- und Nasswäldern im Soonwald. Für Anschlussarbeiten an ein von der EU gefördertes LIFE-Natur-Projekt ist dort der Einsatz von Freiwilligen des Vereins Bergwald-Projekt in Planung. „Nach der Entfernung von Fichten und der Schließung von Gräben ist diese Wiese wieder feucht geworden“, freut sich die Försterin, begleitet von ihrem Wachtelhund Henna. „Jetzt wachsen hier Binsengräser, Torfmoose und Moorbirken.“

Der Forst soll auch den Rohstoff Holz produzieren, was Knop das ganze Jahr über im Blick hat. So geht sie in diesen Tagen durch eine der vielen Abteilungen ihres 1800 Hektar großen Reviers und zeichnet Bäume aus: „Diese schöne Lärche markiere ich als Z-Baum, als Zukunftsbaum“, erklärt sie und sprüht auf allen Seiten des Stamms dicke weiße Farbpunkte auf. Der mächtige Baum ist 94 Jahre alt und soll einmal wertvolles Holz liefern.



Aufmerksam schaut die Försterin in die Krone des Baums hinauf. „Damit er sich noch besser entwickelt, sollte die benachbarte Buche entfernt werden, zumal sie einige Schäden hat“, entscheidet sie und sprüht mit der roten Farbdose Querstriche auf die Rinde der Buche. So werden die Bäume markiert, die dem Wald entnommen werden sollen – sie werden dann als Brennholz verkauft. Die Polter am Wegrand warten darauf, vom Käufer zersägt und abgeholt zu werden.

Mit der elektronischen Kluppe misst die Försterin den Durchmesser der Stamms – zusammen mit der geschätzten Höhe kann so das Holzvolumen ermittelt werden. Die Markierungen zeigen den Forstwirten, welche Bäume sie mit der Motorsäge entnehmen und welche sie besonders schonend behandeln sollen.

Auf einem Outdoor-Tablet trägt Knop die Geodaten für die Rückegassen ein – Schneisen im Wald, die für Fahrzeuge zur Holzernte genutzt werden können. Die als Harvester bezeichneten Maschinen seien vor allem für Nadelbäume mit ihren geraden Stämmen geeignet, erklärt die Försterin. Sie kommen ab Juli zum Einsatz. Laubbäume werden dagegen meist mit der Motorsäge gefällt – nach Möglichkeit im Winter, weil dann die Holzqualität höher und das Risiko des möglicherweise beschädigten Bestands durch Pilze und Insekten geringer ist.

Wie eine Architektin hat die Försterin die Zukunft des Waldes vor Augen: „Das Ziel ist ein möglichst strukturreicher, ein vielschichtiger Wald.“ Die Auswahl von Baumarten muss zum Standort passen. Während die Eiche viel Licht braucht, ist die Buche eine klassische Schattenbaumart. Mit Blick auf den Klimawandel soll der Anteil von Fichten eher zurückgefahren werden. Dafür werden verstärkt Weißtannen in die nach und nach entstehenden Lücken eingesetzt.

Andere Ecken im Wald sind bewusst nicht für die kommerzielle Verwertung vorgesehen. Dafür zeichnet die Försterin sogenannte Habitatbäume mit einer Wellenmarkierung aus. Diese Gruppen von mindestens 15 Bäumen können den Kern eines artenreichen Biotops bilden. „Hier lassen wir auch bewusst Alt- und Totholz stehen“, erklärt Knop. „Dann gibt es geeignete Höhlen für Fledermäuse.“

Mit Blick auf Artenvielfalt und Erholungswert achtet Anne-Sophie Knop besonders auf die Gestaltung der Waldränder. Die Bäume sollen nach Möglichkeit nicht direkt am Weg stehen. Hier hat auch eine Brombeerhecke Platz. An ihren Blüten herrscht ein reges Treiben von Schmetterlingen wie Kaisermantel und Zitronenfalter, auch Wildbienen und schwarz-gelbe Bockkäfer tummeln sich dort.

Zu den Arbeiten im Forst gehört die stets im Mai beginnende Jagd. Sie sei wichtig für die Artenvielfalt, sagt Knop. „Rehe ernähren sich größtenteils von Knospen – und leider ist immer das am leckersten, was eher selten ist.“ Grundlage für die Jagd auf das hier ebenfalls vorkommende Rotwild ist ein regelmäßiges Monitoring.

Es ist die Vielfalt von sinnvollen Aufgaben im Freien, die Anne-Sophie Knop begeistert, zusammen mit den unterschiedlichen Anforderungen und der Möglichkeit, direkt vor Ort etwas zu bewirken: „Ich sehe die Veränderungen oft schon ein halbes Jahr später.“ Den Jahreswechsel in der Natur erlebt sie ganz bewusst: „Wenn nach grauen Wochen im Spätwinter das Frühjahr beginnt, explodiert das Leben und alles wird grün.“

(dpa)