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Coronavirus
An den Hochschulen in Rheinland-Pfalz herrscht Unmut

Trier/Mainz. Die Studierenden fordern von den Institutionen klare Aussagen über ihre Prüfungen, bangen ums Bafög und kritisieren den Stand der Digitalisierung. Von Florian Schlecht

Prüfungen fallen aus, Bibliotheken sind geschlossen, in den Hörsälen herrscht gähnende Leere: Das Coronavirus verändert auch die Abläufe an den Hochschulen in Rheinland-Pfalz drastisch. Michael Jäckel, Chef der Landeshochschulkonferenz, teilte nun mit, worauf sich Studenten in den kommenden Wochen einstellen müssen. Nachdem Vorlesungen frühestens am 20. April starten sollen, fallen nun auch Prüfungen aus, die Dozenten im Wintersemester eingeplant hatten, sagt Jäckel.

Landesweit regt sich Kritik am Umgang des rheinland-pfälzischen Wissenschaftsministeriums mit der Coronakrise. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte einheitliche Regelungen für anstehende Prüfungen und schriftliche Leistungen wie Seminar- und Abschlussarbeiten. „Mir kann keiner sagen, dass das nicht möglich ist“, sagte Jürgen Blank vom GEW-Vorstandsbereich Hochschule und Forschung. Dabei schließen landesweit Uni-Büchereien, was Studenten erschwert, Bücher auszuleihen. An der Uni Trier dürfen Studenten nur noch Bücher abholen, die sie vorher online bestellt haben. „Wir verlängern die Fristen für Haus- und Abschlussarbeiten wie Bachelor und Master um zwei Monate“, kommt Jäckel den Studenten entgegen, betont aber auch: „Die Regel gilt nur für die Uni Trier. Jede Hochschule muss einen eigenen Weg finden.“

Die Astenkonferenz im Land (LAK) warnte: Lege man alle Prüfungen ins kommende Semester, bedeute dies einen erheblichen Druck für die Studierenden. Es könne zudem zu Verschiebungen im Studienverlauf kommen, so dass Nachteile bei der Zahlung von Ausbildungsförderung (Bafög) entstehen könnten. Die LAK forderte daher, die Regelstudienzeit pauschal um ein Semester anzuheben.



Zudem forderte die LAK das Land auf, mehr als bisher in die Digitalisierung an den Hochschulen zu investieren. Das Wissenschaftsministerium hat vorgeschlagen, bis zum Beginn der Präsenzzeit am 20. April Lernangebote online zur Verfügung zu stellen. Vorlesungen und Seminare könnten übergangsweise auf universitären Lernplattformen zur Verfügung gestellt oder im Netz angeboten werden, sagte Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD).

Laut LAK fehlt es für eine sinnvolle Nutzung aber an leistungsfähigen Servern ebenso wie an digitalen Angeboten der Bibliotheken. Auch Jäckel fordert vom Land, mehr für die Digitalisierung zu machen. „Wir könnten schon weiter sein. In manchen Dörfern dürfte es für Studierende schwierig sein, eine Vorlesung hochzuladen. Da ruckelt es beim einen oder anderen noch“, moniert Jäckel.